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Sandra Redmann

SPD 28.08.2026 Sitzungen 20/125

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer derzeit mit Tierheimen, Wildtierstationen und Tierschutzvereinen spricht, hört immer wieder: Wir haben kaum Platz, die Kosten steigen, und wir wissen langsam nicht mehr, wie wir das alles schaffen sollen. – Trotzdem machen sie natürlich weiter. Sie kümmern sich um ausgesetzte Katzen, um Hunde, beschlagnahmte Tiere, Exoten, kranke Tiere und immer häufiger um Tiere aus Qualzuchten. An dieser Stelle ein Dank an die FDP für die Initiative für eine Anhörung im Ausschuss zur Qualzucht, die wirklich hervorragend war, möchte ich hier ausdrücklich sagen. (Beifall SPD, vereinzelt CDU, FDP und Beifall Dirk Kock-Rohwer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Vor allem Danke an die vielen Menschen aus dem Tierschutz für die offenen Türen, die Gespräche und die klaren Worte. Aber unser Dank darf nicht die Antwort der Politik sein. Wir können nicht immer wieder die Arbeit der Tierschützerinnen und Tierschützer loben und gleichzeitig erwarten, dass sie irgendwie finanziell über die Runden kommen. Tierschutz ist Staatsziel, liebe Kolleginnen und Kollegen, und ein Staatsziel darf nicht davon abhängen, ob genügend Spenden zusammenkommen. (Beifall SPD und Dr. Heiner Garg [FDP]) Deshalb fordern wir, die gestrichene Landesförderung für Tierheime wieder aufzunehmen. Geld allein löst trotzdem das Problem nicht. Wir müssen auch dafür sorgen, dass weniger Tiere überhaupt im Tierheim landen. Lassen Sie mich hier einschieben: Ganz viele Menschen gehen sorgsam mit Tieren um und lieben sie als Mitglied der Familie. Das muss man auch einmal sagen, und ich bin ganz sicher, dass das vielen Kolleginnen und Kollegen genauso geht. (Zurufe: Ja!) Wir müssen trotzdem aufklären. Ein Tier ist keine Anschaffung für kurze Zeit, kein Urlaubsmitbringsel – das ist übrigens gerade dieses Jahr oft passiert –, kein Accessoire für ein Foto und schon gar nicht für eine Social-Media-Story. (Beifall ganzes Haus) Ein Tier aufzunehmen bedeutet Verantwortung. Vor der Anschaffung sollte man genau wissen, was das bedeutet. Wie viel Zeit braucht es? Welche Kosten entstehen? Welche Bedürfnisse hat das Tier? Daher sollten wir auch darüber diskutieren, ob ein Sachkundenachweis für bestimmte Tierhaltungen sinnvoll ist. (Beifall SPD, FDP und SSW) Wir müssen auch bei der Zucht ansetzen. Wir wollen uns gerne am österreichischen Modell orientieren: höhere Anforderungen an Züchterinnen und Züchter, Gesundheitsuntersuchung, Sachkunde und wirksame Kontrollen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Tierschutz beginnt nicht erst an der Tür des Tierheims. Das gilt auch für exotische Tiere. Wer einmal in Weidefeld war – ich gucke einmal zu Christian Dirschauer; meine Kollegin Birte Pauls kann gerade nicht im Plenarsaal sein –, der weiß, was das heißt. Wir fordern eine Positivliste, die festlegt, welche Tierarten privat gehalten werden dürfen. Ich will Ihnen einmal sagen, dass zurzeit das Bennett-Känguru in Schleswig-Holstein gerne gehalten wird. Man kann gar nicht so doof denken, was Leute sich überlegen – das muss ich wirklich einmal sagen. (Beifall SPD und Sebastian Bonau [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Für wirksamen Tierschutz brauchen wir zudem strengere Regeln für den Online-Handel und ein konsequentes Vorgehen gegen den illegalen Tierhandel. Ein Verbot von Wildtieren im Zirkus ist längst überfällig – übrigens unabhängig davon, ob sie groß oder klein sind, liebe Kolleginnen und Kollegen von Schwarz-Grün. (Beifall SPD) (Sandra Redmann) Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum ein kleines Wildtier im Zirkus sein darf und ein großes nicht, aber Sie werden es sicherlich erklären. Sie haben einen Alternativantrag vorgelegt; einige unserer Punkte finden sich darin zumindest im Ansatz wieder. Warum werden Sie immer genau dann vorsichtig, wenn aus einer richtigen Erkenntnis eine Konsequenz folgen muss? – Die Positivliste wollen Sie prüfen – wir wollen sie. Bestehende Gesprächsformate wollen Sie „verstetigen“. – Ja, wollten Sie die denn abschaffen? Das sind immer solche Füllsätze, damit der Antrag nicht nur eine halbe Seite hat, sondern drei oder so, keine Ahnung. (Beifall SPD, FDP und SSW – Unruhe) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Tierheime sind voll, die finanziellen Probleme offensichtlich, das wissen wir. Jetzt muss es hier einmal zur Sache gehen. Deshalb fordern wir eine landesweite Tierschutzkonferenz mit Bund, Land, Kommunen und Tierschutz an einem Tisch, um konkrete Lösungen zu vereinbaren. Wir müssen aufhören, Verantwortung hin- und herzuschieben – das machen wir nämlich. Wer übernimmt welche Aufgaben, wer bezahlt sie? Das muss verlässlich geklärt werden. – Leute, wir sind die Politikerinnen und Politiker, wir können genau das entscheiden. (Beifall SPD, FDP und SSW) Einen Punkt Ihres Antrags möchte ich noch explizit ansprechen: Sie fordern eine „humane Regelung für nicht vermittelbare und rehabilitierbare Tiere“, insbesondere für Hunde mit Gefahrenpotenzial. Sagen Sie bitte konkret, was Sie damit meinen. (Beifall SPD und Annabell Krämer [FDP]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, den Menschen im Tierschutz müssen wir nicht erklären, dass die Lage schwierig ist; das erleben die jeden Tag. Sie nehmen Tiere auf, wenn andere nicht weiter wissen. Sie pflegen, versorgen sie und geben ihnen im besten Fall eine neue Chance. Sie brauchen endlich unsere politische Unterstützung und Entscheidung. Genau das wollen wir (Beifall SPD, FDP und SSW) Ich komme zum letzten Satz, Frau Präsidentin. – Wir wollen Verantwortung dort stärken, wo Tiere angeschafft, gehalten und gezüchtet werden. Wir unterstützen als Staat diejenigen, die am Ende da sind, wenn diese Verantwortung nicht funktioniert. – Danke schön. (Anhaltender Beifall SPD, FDP und SSW)

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