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Dr. Ulrike Täck

GRÜNE 27.08.2026 Sitzungen 20/124

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Das alte Energiesystem stößt an seine Grenzen. Wir brauchen also ein Update, und das ist eine Teilung der Strompreiszone. Deshalb (Dr. Ulrike Täck) bin ich Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ganz besonders dankbar, dass es uns gelungen ist, einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen vorzulegen. Warum braucht der Strommarkt dieses Update so dringend? – Eine Stromgebotszone ist ein regionaler Raum, in dem der Börsenpreis für Strom für alle gleich ist. Wenn diese Stromgebotszone jedoch sehr groß ist, bildet sie die heutige Situation nicht mehr ab, in der es Regionen mit sehr unterschiedlicher Energieerzeugung gibt. Da hierdurch auch Stromnetzengpässe nicht abgebildet werden, passiert etwas sehr Absurdes. Im Norden werden die erneuerbaren Energieanlagen abgeschaltet, und im Süden werden die fossilen Großkraftwerke angeschaltet. Da das Abschalten der erneuerbaren Energieanlagen einerseits und das Vorhalten der Großkraftwerke andererseits finanziell kompensiert werden muss, entstehen die sogenannten Redispatch-Kosten – ein Begriff, den ihr im Antrag findet. Über eine sehr große Region vereinheitlichte Strompreise bieten kein marktwirtschaftliches Signal für Unternehmen, sich dort anzusiedeln, wo der günstige Strom produziert wird. Natürlich ist nicht zu erwarten, dass ad hoc Unternehmen aus dem Süden in den Norden umziehen, wo der günstigere Strom erzeugt wird, aber niemand kann behaupten, dass die regional unterschiedliche Verfügbarkeit von Energie in der Wirtschaft nie eine Rolle spielte. Zum Beispiel hat sich die Stahlindustrie dort angesiedelt, wo die Kohle vorhanden war. In Zukunft gehen die neuen Industrien dorthin, wo der Wind weht. Wir schauen heute nicht mehr auf Unternehmen, bei denen die Schornsteine rauchen, sondern auf Firmen, die jetzt Standorte suchen, um stromintensive neue Technologien aufzubauen, wie zum Beispiel Rechenzentren oder Wasserstoff-Elektrolyseure. Der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber hat bereits im April 2025 empfohlen, die große deutsche Gebotszone aufzuteilen. Auch viele wissenschaftliche Studien zeigen, welche Vorteile eine Reform der deutschen Gebotszone hätte, zum Beispiel Studien der Agora Energiewende und des Fraunhofer IEE sowie des bereits genannten Institutes für Transformation der Energiesysteme der Fachhochschule Westküste. Aber das Bundeswirtschaftsministerium entschied sich im Dezember 2025 mit dem sogenannten Aktionsplan Gebotszone bewusst gegen diese Empfehlungen. Das geht zugunsten der fossilen Großkraftwerke im Süden und ist ein Nachteil für die erneuerbaren Energien im Norden. Wir sehen ja, dass große Gebotszonen über den Handel im Terminmarkt eine gewisse Preissicherheit bieten. Ich bin aber davon überzeugt, dass eine reformierte Zone in Norddeutschland und Dänemark zusammen nicht nur die Redispatch-Kosten spürbar senkt, sondern auch die Vorteile aus dem Terminmarkt mit der Attraktivität unseres günstigen erneuerbaren Stroms kombiniert. Das macht es auch viel einfacher und günstiger, grünen Wasserstoff zu erzeugen, der auf europäischen Märkten anerkannt wird. Denn dafür sind 90 Prozent erneuerbarer Strom nötig. In Schleswig-Holstein sind wir schon so weit, in Dänemark auch, aber nicht überall in Deutschland. Eine Strompreiszone mit Dänemark wäre deshalb ein echter Durchbruch für unsere Wasserstoffwirtschaft in Schleswig-Holstein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Strompreiszoneneinteilung wird oft so dargestellt, als ginge es darum, dass den einen etwas genommen und den anderen etwas gegeben wird. Die Strompreise würden aber dadurch insgesamt sinken, und die deutsche Wirtschaft würde entlastet. Wir wollen nicht weniger, wir wollen mehr, und zwar für alle – mehr soziale Marktwirtschaft, (Beifall FDP, Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Sybilla Nitsch [SSW]) – ich danke Ihnen! –, mehr Fairness, mehr Wertschöpfung vor Ort, mehr europäische Zusammenarbeit und natürlich mehr Klimaschutz. – Ich danke euch allen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt CDU und Beifall Sybilla Nitsch [SSW])

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