Malte Krüger
Sehr geehrter Herr Präsident! Schwimmunterricht zu erhalten, ist Sicherheit und Teilhabe. Wir sind uns einig, dass das etwas ganz Wichtiges für das (Malte Krüger) Land zwischen den Meeren ist. Das haben wir darum schon sehr oft thematisiert. Auch das ist richtig. An dieser Stelle sage ich vielen Dank für den Bericht, Frau Ministerin. Es ist einiges passiert: Wir haben an den Grundschulen die Entwicklung, dass am Ende von Klasse 3 der Anteil der Kinder mit Bronze von 45,9 Prozent auf 51 Prozent gestiegen ist. Das ist etwas mehr als die Hälfte. Wir reden da über 14.000 Schüler_innen. Das ist eine positive Entwicklung. Die Ministerin hat es ausgeführt: Nach Corona hat da ein Aufholen stattgefunden. Ich glaube, wir sind sogar auf einem höheren Niveau als vor Corona. Das muss man wertschätzen. Hier wird so getan, als ob es gar keine Maßnahmen gäbe. Wenn es keine Maßnahmen gäbe, wäre dieser Anstieg an schwimmfähigen Schüler_innen ein Zufall. Wir sind uns aber darüber einig, dass es kein Zufall sein kann, wenn man über mehrere Jahre sieht, dass sich das an den Grundschulen verbessert hat. Bei Klasse 6 sind wir bei insgesamt 72,8 Prozent sicherer Schwimmer_innen. 489 Schulen haben ein ganzjähriges Schwimmangebot. 150 Schulen haben saisonale Angebote. Wir haben eine SchwimmlernOffensive, die derzeit läuft. Das ist die richtige Richtung, und es zeigt eben auch, dass die Anstrengungen, die unternommen werden, Wirkung zeigen. Noch einmal: Es gibt Maßnahmen – weil ja jetzt oft erwähnt worden ist, es gäbe keine Maßnahmen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das stimmt dann schon nicht. Aber ehrlicherweise muss man auch sagen: Wer rechnen kann, sieht, dass bei den Zahlen, die ich gerade vorgelesen habe, eben noch Lücken existieren. Die werden in dem Bericht auch benannt. Wir haben 34 Schulen, die kein Angebot haben. Ich kenne so ein paar Schulen, die das nicht haben. Das hat sehr unterschiedliche Gründe. Das kann daran liegen, dass ein Bad nicht in erreichbarer Nähe ist. Es kann sein, dass die Fahrzeiten zu lang sind. Es kann sein, dass die Wasserzeiten – das ist in Elmshorn zum Beispiel der Fall – nicht ausreichen und man der anderen Schule, die nicht im selben Kreis liegt, nicht zugesteht, diese Wasserzeiten zu nutzen, weil die so eng begrenzt sind. Es kann diverse Gründe haben. Ich komme aus Wewelsfleth. In Wewelsfleth ist das nächste Schwimmbad Brokdorf. Brokdorf wird saniert, sollte eigentlich schon längst fertig sein, aber die Firma ist pleite gegangen. Jetzt ist dieses Freibad seit drei Jahren nicht auf, was natürlich dafür sorgt, dass die Grundschulen in der Nähe weitere Fahrzeiten haben und sich dann sehr genau überlegen, ob sie die weiteren Fahrzeiten in Kauf nehmen. Aber dafür kann man ja nun nicht das Bildungsministerium oder den Bürgermeister von Brokdorf verantwortlich machen, dass diese Firma pleitegegangen ist. Das sind alles Probleme, die dazu beitragen, dass es immer wieder zu Situationen kommt, dass auch neue Schulen eventuell eben kein Schwimmangebot machen können. Jetzt sehen wir aber eine Entwicklung, die mir schon Sorge macht. Wir sehen schon seit Längerem, dass wir bis zur 6. Klasse bei Bronze bei den Gymnasien 88,2 Prozent der Kinder haben, die schwimmen können, und es bei den Gemeinschaftsschulen – das ist das Erschreckende, das hat die Ministerin ja auch gesagt – 62,7 Prozent sind. Das ist schon ein riesiger Unterschied. Das macht mir Sorge, denn ob ein Kind sicher schwimmen kann, darf eben nicht von der Art der Schule abhängen. Es muss ganz klar sein, dass jedes Kind die gleichen Möglichkeiten hat. Ehrlicherweise schreit es so ein bisschen nach einem Perspektiv-Schwimmprogramm, aber das, glaube ich, würde nicht das Problem lösen, welches ich gerade skizziert habe, dass einfach die Schwimmbäder an vielen Stellen fehlen. Trotzdem macht mir das wirklich Sorgen. Die 25 Millionen Euro für die Schwimmsportstätten sind schon angeführt. Das ist, wenn man sich das anschaut, ehrlicherweise natürlich auch noch zu wenig. Aber es sind die Gelder, die eben gerade zur Verfügung stehen, und die werden dann auch an diese Schwimmsportstätten gegeben. Wir brauchen weiterhin gute Kooperationen mit Vereinen, wir brauchen weiterhin die Schwimmenlern-Offensive, und natürlich brauchen wir die gute Qualifizierung der Lehrkräfte. Ich bin dem Kollegen Peer Knöfler sehr dankbar für seine Zwischenfrage, denn es gibt ja an vielen Schulen sehr engagierte Menschen, die diese Kurse belegen. Das ist auch nicht einfach; es ist sehr zeitintensiv. Deswegen will ich meine Rede damit beenden, diesen Menschen zu danken, diesen Lehrkräften, die sich dafür einsetzen, die ihre Zeit dafür opfern, diese Schwimmscheine zu machen, damit sie die Schwimmenlernbefähigung haben, um Kindern schwimmen beizubringen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU – Unruhe)
