landtag.ltsh.de ↗

Peter Lehnert

26.08.2026 Sitzungen 20/123

Für die Landesregierung erteile ich der zuständigen Frau Ministerin Dr. Stenke das Wort. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Auch ich gehöre leider zu dieser Gruppe, die viel bis alles versteht, aber wenig bis gar nichts spricht. (Zuruf) – Auf Plattdeutsch! (Heiterkeit und Zurufe) – Sonst kann ich das ja nicht von mir behaupten. – Das macht noch einmal ein bisschen deutlich, worin eines der Themen besteht. Deswegen ist es sehr gut, dass wir den Bericht zur Fortschreibung des Landesplans Niederdeutsch jetzt vorliegen haben, weil er noch einmal ein paar Punkte herausgearbeitet hat – das ist hier schon erwähnt worden –, bei denen wir trotz aller Erfolge noch weiteren Handlungsbedarf haben. Ich möchte mich zuerst bei all denjenigen bedanken, bei den Vereinen, Verbänden und Institutionen, die neben den Ministerien der Landesregierung an der Erstellung des Berichts mitgewirkt haben. Wir haben sowohl vom Justizministerium Zuarbeiten erhalten, als auch vom MIKWS, als auch vom MWVATT, als auch natürlich aus meinem Haus. Herzlichen Dank dafür an alle Kolleginnen und Kollegen, die sich daran beteiligt haben. Das zeigt ja schon, wie tief das Thema in den unterschiedlichen Häusern im Land verankert ist. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Daneben haben natürlich der Plattdeutsche Rat für Schleswig-Holstein, das Länderzentrum für Niederdeutsch, die Zentren für Niederdeutsch in Leck (Ministerin Dr. Dorit Stenke) und in Mölln, die Christian-Albrechts-Universität, die Europa-Universität Flensburg, der SchleswigHolsteinische Heimatbund und viele andere mehr mitgewirkt. Das zeigt das breite Engagement für den Erhalt und die Stärkung der niederdeutschen Sprache, und das zeigt auch, dass diese Sprache in diesem Land lebt. Ich danke allen Beteiligten sehr herzlich dafür, dass sie sich nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich eingebracht haben. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Im Mittelpunkt des Berichts steht naturgemäß die Umsetzung des Handlungsplans Sprachenpolitik und die Situation des Niederdeutschen in unseren Schulen, Hochschulen und Medien. So beinhaltet der Handlungsplan zum Beispiel die Stärkung der Modellschulen für Niederdeutsch. Wir haben es eben schon gehört: Wir konnten die Zahl von 27 Grundschulen im Schuljahr 2014/2015 auf 55 Schulen anwachsen lassen. Das ist auch der intensiven Arbeit der Kollegin im IQSH und bei mir im Haus zu verdanken, die immer wieder dafür geworben haben. Wir haben die Schulen ja entsprechend ausgezeichnet und machen das an der Stelle auch immer öffentlich. Gut 4.000 Schülerinnen und Schüler können aktuell Niederdeutsch lernen. Das ist ein toller Erfolg und zeigt, wie sehr wir uns um den Erhalt der Sprache kümmern. (Beifall Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Es freut mich, dass viele Kinder und Jugendliche die Sprache von zu Hause kennen und sie mit in eine Institution tragen können. Es ist ja eben schon angesprochen worden, dass es ein tatsächlicher Mehrwert ist, und wir erleben, dass diese Sprache anerkannt und genauso wertvoll ist wie Deutsch oder Englisch. Das zeigt sich auch dadurch, dass wir sie auch in der Schule unterrichten. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dafür brauchen wir natürlich gute Lehrkräfte, und die schaffen wir weiterhin durch attraktive Voraussetzungen für das Lehramt Niederdeutsch. Die Niederdeutsche Abteilung der Europa-Universität – auch das ist schon angesprochen worden, danke schön, Jette Waldinger-Thiering – ermöglicht ein breit gefächertes Studium, das die Teilgebiete ältere und neuere niederdeutsche Sprache, Literatur und Didaktik abdeckt und für die Hochschulzertifikate Niederdeutsch I und II sowie für das abgeschlossene Ergänzungsfach Niederdeutsch – das ist jetzt zugegebenmaßen sehr detailreich – Sonderpunkte für die Referendariatsplatzvergabe gewährt, die in der Kapazitätsverordnung entsprechend hinterlegt sind. Das ist wichtiger Punkt, um das Thema institutionell voranzubringen. Was mir tatsächlich erst durch den Bericht deutlich wurde, ist, dass der Fachtag drei Jahre hintereinander nicht stattgefunden hat. Daran sieht man, dass Berichterstattung durchaus Sinn machen kann. Das werde ich aufnehmen und darüber mit dem IQSH sprechen, denn das muss nicht daran hängen, ob die Fachberatung besetzt ist. Das Problem ist ja immer: Wenn wir Fachberatungen besetzen, holen wir Menschen aus der Schule, und dann findet da der Unterricht nicht statt. Das ist ein kleines HenneEi-Problem, aber darum werde ich mich auf jeden Fall kümmern. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Die EUF ist seit 2018 an der Entwicklung der Lehrmaterialien „Paul un Emma“ für Grundschulen beteiligt, diese wurden gerade erst im Frühjahr 2026 aktualisiert. Ich kann allen nur raten, mal einen Blick da reinzuwerfen; sie sind wirklich klasse geworden. Ich hatte das Vergnügen, mich damit beschäftigen zu dürfen, ich fand das ganz toll, und wir haben dafür eine super Resonanz aus den Schulen bekommen. Auch im Kulturbereich gibt es besonders für Kinder und Jugendliche Theater- und pädagogische Angebote sowie Musik‑, Film- und Lesewettbewerbe. Wir alle kennen den Vorlesewettbewerb „Schölers leest Platt“, und wir sehen da immer wieder ganz tolle Ergebnisse von Schülerinnen und Schülern, die sich mit aktueller Literatur beschäftigen und auf Niederdeutsch vorlesen und vortragen können. Mehr Präsenz von Regional- und Minderheitensprachen haben wir in den öffentlichen Medien erreicht. Auch das ist ein wichtiges Ziel der Sprachenpolitik, denn wenn eine Sprache nicht gehört oder gesendet wird, ist sie bei den Menschen nicht mehr präsent. Deswegen konnten wir nach § 13 des Medienstaatsvertrags zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein neue lokale Radiosender verpflichten, Regional- und Minderheitensprachen im Programm zu berücksichtigen. Auf Anregung des Heimatbundes ist eine eigene Medienstelle für die Produktion von Nachrichten in niederdeutscher Sprache geschaffen worden. Das haben wir als Landesregierung gerne mit Projektmitteln unterstützt. Seit 2025 sichert die Niederdeutsche Medienplattform des Heimatbundes die Sicht- und Hörbarkeit der niederdeutschen Sprache in den Medien. Wir (Ministerin Dr. Dorit Stenke) haben gerade eben schon gehört: Schon seit 1944 fördern die beiden Zentren für Niederdeutsch die Sprache. Ich glaube, die Erfolge sind wirklich greifbar und sichtbar. Tatsächlich ist es so, dass wir den Bericht jetzt fortschreiben müssen. Wir müssen einmal erfassen: Wo stehen wir jetzt? Wie ist die Zahl der Sprecherinnen und Sprecher? Zeigen die Anstrengungen, die wir unternommen haben, tatsächlich entsprechende Ergebnisse? Deswegen planen wir derzeit die Studie, und wir sind in den Vorbereitungen unterwegs. Nun braucht es natürlich weiterhin erhebliches regionales Engagement, um die Regional- und Minderheitensprachen nachhaltig zu sichern und zu stärken. Was es hingegen nicht braucht – so unsere derzeitige Einschätzung –, ist ein eigenes Gesetz. Wir sind hier in Schleswig-Holstein einen anderen Weg gegangen. Wir haben die Ansätze, die wir hier verfolgen, die ich gerade eben noch einmal skizziert habe und die im Bericht niedergelegt werden, in vielen Fachgesetzen, Erlassen und Verordnungen geregelt, sodass es also neben dem Verfassungsrang tatsächlich auch darunter liegende Regelungen in unseren Gesetzen, Erlassen und Verordnungen gibt. Damit können wir tiefer gehende Regelungen zum Schutz der Förderung von Minderheiten und Regionalsprachen schaffen. Deswegen sehen wir keine Regelungslücke, die wir mit einem Niederdeutschgesetz schließen müssten.

Protokoll ↗