Cornelia Schmachtenberg
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Fischerei gehört zu Schleswig-Holstein wie die Küste. Sie prägt unser Land. Ich glaube, keiner von uns kann sich Schleswig-Holstein ohne unsere Kutter vorstellen. Die Fischerei ist mehr als ein reiner Wirtschaftszweig, sie ist Teil unserer schleswig-holsteinischen Identität, sie steht für harte Arbeit, für Tradition und für Generationen, die daran arbeiten, uns mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Fischer sind dafür da, dass sie frischen und heimischen Fisch – ein gesundes Lebensmittel – für uns zur Verfügung stellen. Wir wissen alle: Es ist eine Tradition, die wir erhalten wollen, aber es ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Beantwortung der Großen Anfrage macht deutlich, wie komplex die Lage der Fischerei in SchleswigHolstein inzwischen ist. Mein ausdrücklicher Dank gilt unserer Fachabteilung, die alle Fragen mit größter Mühe und größtem Fleiß bestmöglich beantwortet hat. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Es waren ja viele Fragen, die uns gestellt worden sind. Ich kann dieses Endprodukt durchaus jedem empfehlen, der etwas über Fischerei lesen möchte, die Vielfältigkeit ist durchaus groß: Wir haben die Ostsee- und die Nordseefischerei, wir haben die Binnen- und die Teichwirtschaft, wir haben die Krabbenfischer, die Muschelfischer, die Aquakultur. Wir haben sehr viele Fischereierarten, und deswegen lege ich das durchaus jedem ans Herz, der etwas über unsere großartige Fischerei lernen möchte. Klar ist: Die Vielfältigkeit ist groß, und wir stehen vor großen Veränderungen und Herausforderungen in der Fischerei – in der Ostsee‑, in der Nordsee‑, aber auch in der Binnen- und Teichfischerei. Viele Fischerinnen und Fischer blicken durchaus mit Sorge in die Zukunft. In der Ostsee sind die Bestände von Dorsch und Hering dramatisch zurückgegangen. Der ökologische Zustand bleibt besorgniserregend. An der Nordsee stehen insbesondere die Krabbenfischer vor großen Herausforderungen. Binnenfischer und Teichwirte geraten zusätzlich durch Prädatoren wie Kormoran oder Fischotter unter Druck. Gerade beim Kormoran brauchen wir Lösungen, die auch auf europäischer Ebene mitgetragen werden. (Beifall CDU und SSW) Es gibt Themen, die die EU noch anpacken muss, unter anderem beim Kormoran, und sie hat beispielsweise angepackt, was ich nicht so großartig fand: Die EU-Kontrollverordnung gehört nicht unbedingt zu den Lösungen, die die Fischerinnen und Fischer brauchen. Gleichzeitig zeigt sich, wenn man gute Fangjahre hat, wie zuletzt 2025, dass unsere Fischerei durchaus eine Zukunft haben kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Es ist klar – auch das wird in der Antwort auf die Große Anfrage deutlich –: Es gibt nicht die eine Lösung, die den Fischerinnen und Fischern helfen und die sie retten kann, sondern es gibt mehrere Lösungen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir gemeinsam daran arbeiten und die Fischerei in Zukunft erhalten. (Beifall CDU) Mit dem Aktionsplan Ostseeschutz hat die Landesregierung einen Weg eingeschlagen, um den Zustand der Ostsee zu verbessern. Ja, der Weg ist sehr hart für unsere Fischerinnen und Fischer in der Ostsee, und er bringt durchaus große Belastungen mit sich. Deshalb war von Beginn an klar, dass wir die Fischer nicht alleinlassen, sondern unterstützen werden. Wenn auf der einen Seite Einschränkungen (Ministerin Cornelia Schmachtenberg) erfolgen, dann muss es auf der anderen Seite Unterstützung geben. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deshalb hat die Landesregierung gemeinsam mit dem Landesfischereiverband und dem Fischereischutzverband eine Zielvereinbarung für zehn Jahre geschlossen, dass wir sie unterstützen und das honorieren, was sie leisten. Wir honorieren, dass sie freiwilligen Schutz betreiben für Schweinswale, für Meeresenten, dass sie verloren gegangene Fanggeräte bergen und bei Umwelt- und Küstenmonitoringsaufgaben mitwirken. All das honorieren wir finanziell mit einer Summe von 750.000 Euro jährlich für zehn Jahre. Das ist ein guter und wichtiger Schritt vor allen Dingen für die Ostseefischerei. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wichtig ist aus meiner Sicht aber auch, dass sich auf europäischer Ebene etwas bewegt. Neue Ansätze setzen stärker auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, um Fischbestände besser zu schützen und der Fischerei gleichzeitig eine Zukunft zu geben. Denn darum geht es ja immer: Es geht darum, dass Schutz und Nutzung nicht Gegensätze sind, sondern dass sie miteinander verbunden werden. Denn auch unsere Fischer wollen letztendlich einen guten Meeresschutz. Sie wollen, dass es unseren Fischen gut geht, damit sie diese fischen können. (Vereinzelter Beifall CDU) Ein gutes Beispiel dafür ist der Aalbesatz, der uns allen durchaus bekannt ist. Ein weiteres gutes Beispiel entsteht derzeit in Alt-Mühlendorf: Gemeinsam mit dem Landesangelverband bauen wir dort mit den Mitteln der blau-grünen Infrastruktur ein modernes Fischartenschutz- und Informationszentrum auf. Neue Bruthauskapazitäten helfen dabei, den notwendigen Fischbesatz für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Zugleich entsteht ein Ort, der Wissen vermittelt und Menschen für nachhaltige Fischerei begeistert. Das zeigt: Wir müssen beides zusammendenken, damit wir die Fischerei langfristig erhalten. Die schleswig-holsteinische Fischerei lebt von Familienbetrieben, von Erfahrung und Wissen, das über Generationen weitergegeben wird. Wir fördern die Ausbildung, weil wir an die Zukunft der Fischerei glauben, weil wir glauben, dass auch in Zukunft noch gefischt werden wird, weil wir sie unterstützen wollen, brauchen wir junge Menschen, die wir auf diesem Weg begleiten und die gut ausgebildet sind. Denn eines ist klar – und dafür stehe ich ein –, dass wir auch in Zukunft eine starke Fischerei in Schleswig-Holstein haben, dass die schleswig-holsteinische Fischerei nach wie vor zu unserem schönen Land gehört. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Anne Riecke [FDP])
