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Cornelia Schmachtenberg

08.05.2026 Sitzungen 20/119

Nein, das bekommen Sie nicht von mir. – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Die Ausbreitung invasiver Arten stellt SchleswigHolstein, aber auch die gesamte Bundesrepublik vor große Herausforderungen. Wir haben es schon gehört, invasive Arten sind Tierarten, die ursprünglich nicht in unseren heimischen Lebensräumen vorkommen, die sich aber hier angesiedelt haben und zunehmend verbreiten. Man unterscheidet bei den invasiven Arten zwischen jagdbaren und nicht jagdbaren Arten. Heute reden wir über die jagdbaren Arten, unter anderem über Nutria, Waschbär und Marderhund. Die invasiven Arten zeichnet aus, dass sie ein hohes Anpassungspotenzial haben, hier wenig Lebensfeinde haben, hier gute Bedingungen haben und sich dementsprechend sehr rasant ausbreiten. Die Auswirkungen sind durchaus enorm, denn sie passen nun mal nicht in unsere heimischen Ökosysteme, und sie verursachen dadurch Schäden in der Landschaft und in der Natur. Das wird unterschiedlich deutlich. Beispielsweise beeinträchtigen der Marderhund und der Waschbär die Brutbiotope. Wir haben es gerade wieder gehört. Sie gefährden bodenbrütende Vogelarten, die wir schützen wollen. Sie greifen in empfindliche Lebensräume ein, häufig in unmittelbarer Nähe zu menschlichen Siedlungen. Eine besondere Dynamik besteht bei uns in Schleswig-Holstein an den Gewässern, wovon wir durchaus sehr viele haben. Hier werden seit einiger Zeit Nutria zu einem besonderen Problem. Sie graben ausgedehnte Gänge, unterhöhlen Uferbereiche und schwächen so ganze Böschungen. Lebensbereiche geraten somit völlig aus dem Gleichgewicht, und die Ufer verlieren ihre Stabilität. Die Auswirkungen beschränken sich aber nicht nur auf die Gewässerrandlagen, sondern auch angrenzende landwirtschaftliche Flächen können davon betroffen sein, wenn Nutria weite Gräben ziehen. Diese Entwicklungen – wir haben es gehört – sind für Deiche besonders bedeutend. Die schützen nun einmal unsere Menschen hier vor Ort. Deiche sind wichtig: Wir haben über 1.000 Kilometer Deichlinie, und sie schützen unsere Menschen hier Tag für Tag. Die Gefahr ist nicht immer von außen sichtbar; man sieht es nicht von außen. Die Deiche sehen von außen intakt aus, sind aber zum Teil aufgrund der Wildtätigkeit von Nutria untergraben; sie haben Hohlräume, und damit beeinträchtigen sie die Stabilität. Das heißt, von außen wirkt alles intakt, aber unter der Oberfläche sind die Strukturen nun einmal anders. Das sind Veränderungen, die wir durchaus ernst nehmen müssen. Denn sie geschehen leise, unbemerkt und entfalten ihre Wirkung erst mit der Zeit – und dann ist es vielleicht zu spät. Deswegen müssen wir mehr Maßnahmen ergreifen als bisher, um diese Entwicklung wirksam zu begrenzen. Deswegen ist Abwarten auch mit Blick auf den Schutz unserer Deiche keine Option. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Bereitstellung von 50.000 Euro bietet eine verlässliche Grundlage, um gezielte örtliche Projekte zu schaffen. Natürlich werden 50.000 Euro landesweit nicht reichen, aber sie sind zumindest ein Anfang, wie wir die Jägerschaft unterstützen können. Kern des Projektes, das wir machen wollen, ist die praktische Umsetzung vor Ort. Geeignete Fallen sollen bereitgestellt werden, die den Jagdausübungsberechtigten unbürokratisch ausgeliehen und dann eingesetzt werden können. So wollen wir die Jägerschaft gezielt unterstützen und die Mittel effizient einsetzen. Wenn wir die Mittel dauerhaft zur Verfügung stellen, dann können wir damit etwas erreichen. 8990 Schleswig-Holsteinischer (Ministerin Cornelia Schmachtenberg) (Unruhe) Dabei steht die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft in Schleswig-Holstein im Mittelpunkt. Denn – das wurde auch schon gesagt – Jägerinnen und Jäger leisten bereits heute einen wahnsinnig wichtigen Beitrag. Sie sind ein Naturschutzverband, der sich sehr intensiv um unseren Naturschutz kümmert – auch um den Umgang mit invasiven Arten. Sie kennen die Gegebenheiten vor Ort. Sie kennen die praktischen Erfahrungen, und sie begleiten auch jetzt schon die Maßnahmen. Das alles tun sie ehrenamtlich. Das müssen wir immer wieder sagen: Die gesamte Naturschutzarbeit von Jägerinnen und Jägern ist ehrenamtlich. Sie schützen damit unsere Deiche, unsere landwirtschaftlichen Flächen und unsere Gräben – und dafür gebührt ihnen unser Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir diese Arbeit gezielt weiter unterstützen und weiterentwickeln. Wir wollen gemeinsam mit der Jägerschaft die Erfahrungen nutzen und wirksame Maßnahmen weiter intensivieren, damit wir eine bessere Begrenzung der invasiven Arten bekommen. Klar ist auch: Die Jagd ist nur ein Baustein; auch die 50.000 Euro sind nur ein Baustein. Damit werden wir das Problem der invasiven Arten nicht morgen lösen. (Sandra Redmann [SPD]: Die sind doch nicht neu, Mensch!) Aber wir müssen mit den Beteiligten vor Ort ein Gesamtkonzept erarbeiten, natürlich mit den Wasser- und Bodenverbänden, natürlich mit dem Naturschutz, aber auch mit der Jägerschaft. Denn wir brauchen ganzheitliche Lösungen für dieses Land, und wir brauchen ein kontinuierliches Weitergehen, damit wir diese Arten begrenzen. Darum wird sich mein Haus jetzt kümmern. Ich hoffe, dass wir das gemeinsam machen, dass wir da gemeinsam vorangehen und gemeinsam weitere Lösungen erarbeiten. Das ist nicht das Ende der Geschichte, sondern es kann ein Anfang sein. Klar ist nämlich eines: Die Bekämpfung von Nutria, die Bekämpfung von Waschbären und von Marderhunden sind keine kurzfristige Aufgaben. Es ist nicht nur mit einer einzelnen Maßnahme geschafft, sondern wir brauchen ein buntes Potpourri. Damit fangen wir an und machen weiter. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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