Manfred Uekermann
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute einen Antrag zur Regulierung invasiver Arten wie Nutria, Waschbär, Marderhund. Das tun wir nicht aus abstraktem Interesse, sondern weil sich in Schleswig-Holstein längst sehr konkrete Auswirkungen zeigen. Sie betreffen unsere Ökosysteme, die Artenvielfalt und zentrale Schutzinfrastrukturen des Küsten- und Hochwasserschutzes unseres Landes. Diese Arten sind nicht Teil unserer heimischen Tierwelt. Sie haben sich angesiedelt, sie breiten sich aus, und sie tun dies mit einer Dynamik, die wir nicht unterschätzen dürfen. Entscheidend ist dabei ihre biologische Ausstattung. Die hohe Reproduktionsrate, die große Anpassungsfähigkeit und das Fehlen natürlicher Feinde führen dazu, dass sich diese Arten in einer Kulturlandschaft wie Schleswig-Holstein schnell etablieren und heimische Arten verdrängen. Besonders deutlich wird dies an unseren Gewässern und Küsten. Die Nutria ist hier zum zentralen Problem geworden. Er gräbt weit verzweigte Bausysteme in Ufer und Böschung. Diese Schäden sind zunächst nicht sichtbar, entfalten aber eine klare Wirkung. Ufer werden instabil, Böschungen verlieren ihre Tragfähigkeit und Lebensräume geraten aus dem Gleichgewicht. Was zunächst lokal erscheint, hat eine landesweite Bedeutung, denn diese Entwicklungen betreffen auch unsere Deiche und damit den Küsten- und Hochwasserschutz. Mehr als tausend Kilometer Deichlinie schützen Schleswig-Holstein täglich vor Sturmfluten und Hochwasser. Sie sind ein zentraler Bestand unserer Daseinsvorsorge und unserer Sicherheit. Die besondere Gefahr liegt darin, dass die Schäden im Inneren entstehen. Von außen bleibt die Oberfläche oft intakt, während sich unter der Grasnarbe Hohlräume bilden, die in der Stabilität langsam untergraben. Diese Prozesse verlaufen fast unbemerkt, aber sie entfalten mit der Zeit erhebliche Auswirkungen. Wer Deichschutz ernst nimmt, muss deshalb auch invasive Arten reduzieren. (Beifall CDU und Dr. Michael Schunck [SSW]) Ähnlich ist die Lage bei Waschbären und Marderhund. Beide greifen massiv in Brutbiotope ein, gefährden bodenbrütende Vogelarten, erhöhen den Druck auf empfindliche Ökosysteme. Sie sind auch längst nicht mehr auf abgelegene Bereiche beschränkt, sondern sie haben sich in Siedlungsräumen etabliert. Der Marderhund verstärkt diese Entwicklung zusätzlich durch seine Rolle als Prädator und als möglicher Überträger von Krankheitserregern. Der Waschbär zeigt, wie stark invasive Arten urbane Räume besiedeln und dort heimische Arten verdrängen können. Die Konsequenz daraus eindeutig. Wir brauchen kein punktuelles Reagieren, sondern ein dauerhaftes Management dieser Art. (Beifall CDU) Die EU‑Verordnung 1143 aus dem Jahre 2014 gibt dafür den klaren Rahmen vor. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten zur aktiven Eindämmung invasiver Arten. Im Zentrum steht dabei nicht das Ob, sondern das Wie. In Schleswig-Holstein sind Fang- und Fallenjagd bereits heute ein wichtiges Instrument. Die Fallenjagd ist rechtlich klar geregelt, fachlich anspruchsvoll und an einen hohen Standard gebunden. Nur geprüftes Personal und geprüfte Fallen dürfen ein-8984 Schleswig-Holsteinischer (Manfred Uekermann) gesetzt werden. Jägerinnen und Jäger müssen eine umfangreiche Sachkunde nachweisen. Das ist keine Formalie, sondern das ist die Grundlage für ein wirksames Handeln vor Ort. Ohne die Jägerschaft wird dieses Problem nicht lösbar sein. (Zuruf CDU: So ist es !) Jägerinnen und Jäger kennen die Reviere, sie kennen die lokalen Gegebenheiten, und sie leisten jetzt schon einen wesentlichen Beitrag für das praktische Wildtiermanagement. (Beifall CDU) Diese Arbeit erfolgt fast ausschließlich ehrenamtlich mit großem Fachwissen und hoher Verantwortung, und sie verdient Anerkennung und politische Unterstützung. Deshalb ist es richtig, die Fallenjagd strukturell zu unterstützen und die praktische Umsetzung gezielt zu stärken. Es geht um Verlässlichkeit, Kontinuität und Wirksamkeit und nicht um kurzfristige Einzelmaßnahmen, denn diese Aufgabe wird nicht kurzfristig gelöst. Sie ist dauerhaft, komplex und nur gemeinsam zu bewältigen. Vor diesem Hintergrund ist der Jägerschaft ein Dank für die Unterstützung der zentralen Ziele des Arten- und Naturschutzes auszusprechen. (Beifall CDU, SSW und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Dieser Dank an die Jägerschaft ist ein Bekenntnis zu einer ausgewogenen, praxisnahen Umweltpolitik, die auf Verantwortung, Fachwissen und Zusammenhalt setzt. – Vielen Dank; Waidmannsheil! (Beifall CDU – Zuruf CDU: Sehr gute Rede!)
