Kristina Herbst
Für die Landesregierung hat nun die Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Dorit Stenke, das Wort. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Unsere drei öffentlichen Theater Kiel, Lübeck und das Landestheater sorgen dafür, dass alle in Schleswig-Holstein Zugang zur Bühnenkunst haben können. Gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein ist es von besonderer Bedeutung, damit Kultur auch außerhalb der städtischen Zentren in ländlichen Räumen und Gemeinden stattfinden kann. Das Land unterstützt dabei die öffentlichen Theater auf vielfältige Weise – das werde ich gleich ausführen –, und es stellt erhebliche finanzielle Mittel bereit, um sie abzusichern und die Weiterentwicklung zu ermöglichen. Dabei spielt das FAG natürlich eine wichtige Rolle, gerade für das Landestheater, weil es sich hierbei um einen Zusammenschluss der Kommunen handelt, die sich hier auf den Weg gemacht haben, ein solches Theaterangebot in der Fläche zu entwickeln und in der Fläche vorzuhalten. Wir haben die Geschichte dazu gehört, und ich glaube, es ist wichtig, sich dieser Geschichte noch einmal bewusst zu werden, weil darin liegt natürlich auch ein Schlüssel dafür, was wir jetzt für die Weiterentwicklung angehen müssen. Es ist nötig, dass wir alle uns daran beteiligen, denn die öffentlichen Bühnen, auch das ist jetzt mehrfach betont worden, stehen natürlich vor vielfältigen wirtschaftlichen Herausforderungen, wie viele andere Einrichtungen in diesem Land auch. Sie kämpfen mit steigenden Personal- und Betriebskosten und müssen zum Teil dringend in ihre Infrastruktur investieren. Das Ziel des schon 2013 erarbeiteten Konzeptes war es darum auch, die Sicherung der öffentlichen Theater und des Theaterstandortes Schleswig in den Blick zu nehmen und die Theaterstruktur im Land umfassend zu analysieren. Dabei zeigte sich damals im Ergebnis, dass vor allem die erneute Dynamisierung der Mittel im Rahmen des FAG ein gutes Instrument ist, um Theater langfristig finanziell abzusichern. Ich führe das gleich noch aus. (Vereinzelter Beifall CDU, Beifall Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Gleichzeitig zeigt die Analyse ganz klar, dass die kommunale Verankerung der Theater besonders effektiv ist. Das ist nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, was wir hier in Schleswig-Holstein haben – ich finde, darauf können wir und sollen wir zu Recht stolz sein –, sondern sie ist auch das Erfolgsgeheimnis: weil es dadurch in die Fläche kommt, weil es in die ländlichen Räume kommt und weil es tatsächlich ein Zusammenschluss von 17 Gesellschaftern ist, die hier gemeinsam Verantwortung übernommen haben. Diese Erkenntnisse gelten ja auch weiterhin und sind der Schlüssel für ein hochwertiges Bühnenprogramm in allen Regionen unseres Landes. Die vorgeschlagenen Maßnahmen aus dem damaligen Bericht haben wir gemeinsam und in gutem Einvernehmen deswegen mit den kommunalen Landesverbänden und den beteiligten Kommunen umgesetzt. So haben wir die Dynamisierung der FAG-Mittel beschlossen und haben sie seinerzeit nach dem Bericht der Intendantin ab 2021 auf jährlich 2,5 Prozent erhöht. Das gehört natürlich auch dazu, wenn wir über die Beteiligung des Landes sprechen. 8954 Schleswig-Holsteinischer (Ministerin Dr. Dorit Stenke) (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Damit haben sich die FAG-Mittel stärker entwickelt als die Mittel, die die Gesellschafter im gleichen Zeitraum bereitgestellt haben. Auch das müssen wir, glaube ich, sehen, wenn wir darüber sprechen, ob und in welchem Umfang das Land hier Verantwortung übernimmt. Auch um die Infrastruktur der Spielstätten zu stärken – das war nämlich ein zweiter Punkt in dem damaligen Bericht –, wird ebenfalls mit Unterstützung des Landes ein Kulturhaus in Schleswig gebaut. Das wird dafür sorgen, dass das Landestheater in Zukunft weiter auch an dieser Stelle Einnahmen erzielen kann und eine weitere gute Spielstätte bereithalten wird. (Birte Pauls [SPD]: Aber nicht ohne Flensburg!) Zu einer vielfältigen und lebendigen Kulturlandschaft gehören starke Theater, und genau diese haben wir nämlich in Schleswig-Holstein. Deshalb wollen und werden wir die öffentlichen Theater weiter unterstützen. Das ist und bleibt eine unserer wichtigsten Investitionen in die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins. Aktuell ist insbesondere das Schleswig-Holsteinische Landestheater besonders darauf angewiesen. Wir haben das jetzt hier ausführlich gehört. Deswegen wird jetzt eine eigene Organisationsuntersuchung in Auftrag gegeben. Diese ermöglichen wir durch zusätzlich durch das Land bereitgestellte Mittel. Wir stehen dabei eng an der Seite des Landestheaters und das heißt aller Gesellschafter. Das heißt, wir sprechen auch mit allen Gesellschaftern, und wir unterstützen und beraten das Landestheater ausführlich und begleiten es sehr eng, damit es tatsächlich zu guten Lösungen kommen kann. Ich glaube, eine gemeinsame Gesellschaft braucht eben auch gemeinsame gute Lösungen. Damit wir auf diesen Weg kommen können, wird es jetzt diese Organisationsuntersuchung geben. Wir wollen wissen, wie wirksam die eingesetzten öffentlichen Mittel sind, wie die Gesellschafteranteile verteilt sind und verteilt werden können und welche Erwartungen Gesellschafter, Land und Kommunen an ihr Landestheater haben, nämlich alle gemeinsam. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Außerdem sollen verschiedene Szenarien – auch das möchte ich betonen – für die zukünftige Struktur des Landestheaters entwickelt werden, wobei unterschiedliche finanzielle Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. Das berücksichtigt meines Erachtens dann auch die Situation in Flensburg genau wie die Situation in den anderen Kommunen. Darauf muss es doch ankommen, dass wir eine gemeinsame Sicht auf dieses Thema haben und nicht die Sicht eines einzelnen Gesellschafters. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deswegen finden wir es richtig, jetzt noch einmal eine Bestandsaufnahme über alle Theater im Land zu machen, über die öffentlichen und privat geführten Theater. Wir haben das gerade eben gehört: Die Landschaft ist noch vielfältiger, als wir sie hier bisher beschrieben haben, und das werden wir jetzt ebenfalls auf den Weg bringen. Wir werden die dafür notwendigen Gespräche mit den kommunalen Landesverbänden führen, und wir werden die entsprechenden Daten erheben, damit wir eine wirklich belastbare Basis für weitere Gespräche haben. Auf dieser Grundlage werden wir dann die strategische Weiterentwicklung der Theaterlandschaft gemeinsam diskutieren können. Langfristige Planung, verlässliche Finanzierung und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sind gerade in finanziell angespannten Zeiten entscheidend. Alle Partner müssen sich an ihre gemeinsam getroffenen Verabredungen halten, damit Theater auch künftig Orte der Begegnung, Inspiration und der gesellschaftlichen Reflexion für alle hier in diesem Land bleiben – für alle Erwachsenen, für Kinder und Jugendliche – und dass sie ihre besondere Bedeutung für Austausch, Bildung und kulturelle Identität weiterhin entfalten können. Denn eines steht fest: Wir sind ein Theaterland, und wir wollen das auch bleiben. Wir werden alles dafür tun, die Theaterszene zwischen den Meeren zu erhalten und weiter zu stärken. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
