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Beate Raudies

SPD 08.05.2026 Sitzungen 20/119

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wäre ich eine Theaterautorin, dann hätte ich jetzt die Idee zu einem Stück: die zwei Welten auf der Bühne, getrennt durch einen Vorhang, ein Gitter, eine undurchdringliche Wand. Auf der einen Seite die Realität unserer Theater, vor allen Dingen des Landestheaters, seit Jahren immer knapp bei Kasse, immer auf Kante genäht. Aber was da geleistet wird: großartig. Das gilt genauso für die freien Theater, die privaten Theater und die Spielstätten, an denen die Aufführungen stattfinden. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP, SSW und Ole-Christopher Plambeck [CDU]) Jeden Abend geht der Vorhang auf, und das ist mehr als Unterhaltung, da sind wir uns einig. Theater sind das schlagende Herz unserer Demokratie, sie sind die Orte des gesellschaftlichen Diskurses, Räume für Bildung und unverzichtbare kulturelle Ankerpunkte. In einer Zeit, in der der gesellschaftliche Zusammenhalt immer wieder auf die Probe gestellt wird, sind die Bühnen und die Theater genau die Orte, an denen wir uns über diese Werte streiten und in denen wir uns auch verständigen können. Deswegen sind Theater eben so wichtig. Dann die andere Realität, die ich hier gehört habe: Verträge sind einzuhalten, alle müssen sich an ihre 8950 Schleswig-Holsteinischer (Beate Raudies) Pflichten halten, ist doch alles nicht so schlimm, wir machen noch mal eine Bestandserhebung. – Das erinnert mich so ein bisschen an die zwei Welten, an die Realität. Die Kollegin Röpcke sagt gerade, dann machen wir mal eine gute Basis für das Konzept. – Das, was Sie vorschlagen, könnte Teil eines Konzeptes sein. Das ist eine Vorbereitung für ein Konzept. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich verstehe ernsthaft nicht, warum Sie den wirklich guten Vorschlag von Jette Waldinger-Thiering hier nicht aufnehmen und nach zehn Jahren die Theater im Land auf neue Spuren setzen. (Beifall SPD, FDP und SSW) Die Jahre nach der Pandemie waren hart, und die wirtschaftlichen Herausforderungen durch massive Kostensteigerungen und die Tarifabschlüsse sind gewaltig gewachsen. Bei den Preisen ist ein Ende. Da kann man nicht unendlich alles immer auf die Nutzerinnen und Nutzer umlegen, vor allen Dingen wenn ich mir die Bevölkerungsstruktur in Schleswig-Holstein angucke, das Gehaltsniveau: Wer kann sich denn eine Theaterkarte für 50 Euro leisten? Wer will sich denn für 50 Euro eine Theaterkarte leisten? Da ist doch ein Ende, wir können doch nicht sagen: Wer was sehen will, bezahlt. – Dann bleiben viele Menschen draußen. Das wollen gerade wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nicht. (Beifall SPD) Auch meine Vorrednerinnen haben darauf hingewiesen: Die finanzielle Situation der Kommunen wird gerade immer angespannter. Der Bundesfinanzminister hat gestern die neue Steuerschätzung vorgestellt, wir werden nächste Woche die Auswirkungen für Schleswig-Holstein hören. Da bange ich um die Kultur in der Fläche. Denn wir schaffen es ja nicht, den Kommunen zu vermitteln, dass Kultur eine Pflichtaufgabe und wichtig ist. Was wird als Erstes gestrichen? – Die Kulturausgaben, die Zuschüsse für die Theater, für die Bibliotheken, für die Kinderangebote und für so vieles anderes, was das Leben so besonders macht. (Beifall SPD und SSW – Sybilla Nitsch [SSW]: So ist es!) Jette Waldinger-Thiering hat früher mal davon gesprochen, die Kultur sei das Schwarzbrot, das uns am Leben hält, nicht die Sahne auf der Torte. Ohne Sahne können wir gut auskommen, aber ohne Schwarzbrot ist das schon deutlich schwieriger. Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist es Zeit, dass wir diesen Vorhang in der Mitte dieser beiden Realitäten jetzt mal aufreißen und dass das Land aus der gemütlichen, bequemen, sauberen Ecke rauskommt und sich auch in die andere Ecke bewegt, wo das Leben spielt, auf der Theaterbühne. (Beifall SPD, FDP und SSW – Sybilla Nitsch [SSW]: Ganz genau!) Dass das Land seine Verantwortung wahrnimmt und sich nicht immer damit rausredet, man sei ja nicht Gesellschafter beim Landestheater oder es seien kommunale Bühnen oder man sei gar nicht zuständig. Wenn wir eine Landeskulturpolitik wollen und wollen, dass das Land sich engagiert, dann müssen wir uns jetzt auch mal ein bisschen kümmern.

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