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Martin Habersaat

SPD 07.05.2026 Sitzungen 20/118

Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Meine Damen und Herren! Lieber Kollege Krüger, wissen Sie, was bisher in dieser Legislaturperiode Ihre wirksamste Maßnahme gegen den Lehrkräftemangel war? (Zuruf Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Die Reduzierung der Stunden an Gymnasien um vier und an Gemeinschaftsschulen um sechs Stunden in der Sekundarstufe I. (Beifall SPD, Dr. Heiner Garg [FDP] und Christian Dirschauer [SSW]) (Martin Habersaat) Das ist eine richtige Multifunktionsmaßnahme gewesen. Sie sparen Geld, reduzieren den Unterrichtsausfall und brauchen weniger Lehrkräfte. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Der „Jäger 90“ der Bildungspolitik!) Trotzdem finde ich diese Reduzierung abgrundtief falsch. (Beifall SPD, FDP und Christian Dirschauer [SSW]) Das Lehrkräftebildungsgesetz von 2014 war in verschiedener Hinsicht ein besonderes Gesetz, meine Damen und Herren. Es war das erste Mal in der Geschichte des Landes Schleswig-Holstein, dass alle Phasen der Lehrkräfteausbildung in einem Gesetz geregelt wurden. Es war – so habe ich es beobachtet; sonst wäre sie heute nicht hier – der Einstieg der heutigen Staatssekretärin Birgit Heß in die Landespolitik. Und es ist das zentrale Rechtswerk, das die Qualität der Schule von morgen definiert. Meine Damen und Herren, der Bedeutung dieses Gesetzes sind Sie in diesem Gesetzgebungsverfahren formal und inhaltlich nicht gerecht geworden. (Zuruf BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Na ja!) – Formal! Zur Landtagswahl 2022 stellte die damalige Bildungsministerin Karin Prien eine Allianz für Lehrkräftebildung ins Schaufenster. Mein Verdacht war schon damals, dies sei kurz vor der Landtagswahl nur deshalb passiert, damit sie wenigstens behaupten konnte, irgendetwas gegen den Lehrkräftemangel zu tun; tatsächlich sei dies aber nicht mit konkreten Vorhaben verbunden. (Zuruf SPD) – Das war mein Verdacht. Nun reformieren Sie das zentrale Gesetz für die Lehrkräftebildung. Und wen beteiligen Sie nicht? Die Allianz für Lehrkräftebildung! (Beifall SPD, SSW und Dr. Heiner Garg [FDP]) Nun ist Frau Professor Parchmann nicht nur sehr kompetent, sondern auch sehr höflich. Sie hat uns in der Anhörung zu verstehen gegeben, eigentlich arbeite man mit dem Bildungsministerium sehr gut zusammen; aber in diesem speziellen Fall habe das Ministerium das offenbar leider vergessen. Wenn Sie sich die schriftliche Stellungnahme angucken, die der Wissenschaftliche Beirat der Allianz für Lehrkräftebildung dem Bildungsausschuss geschickt hat, dann wissen Sie: Darin findet sich der deutliche, mehr als nur höfliche Hinweis, dass es so nicht geht, meine Damen und Herren. Am 8. Juli 2025 schickten Sie den Entwurf des Gesetzes an den Landtag; ich gehe also davon aus, dass Sie sich schon Monate im Vorfeld damit beschäftigt hatten. Am 29. Juli 2025 haben Sie erstmals mit der Allianz über diese Themen gesprochen. Das geht so nicht! (Beifall SPD, FDP und SSW) Die Anhörung im Bildungsausschuss war, so würde ich es sagen, von seltener Einhelligkeit geprägt. Alle Anzuhörenden haben vor Qualitätsverlusten gewarnt, wenn man unbefristet zu einer Maßnahme wie dem Direkteinstieg greift. Alle Anzuhörenden haben darauf hingewiesen, dass solche Abkürzungen ins Lehramt nur dann funktionieren, wenn man eine verbindliche Berufseingangsphase definiert. Und: Alle Anzuhörenden haben davor gewarnt, eine Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer zu schaffen. Alle Hinweise haben Sie ignoriert. Ich finde, auch das geht so nicht, meine Damen und Herren. (Beifall SPD, SSW und Dr. Heiner Garg [FDP]) Herr Kollege Balasus, Sie haben völlig recht: Multiprofessionelle Teams sind die Zukunft an unseren Schulen. (Martin Balasus [CDU]: Danke!) Aber vielleicht müssen wir uns einmal darüber unterhalten, was wir jeweils unter „multiprofessionellen Teams“ verstehen. Ich verstehe unter multiprofessionellen Teams, dass dort unterschiedliche Professionen sitzen, aber nicht, dass dort gut ausgebildete Deutschlehrkräfte neben schlecht ausgebildeten Deutschlehrkräften sitzen. Das sind nicht multiprofessionelle Teams, die wir meinen, Herr Balasus. (Beifall SPD und SSW – Martin Balasus [CDU]: Wollen Sie behaupten, dass diese Kräfte nicht ausgebildet seien?) – Herr Kollege, Sie selbst haben doch ausgeführt, dass es sich beim Direkteinstieg um eine Notmaßnahme handele, die man möglicherweise nicht ergreifen würde, wenn man genug Lehrkräfte hätte. Wenn es also eine Notmaßnahme ist, ergibt sich daraus doch zwingend, dass das andere der gewünschtere Weg ist. Ich verstehe gerade nicht, wo Sie mich überführt zu haben glauben. (Martin Habersaat) Ich empfehle Ihnen dringend, sich mit dem Thema multiprofessionelle Teams zu befassen und tatsächlich mit unterschiedlichen Professionen an den Schulen zu arbeiten. Ich glaube, da liegt die Zukunft der Bildung.

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