Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Der Lehrkräftemangel bringt uns dazu, zusätzliche Wege ins Lehramt zu öffnen. Die Verantwortung der Landesregierung ist es, Unterricht und Bildung für alle Kinder und Jugendlichen in Schleswig-Holstein sicherzustellen. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf zeigt die Landesregierung: Der Direkteinstieg ist eine der Maßnahmen, die wir brauchen, um alle Stellen zu besetzen. Am Ende kann der Direkteinstieg Unterrichtsausfall verhindern, und deswegen benötigen wir ihn. Der Fachkräftemangel trifft viele Schulen stark. Deswegen setzt die Landesregierung bereits zahlreiche Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung um. Ich glaube, gerade die Kolleginnen und Kollegen, die von der Westküste kommen und schon einmal an einer Schule waren, wo nicht alle Stellen besetzt sind – das betrifft insbesondere Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, aber auch solche mit Oberstufe –, wissen, wovon ich spreche; denn der Lehrkräftemangel ist gerade im ländlichen Raum, auch im Herzogtum Lauenburg, zum Teil wirklich ein riesiges Problem. Dem müssen wir natürlich Maßnahmen entgegensetzen. Das haben wir in dieser Legislaturperiode bereits an vielen Stellen getan. Wir sind inzwischen beim vierten Maßnahmenpaket angekommen; es sind ja immer Maßnahmenpakete, nicht nur einzelne Maßnahmen. Der Direkteinstieg ist ein weiteres Puzzlestück, um noch ein Stück weit besser zu werden und auch diesen Schulen ein klares Zeichen zu geben. Wenn man mit den Verantwortlichen an diesen Schulen spricht, weiß man, dass die Not dort zum Teil groß ist. Es werden zwar kurzfristig Lösungen gefunden; aber ich finde es ganz wichtig, dass wir (Malte Krüger) alle Möglichkeiten, die wir haben, tatsächlich ausschöpfen. Bereits heute arbeiten an Schulen selbstverständlich Lehrkräfte, die nicht grundständig ausgebildet sind; das ist so. Klar ist: Das reguläre Lehramtsstudium mit anschließendem Vorbereitungsdienst bleibt der beste Weg für Lehrkräfte. Grundständig ausgebildete Lehrkräfte sind die tragende Säule der schulischen Bildung. Der Direkteinstieg ersetzt nicht den Weg ins Lehramt – das ist ganz wichtig; auch Kollege Balasus hat es vorhin ausgeführt –, sondern ergänzt ihn punktuell, wo sonst Stellen unbesetzt blieben. Wenn man sich als junger Mensch entscheidet, Lehrerin oder Lehrer zu werden, dann würde man natürlich – und kann man auch nur – den normalen Weg gehen. Aber es gibt halt im Leben komplexe Situationen, sodass man sich umentscheidet. Diesen Menschen einen Weg zu eröffnen – das ist das, was wir hier machen. Wo für eine Stelle keine klassische Lehrkraft gefunden wird, kann künftig eine engagierte Person mit passendem Hochschulabschluss an der Schule starten und sich über fünf Jahre hinweg berufsbegleitend qualifizieren. Fünf Jahre berufsbegleitend qualifizieren – das ist nicht das Einfachste, noch dazu neben einem Lehramtsjob. Man muss sich wirklich einmal vorstellen, was das heißt. Es ist also schon auch ein Investment, das man an dieser Stelle tätigt. Ich finde das aber richtig. Die pädagogische und die fachliche Qualifizierung beginnt natürlich vor der ersten Unterrichtsstunde. Diese fünf Jahre sind eine sehr anspruchsvolle Zeit. Ich bin der Ministerin sehr dankbar, dass sie noch einmal sehr deutlich gemacht hat, dass ab Beginn eine professionelle Anleitung erfolgen wird. Das finde ich sehr, sehr wichtig. Wir alle, die wir an einer Schule gearbeitet haben, wissen ganz genau, wie der Berufseinstieg war. Wenn man dabei gute Mentorinnen und Mentoren hat beziehungsweise Personen, die einen beim Einstieg begleiten, dann ist ds etwas sehr Wertvolles. Ich glaube, dass das auch für den Direkteinstieg ganz wichtig ist. In der Anhörung wurden auch Kritik und Besorgnis wegen des Direkteinstiegs deutlich. Beides wird ernst genommen. Wäre der Direkteinstieg die einzige Maßnahme gegen den Lehrkräftemangel, wäre dies nicht richtig; darüber sind wir uns, denke ich, einig. Für mich ist dieser Gesetzentwurf aber ein Zeichen, dass auf den Lehrkräftemangel deutlich reagiert wird, und zwar auch auf dieser Ebene. Neben Verbesserungen im Studium und im Vorbereitungsdienst, neben den Anwärterzuschlägen für den Einsatz in Bedarfsregionen und neben Abordnung Plus ist der Direkteinstieg eine zusätzliche wichtige Möglichkeit, wirklich alle Stellen zu besetzen. Wir als Politik müssen aber auch langfristig denken – das sage ich hier gefühlt zum hundertsten Mal; ganz so oft kann es nicht gewesen sein, aber es war schon sehr oft – und dafür sorgen, dass der Vorbereitungsdienst deutlich attraktiver wird. Er muss auch besser werden im Hinblick auf die Verzahnung mit den anderen Phasen, auch mit der Berufseinstiegsphase. Wenn uns das nicht gelingt, bekommen wir ein viel größeres Problem. Wir wissen vor allem aus den Wechselberichten, dass die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst wirklich Sorgen haben, die wir ernst nehmen müssen. Um die Qualität im System insgesamt zu steigern, erhöhen wir die Fortbildungsanteile für alle Lehrkräfte und schaffen einen zusätzlichen Schulentwicklungstag; dazu hat die Ministerin auch ausgeführt. Die fachlichen, digitalen und pädagogischen Herausforderungen an den Schulen sind so groß, dass wir mehr Fortbildung brauchen. Da können die Schulentwicklungstage – ab dem nächsten Schuljahr werden es drei sein – sehr gut helfen. Ich danke für die Aufmerksamkeit. – Diesmal ging es ohne Glockenschlag. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
