Martin Balasus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Made in Schleswig-Holstein“ – das steht für Erfolg, Innovation und Qualität. (Unruhe) Dieser Anspruch muss auch für unsere Schulen gelten, denn Bildung ist die wichtigste Investition in die Zukunft unseres Landes. Deshalb setzen wir als CDU und als Grüne ganz bewusst auf Qualität in jeder einzelnen Unterrichtsstunde – das ist doch ganz klar –, aber auch in puncto Ausbildung unserer Lehrkräfte. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Unser Weg ist klar: Wir setzen auf grundständig ausgebildete Lehrkräfte, also Menschen, die in der Regel zwei Fächer studiert haben, ergänzt durch fundierte Kenntnisse im Bereich Pädagogik und Erziehungswissenschaften. Dann gibt es den Vorbereitungsdienst, (Anhaltende Unruhe – Glocke) der 18 Monate dauert – praxisnah begleitet durch das IQSH und von der Schule, in der die Person eingesetzt ist. Dieses System hat sich bewährt. Es ist erfolgreich, es ist durchdacht, und es wird stetig weiterentwickelt. Ein Beispiel: Die klassische Hausarbeit wurde gerade durch praxisnahe Zertifikatskurse ersetzt, denn wer bereits jahrelang wissenschaftlich gearbeitet und gezeigt hat, dass er das beherrscht, braucht keine weitere Theorie, sondern vielleicht mehr Unterstützung in der Praxis. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Weg bleibt der Standard. Daran rütteln wir in Schleswig-Holstein nicht. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aber wir verschließen auch nicht die Augen vor der Realität. Die Realität ist: Es gibt Regionen, es gibt Fächer, für die wir trotz mehrfacher Ausschreibung nicht genügend Lehrkräfte gewinnen können. Genau hier setzt der Direkteinstieg an. Ja, am Anfang ist immer alles neu, sprich: Wenn etwas Neues da (Martin Balasus) ist, ist die Aufregung groß. Ich las in der Presse zum Beispiel einmal eine Überschrift „Schmalspurzugang“ oder „Abbau von Qualität“. Deshalb sage ich ganz deutlich: Das Gegenteil ist der Fall. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Peer Knöfler [CDU]) Der Direkteinstieg ist kein Ersatz für die grundständige Ausbildung; er ist eine Ergänzung für eine echte Mangelsituation. Er greift nur dann, wenn eine Stelle – die Ministerin hat das eben sehr anschaulich ausgeführt – zweimal erfolglos ausgeschrieben wurde und weder eine ausgebildete Lehrkraft noch ein klassischer Seiteneinsteiger, also diejenigen, die ein Masterstudium haben, zur Verfügung stehen. Auch dann gelten noch weitere klare Anforderungen: Bewerberinnen und Bewerber müssen ein abgeschlossenes Bachelorstudium – in einem relevanten Fach logischerweise – und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben. Wenn sie sich für den Direkteinstieg entscheiden, müssen sie sich parallel zur Unterrichtstätigkeit noch über einen Zeitraum von fünf Jahre pädagogisch weiterqualifizieren. Am Ende steht eine Besoldung unterhalb der klassischen Lehrkräftebesoldung. Das ist also ein klares Signal: Der reguläre Weg bleibt attraktiver. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer daraus einen leichten Einstieg konstruiert, verkennt die Realität. Der Direkteinstieg ist anspruchsvoll. Er ist langfristig angelegt, und er ist notwendig. Stellen wir uns doch einmal die entscheidende Frage: Was ist besser für unsere Kinder? Eine kontinuierliche Lehrkraft, die sich qualifiziert und bleibt, oder – das ist in vielen Regionen so – wechselnde Vertretungskräfte? Die Antwort liegt doch auf der Hand. Gerade in Mangelfächern wie in den Naturwissenschaften, aber auch in Musik und Kunst eröffnet der Direkteinstieg eine Chance – eine Chance für die Schulen, für die Schülerinnen und Schüler und auch für engagierte Menschen, die gerne ihr Wissen weitergeben möchten. Nein, es entsteht keine Hierarchie im Lehrerzimmer – nach meiner Wahrnehmung ist alleine diese Vorstellung antiquiert –, im Gegenteil: Wir haben als Ziel das multiprofessionelle Team an der Schule vorgegeben. Wir wollen weg vom klassischen Lehrerzimmer hin zu einem Teamzimmer. Dort arbeiten unterschiedliche Kompetenzen zusammen, und dort entsteht Qualität durch Zusammenarbeit. Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Made in Schleswig-Holstein“ bedeutet nicht Stillstand. Es bedeutet, Bewährtes zu sichern und gleichzeitig neue Wege zu gehen, wenn es notwendig und geboten ist. Das tun wir mit dem Direkteinstieg. Wir halten an hohen Standards fest und sorgen gleichzeitig dafür, dass Unterricht stattfinden kann. Das ist verantwortungsvolle Bildungspolitik. Oder anders gesagt: Qualität „Made in Schleswig-Holstein“ heißt, pragmatische Lösungen zu finden, ohne den Anspruch aus den Augen zu verlieren. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
