Claus Ruhe Madsen
Ja, meine Zeit läuft, aber ich bin ja in der glücklichen Lage, so lange reden zu dürfen, wie ich möchte – hoffe ich doch. (Heiterkeit) Im Grunde genommen passt das auch ganz gut zum Einstieg meiner Rede. Da steht nämlich: Einen Meister zu machen, ist eine Lebensentscheidung. Jede Meisterin und jeder Meister beweist Motivation, Organisation und Durchhaltevermögen, vor allem, wenn man sich neben dem eigentlichen Job auf Prüfungen vorbereitet. (Unruhe) Jetzt kommt ein bisschen Wasser in den Wein: Das macht allerdings niemand, nur weil man am Ende 2.000 Euro bekommt. Das macht man, weil man leistungsbereit ist, weil man sich Ziele im Leben gesetzt hat, weil man langfristig mehr verdienen möchte, weil man ausbilden oder ein Unternehmen übernehmen möchte. Klar, die Meisterinnen und Meister würden sich darüber freuen, und ja, eine Meisterprüfung zu machen, kostet Geld. Ein pauschaler Bonus oder eine kostenfreie Meisterausbildung werden uns sicher einige weitere Abschlüsse bescheren. Aber damit werden keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen, keine Unternehmen übernommen und keine langfristigen positiven Folgen für unsere Wirtschaft direkt erreicht. (Vereinzelter Beifall CDU) Wir müssen uns bei der Verwendung von Steuergeldern fragen, welche Anreize wir damit setzen und wo wir unser knappes Geld so effizient wie möglich einsetzen können. Ein Vorschlag könnte sein, darüber nachzudenken, den Abschluss eines Meisters steuerlich absetzbar zu machen. Das werden wir uns im Detail anschauen. Die Zahl der Meisterinnen und Meister ist nicht rückläufig; sie liegt konstant bei jährlich 500 Abschlüssen im Handwerk. Mit unserer Meistergründungsprämie unterstützen wir die Meisterinnen und Meister, die ein Unternehmen gründen oder übernehmen. Wir unterstützen sie also schon, wie in dem SPD-Antrag gefordert, allerdings gezielt für die so wichtige Führung von Unternehmen. Damit haben wir seit 2019 mehr als 1.300 Meisterinnen und Meister auf dem Weg zum eigenen Unternehmen begleitet. Jetzt die sehr gute Nachricht: Neun von zehn Unternehmen, die diese Prämie erhalten haben, sind erfolgreich. Das ist eine riesige Erfolgsquote und zeigt, dass dieses Instrument genauso wirkt, wie es wirken sollte. (Beifall CDU und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Auch das war Thema: Bei der Nachfolge werden wir den demografischen Wandel natürlich immer stärker merken. Jährlich stehen allein in SchleswigHolstein etwa 1.300 Unternehmen zur Übergabe an. Der SPD-Antrag schreibt nur das noch einmal auf, was wir schon lange machen. Wir brauchen Meisterinnen und Meister, die bereit sind, ein Unternehmen zu übernehmen, damit diese Unternehmen nicht vom Markt verschwinden. Genau da setzen wir seit Jahren mit unserer Meistergründungsprämie an. Damit wollen wir auch ein Signal der Wertschätzung setzen. (Minister Claus Ruhe Madsen) Mit dem Aufstiegs-BAföG gibt es ein zweites erfolgreiches Förderprogramm. Hier werden angehende Meisterinnen und Meister zudem bei der Fortbildung unterstützt. 2025 haben davon 1.800 Meisterinnen und Meister sowie 5.700 Fachwirtinnen und Fachwirte profitiert. Insgesamt sind 43 Millionen Euro geflossen, davon fast 10 Millionen Euro Landesmittel. Wenn wir, wie von der FDP und von meinem sehr geschätzten Vorgänger gefordert, das verbleibende AFBG-Darlehen bei bestandener Prüfung übernehmen, reden wir im Schnitt von 941 Euro pro Person. Auch hier wiederhole ich gerne: Keine Meisterin und kein Meister entscheidet sich wegen 941 Euro für oder gegen einen Meister. Die 1,7 Millionen Euro Landesmittel, die wir dafür bräuchten, würden aber schmerzhaft an anderer Stelle fehlen. Wir alle sind uns einig: Wir brauchen Fachkräfte. Wir brauchen die Dachdeckerin und den Heizungsmonteur. Wir brauchen Menschen, die Wohlstand schaffen und unser Land voranbringen. Auch die Fort- und Weiterbildung generell spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Dafür haben wir unter anderem gerade erst unseren Weiterbildungsbonus reformiert. Das Land fördert jetzt 60 Prozent der Kosten statt wie bisher 40 Prozent und auch mehrere Weiterbildungen pro Jahr. Sie sehen: Wir haben effiziente Förderinstrumente, um unsere Fachkräfte und Experten von morgen zu unterstützen. Das sagt übrigens auch die Handwerkskammer. Und wer kennt die Realität besser als die Betriebe? – Vielen Dank. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
