Peer Knöfler
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer mit den Handwerksbetrieben im Land spricht, hört im Moment noch – das kann sich auch ändern; es ändert sich vielleicht – denselben Satz: Die Auftragsbücher sind immer noch voll, aber wir brauchen Menschen, die in den Betrieben arbeiten oder diese sogar weiterführen. Genau darum geht es doch im Kern bei dieser Debatte. Das Handwerk hält unser Land ganz praktisch am Laufen. Überall sorgen Handwerkerinnen und Handwerker dafür, dass Dinge funktionieren: Zimmerer, Elektriker, Tischler, Kfz-Mechatroniker, Friseure oder Bäcker und so viele weitere. Der Meisterbrief steht dabei seit Generationen für Qualität, Verantwortung und Unternehmergeist. Deshalb ist es richtig, dass wir darüber sprechen, wie wir berufliche Aufstiegsfortbildung weiter stärken können. Die SPD schlägt in ihrem Antrag vor, einen Aufstiegsbonus nach dem Vorbild des Saarlandes einzuführen. Im Saarland erhalten Absolventinnen und (Peer Knöfler) Absolventen nach bestandener Meisterprüfung eine einmalige Prämie von 2.000 Euro. Viele andere Absolventen wie Techniker und so weiter auch. Die Idee dahinter ist klar: Die berufliche Bildung soll stärker anerkannt werden, und mehr Menschen sollen motiviert werden, den Meisterabschluss zu machen. Das Anliegen dahinter kann man durchaus nachvollziehen. Aber wir sollten uns eine einfache Frage stellen: Welches Problem wollen wir eigentlich lösen? Der Meisterbrief ist im Handwerk weiterhin gefragt. Die Zahl der Meisterabschlüsse bewegt sich seit Jahren auf einem stabilen Niveau. Die eigentliche Herausforderung liegt an einer anderen Stelle. Das Problem im Handwerk ist nicht der fehlende Meisterbrief. Das Problem ist die Betriebsnachfolge. In den kommenden Jahren werden viele Betriebe eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger suchen. Wenn diese Nachfolge nicht gelingt, verschwinden funktionierende Betriebe und mit ihnen Arbeitsund Ausbildungsplätze und regionale Wirtschaftskraft. Genau deshalb setzt Schleswig-Holstein bereits heute – und zwar schon seit Jamaika; wir haben das eben schon kurz angeteasert – an der entscheidenden Stelle an. Mit der Meistergründungsprämie unterstützen wir Meisterinnen und Meister mit 7.500 Euro, wenn sie einen Betrieb gründen und übernehmen. Es kann auch in den fünfstelligen Bereich gehen, wenn Arbeitsplätze geschaffen werden. Damit fördern wir nicht nur den Abschluss, wir fördern Menschen, die unternehmerische Verantwortung übernehmen. Die Entwicklung der Antragszahlen zeigt deutlich, dass dieses Instrument vom Handwerk angenommen und genutzt wird. Mit der Praktikumsbörse, der Praktikumsprämie wird genau dieser Weg einer Bildungsbiografie eingeleitet. In allem also ein runder, pragmatischer und funktionierender Weg. Hier liegt auch der zentrale Unterschied zum saarländischen Modell. Der Aufstiegsbonus im Saarland wird nach bestandener Prüfung unabhängig davon gezahlt, welchen beruflichen Weg jemand danach einschlägt. Wir in Schleswig-Holstein setzen bewusst an einem anderen Punkt an. Wir fördern dort, wo es für das Handwerk wirklich entscheidend ist, nämlich bei Betriebsgründungen und Betriebsübernahmen. Genau dort entscheidet sich, ob Betriebe bestehen bleiben, Arbeitsplätze gesichert werden und das Handwerk in unserer Region eine Zukunft hat. Der Antrag der SPD greift ein wichtiges Thema auf, aber der vorgeschlagene Weg überzeugt mich nicht. Deshalb schlagen wir mit unserem Alternativantrag einen anderen Ansatz vor. Unser Ziel ist es, die Attraktivität beruflicher Aufstiegsfortbildungen weiter zu stärken, gleichzeitig aber sicherzustellen, dass die Förderung dort ansetzt, wo sie tatsächlich strukturelle Wirkung entfaltet. Denn das Handwerk braucht nicht nur Anerkennung. Das Handwerk braucht vor allem Menschen, die Betriebe übernehmen. Anerkennung für Leistung im Handwerk ist wichtig, aber Förderpolitik sollte dort ansetzen, wo sie wirklich etwas bewirkt. Es müssen diejenigen gefördert werden, die wollen und können. Es soll keine Vollkasko-Mentalität der Gesellschaft befördert werden. Zusätzliche Wege im Bereich einer BAföG-Förderung gibt es ohnehin. Im Übrigen gab es schon unter Jamaika eine Diskussion über den Inhalt des FDP-Antrages von heute, der damals allerdings vom jetzigen Antragsteller bei einer wesentlich besseren finanziellen Ausstattung des Landes – oh Wunder – mit dem Hinweis auf die Kosten und – das ist noch viel interessanter – eine Überförderung abgelehnt wurde. Genau deshalb setzen wir in Schleswig-Holstein auf eine Förderung, die nicht nur Abschlüsse honoriert, sondern die Zukunft im Handwerk sichert. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
