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Kristina Herbst

07.05.2026 Sitzungen 20/118

Bevor wir in der Rednerliste fortfahren, begrüßen Sie mit mir gemeinsam die Besucherinnen und Besucher auf der Tribüne vom Berufsbildungszentrum aus Plön und von der Kieler Gelehrtenschule sowie die auf Einladung der Abgeordneten Dr. Täck anwesenden Besucherinnen und Besucher des Ortsvereins BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Henstedt-Ulzburg. – Herzlich willkommen im Schleswig-Holsteinischen Landtag! (Beifall) Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat jetzt die Abgeordnete Catharina Nies das Wort. Catharina Johanna Nies [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen! Mit dem vorliegenden Bericht legt die Landesregierung eine umfassende Bestandsaufnahme der Situation 2025 in Kita- und Kindertagespflege in Schleswig-Holstein vor. Dafür möchte ich mich ganz herzlich beim Ministerium bedanken. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eine gute Kitapolitik braucht einen validen Überblick über die Entwicklung von Platz‑, Kinder- und Fachkräftezahlen, um davon veränderte Bedarfe ableiten zu können. Genau deshalb haben wir als Koalition übrigens schon zum Januar 2025 ein regelmäßiges Monitoring gesetzlich verankert, über das wir für das Jahr 2026 erstmalig Zahlen und Daten erhalten werden. Damit müssen Berichte künftig nicht mehr extra beantragt werden, sondern Transparenz wird Regelstruktur. Zurück zum vorliegenden Bericht 2025: Ein erstes zentrales und positives Ergebnis lautet, dass das Kitasystem in Schleswig-Holstein insgesamt stabil ist. Die Zahl der Regelgruppenplätze blieb 2025 nahezu konstant bei 123.000 Kitaplätzen. Im U3-Bereich gab es einen leichten Rückgang und bei den Ü3-Plätzen einen Zuwachs um 455 Plätze. Das zweite wichtige Ergebnis des Berichts ist: Wir haben es inzwischen mit einer neuen demografischen Realität zu tun. Die Kinderzahlen in Kitaund Kindertagespflege werden weniger. Der Bericht führt das auf die rückläufigen Geburtenzahlen der letzten Jahre zurück, die zwischen 2020 und 2024 um etwa 2.600 Geburten abgenommen haben, was sich seit 2025 durchaus sehr erkennbar auf die Betreuungsbedarfe auswirkt. Drittens. Der Bericht zeigt uns, dass die Fachkräftequote in unseren Kitas stabil geblieben ist; die Ministerin hat darauf hingewiesen. Trotz aller Kritik an der Einführung des flexiblen Anstellungsschlüssels im letzten Jahr und der damit auch hier immer wieder lautstark geäußerten Sorge, dies würde dazu führen, dass bald nur noch Helfende Hände in unseren Kitas arbeiteten, ist das Gegenteil geschehen. Das ist doch eine außerordentlich gute Nachricht für Schleswig-Holstein. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Peter Lehnert [CDU]) Zusammengenommen hat sich die Fachpersonalquote sogar leicht auf 91,5 Prozent erhöht. Das heißt, heute arbeitet mehr pädagogisch qualifiziertes Personal im Verhältnis zum Gesamtpersonal an unseren Kitas, als das vor der Gesetzesanpassung 2025 der Fall war. Der Anteil der Erstkräfte, also primär der Erzieher_innen, hat sich sogar leicht erhöht, und der Anteil der Assistenzkräfte ist mit 23 Prozent unverändert geblieben. Die Kritik der Opposition, mit dem flexiblen Anstellungsschlüssel würde die pädagogische Qualität abgesenkt, bestätigt sich also nicht. (Zuruf: Na ja!) Fassen wir zu stabilen Platzzahlen, stabiler pädagogischer Qualität und sinkenden Kinderzahlen zusammen: Wie wir als Koalition auf die sinkenden Kinderzahlen und damit auf die frei werdenden Mittel im Kitasystem reagiert haben, ist bekannt. Wir haben nämlich nicht gesagt: „Super, dann ziehen wir das Geld jetzt ab.“ Wir haben auch nicht gesagt: „Wir wissen nicht, was wir damit anfangen sollen.“ Wir haben gesagt: „Wir brauchen jeden Cent im Bildungssystem, den wir kriegen können, für unsere Kinder.“ Wir nutzen das Geld, um mehr Chancen und bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, und wir werden die 35 Millionen Euro gezielt dafür einsetzen, die Familien zu erreichen, die derzeit noch eine niedrigere Betreuungsquote haben; die sogenannten bildungsfernen Familien und Familien mit Migrationshintergrund. Unsere Sozialministerin Aminata Touré hat mit dem Programm KiTa für Alle ein Programm der sozialen Teilhabe ausgerufen, denn wir sehen den weiteren Handlungsbedarf, und wir arbeiten an mehr Qualität und Chancen für alle, und zwar Schritt für Schritt. Gute Reformen sollten nicht schlechtgeredet werden. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf bringen wir die Ausweitung der PerspektivKitas von 50 auf 175 und die zusätzlichen vier Auswahltage für das Personal nicht nur an Kita, sondern auch Kindertagespflege auf den Weg. Des Weiteren werden wir unseren Kommunen mehr Flexibilität in der Bedarfsplanung ermöglichen, während gleichzeitig durch festgelegte Zwischenschritte Planungssicherheit für die Kitaträger erhalten bleibt. Vielerorts nehmen Leerstände, also vorgehaltene Plätze zu, die nicht mehr nachgefragt werden. Dieser Leerstand muss von den Kreisen und den kreisfreien Städten finanziert werden, und wir alle wissen um die Not der kommunalen Haushalte. Deshalb müssen wir reagieren und die Rahmenbedingungen etwas anpassen, damit nicht genutzte Plätze künftig früher wieder reduziert werden können. (Catharina Johanna Nies) Beide Interessen – also auch die der Kitaträger, das will ich hier deutlich sagen – sind natürlich berechtigt und müssen in Form eines Kompromisses ausgeglichen werden. Das haben wir mit den Zwischenschritten versucht. Das Austarieren der unterschiedlichen Akteursinteressen ist, wie immer, die größte Herausforderung im System der Kitafinanzierung. – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

Protokoll ↗