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Annabell Krämer

06.05.2026 Sitzungen 20/117

Ich bitte Sie, Ihre Plätze einzunehmen. Es ist bereits zwei Minuten nach drei. Wir wollen die Sitzung fortführen. – Ich eröffne die heutige Sitzung wieder und rufe gleich Tagesordnungspunkt 15 auf. Um Ihnen noch ein bisschen Zeit zu geben und sich zu setzen, begrüßen Sie mit mir zunächst gemeinsam auf der Besuchertribüne des Schleswig-Holsteinischen Landtags Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Heide-Ost. – Seid uns herzlich willkommen im Schleswig-Holsteinischen Landtag! – (Beifall) sowie Herrn Benjamin Holm, den Geschäftsführer der Aktion Kinder- und Jugendschutz SchleswigHolstein e. V.. – Seien auch Sie uns herzlich willkommen! (Beifall) Dann begrüßen wir noch Gäste der Kollegin Raudies von der SPD. – Seien auch Sie uns ganz herzlich willkommen! (Beifall) Jetzt rufe ich Tagesordnungspunkt 15 auf: Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe – Leistungsvermögen und Herausforderungen Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion der SPD Drucksache 20/4330 Wie ich sehe, wird das Wort zur Begründung nicht gewünscht. Zur Beantwortung der Großen Anfrage erteile ich somit zunächst das Wort der Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Dorit Stenke. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Bildungslandschaft. Sie stehen für wohnortnahe Bildung und flexible Lernumgebung, für Bildungsgerechtigkeit und das Versprechen, dass jeder junge Mensch eine Chance auf einen erfolgreichen Bildungsweg erhält. Unsere Antwort auf die Große Anfrage macht dies deutlich. Dieses System ist stabil und leistungsfähig, auch unter derzeit anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Lassen Sie mich dazu ein paar Punkte im Detail ausführen. Unsere Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe sichern verlässlich Unterricht. So lag die Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2024/2025 bei 101 Prozent, und sie wird weiter gestärkt. Das Land hat den Vertretungsfonds um rund 4 Millionen Euro aufgestockt, sodass jetzt insgesamt 12,4 Millionen Euro für Vertretungskräfte zur Verfügung stehen, wenn es den Bedarf gibt. Hinzu kommen weitere Lehrkräftestellen für die Sekundarstufe I zum Schuljahr 2026/2027. Damit steigt die Unterrichtsversorgung an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe im Schuljahr 2026/2027 – so unsere rechnerische Vorausschau – auf 104 Prozent. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Im Bericht zur Unterrichtssituation 2024 bilden wir zudem die Unterrichtsversorgung aufgrund der erteilten Unterrichtsstunden an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen nach Schularten ab. Mit 1,95 erteilten Unterrichtsstunden je Schüler beziehungsweise Schülerin haben wir unter allen allgemeinbildenden Schularten an den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe die höchste Unterrichtsversorgung. Dies wird nur übertroffen von der Unterrichtsversorgung an den Förderzentren, die natürlich noch einmal einer anderen Logik folgt. Das zeigt: Wir stellen über den Bedarf hinaus Personal bereit, und wir steuern aktiv, etwa durch Abordnungen und flexible Einsatzkonzepte. Uns ist natürlich sehr wohl bewusst, dass diese rechnerische Mehrbesetzung nicht in allen Fällen bedeutet, dass jede Stunde jederzeit vollständig abgesichert ist. Natürlich gibt es weiter Krankheitsfälle, natürlich gibt es weiter Unterrichtsausfall aus unterschiedlichen Gründen, aber es gibt auch flexible Konzepte an den Schulen, mit Unterrichtsausfall sinnvoll und vernünftig umzugehen. Sie ist Ausdruck eines Systems, das mit flexiblen Instrumenten arbeitet, um Unterricht auch unter schwierigen Bedingungen zu gewährleisten. Ebenso wichtig ist aber auch: Die Schulstruktur bleibt verlässlich. Die Zahl der Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe ist über die Jahre hinweg stabil. Das ist gerade für den ländlichen Raum von großer Bedeutung. Familien können sich darauf verlassen, dass es wohnortnahe Bildungsangebote gibt und dass diese dauerhaft Bestand haben. (Ministerin Dr. Dorit Stenke) (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ein dritter zentraler Befund, der in dieser Antwort ebenfalls deutlich wird, betrifft die Abschlussleistungen. Diese haben sich insgesamt wieder verbessert, sowohl beim Ersten allgemeinbildenden als auch beim Mittleren Schulabschluss sehen wir in fast allen Fächern eine positive Entwicklung. Es gibt eine Ausnahme beim Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss in Deutsch; da sind wir noch nicht da angelangt, wo wir sein müssen, aber wir sehen, dass die individuelle Förderung, die wir an den Schulen ausbringen, wirkt. Wir stärken den Deutschunterricht mit verstärkter Leseförderung. Auch die frühe Sprachförderung, die wir gerade auf den Weg bringen, wird zu einer Verbesserung der Leistungen in Deutsch führen, und das wird dann insgesamt die Leistungen bei den Schulabschlüssen deutlich verbessern. Das gilt es mit unserem Rahmenkonzept Schule 2035 in den kommenden Jahren kontinuierlich weiterzuentwickeln. Meine Damen und Herren, damit leisten die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe einen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Sie arbeiten mit einer besonders heterogenen Schülerschaft und tragen im hohen Maße zur Integration und zur Sprachförderung bei. Das ist eine große Stärke dieser Schulart, die aber auch zusätzliche Anforderungen für die Lehrkräfte bedeutet. Deshalb unterstützen wir die Schulen in herausfordernden Lagen schon seit Jahren über unser PerspektivSchul-Programm und jetzt konsequenterweise weiter über das Startchancen-Programm. Von den Schulen, die in das Startchancen-Programm aufgenommen worden sind, sind 24 Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, und weitere 20 sind Grund- und Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. Auch daran wird deutlich, dass intensiv daran gearbeitet wird, Konzepte zu entwickeln, um diese Schulen zu stärken und ihre Arbeit voranzubringen. Wir haben darüber hinaus die Schulsozialarbeit in den vergangenen Jahren weiterhin erheblich unterstützt. Im Jahr 2025 standen mehr als 18,3 Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung. Zusätzlich stehen den Schulen im Startchancen-Programm jährlich 10,5 Millionen Euro für multiprofessionelle Teams zur Verfügung. Auch diese Mittel können für Schulsozialarbeit eingesetzt werden, sie können aber auch für andere Zwecke verwendet werden. Hier haben die Schulen eine hohe Flexibilität, auf ihre Bedarfe zu reagieren. Es wird sichtbar, dass Land und Kommunen gemeinsam Verantwortung für gute Bildung übernehmen, im Unterricht und darüber hinaus. Natürlich baut all das auf kompetenten Lehrkräften auf. Hier sehen wir einerseits, dass unser Personalmanagement gut funktioniert. Mit Abordnungen, Querund Seiteneinstieg sowie den Weiterbildungen des IQSH gelingt es, den Unterricht fachgerecht abzusichern. Die Weiterbildungen beziehen sich insbesondere auf fachfremd unterrichtende Lehrkräfte, die zum Beispiel im Mathematikunterricht eingesetzt sind. Sie werden in Mathe weitergebildet und erhalten eine Unterrichtsgenehmigung. Auch das stärkt die Fachlichkeit an diesen Schulen und sichert für die Schülerinnen und Schüler den Schulerfolg. Auch der Einsatz von Vertretungskräften gehört dazu. Sie sind eine gute Lösung, um kurzfristig Ausfälle zu kompensieren. Dafür werden sie ebenfalls durch Fortbildungen unterstützt und begleitet. Zudem haben wir die langfristigen Perspektiven im Blick. Mit dem Handlungsplan Lehrkräftegewinnung handeln wir vorausschauend und in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern in der Lehrkräftebildung. Dabei bewegen uns das Thema Fachkräftegewinnung und die Herausforderung insbesondere für die Gemeinschaftsschulen. Gegenwärtig führen wir dazu weitere Gespräche mit den lehrkräftebildenden Hochschulen, um noch genauer darauf zu schauen, wie wir gerade dieses Lehramt weiter attraktiv machen können, wie wir die Lehrkräfte und die Studierenden weiter unterstützen können. Die Hochschulen haben schon viele Maßnahmen ergriffen, um insbesondere in den Eingangszeiten des Studiums die Studierenden dabei zu unterstützen, sich für ihr Fach gut zu entscheiden, sich für ihre Schulart gut orientieren zu können und dann gestärkt und gut in die Praktika zu gehen. Das sichert den Studienerfolg der Lehrkräfte und damit die Lehrkräfteversorgung an unseren Schulen. Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe eröffnen – auch das ist wichtig zu betonen – vielfältige Anschlussmöglichkeiten, sei es in Richtung berufliche Ausbildung, berufsbildende Schulen oder Abitur. Viele Gemeinschaftsschulen verfügen über Kooperationen mit Gymnasien oder mit Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und können dadurch ihren Schülerinnen und Schülern einen guten Übergang ermöglichen und weitere Abschlüsse über den Ersten allgemeinbildenden und den Mittleren Schulabschluss hinaus sichern. Gerade im Bereich der Berufsorientierung haben wir unser Engagement ebenfalls weiter verstärkt. (Ministerin Dr. Dorit Stenke) Wir haben zum Beispiel das Landeskonzept zur beruflichen Orientierung an den weiterführenden Schulen aktualisiert. Es systematisiert die Rahmenvorgaben für alle weiterführenden Schularten und ist Grundlage für die berufliche Orientierung. Vor allem aber für die Schülerinnen und Schüler, die besondere Unterstützung brauchen, haben wir die flexiblen Übergangsphasen und Praxisklassen ausgebaut. Wir haben zusätzliche Schulen aufgenommen, und wir sind dabei, das produktive Lernen in unserem Land zu verstetigen und zukünftig per Erlass zu regeln und allen Schulen, die es benötigen, zugänglich zu machen. Damit stellen wir Mittel passgenau da bereit, wo besondere Bedarfe bestehen. Ebenso gezielt gehen wir das Thema Schulabsentismus an, ein wichtiges Thema für alle Schulen, aber eben auch für die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, die hier besonders betroffen sind. Das wiederholte Fernbleiben vom Unterricht lässt sich nur durch frühzeitiges, präventives Handeln begrenzen. Vor der Einführung einer neuen, weiteren systematischen Entwicklung haben wir Regelungen geschaffen, die eine Erfassung von Fehlzeiten und eine Reaktion der Schulen ab dem ersten Tag sicherstellen. Wir können jetzt schon sehen, dass das wirkt und dass die Anzahl der Schülerinnen und Schüler sinkt, die dem Unterricht ohne Entschuldigung fernbleiben. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) All das ist entscheidend, um problematische Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Zur Datenlage insgesamt: Wir gehen transparent damit um, dass es hier noch Verbesserungsbedarf gibt, insbesondere bei der landesweit einheitlichen Erfassung von Unterrichtsdaten. Gleichzeitig stellen wir weitere Instrumente zur Verfügung für die Steuerung im Alltag der Schulen, die wir kontinuierlich weiterentwickeln, auch durch bessere digitale Systeme, die das zukünftig noch besser abbilden werden und den Schulen eine schnelle Handlungsfähigkeit ermöglichen. Die rasante Entwicklung in diesem Bereich stärkt massiv die Bildungschancen unserer Schülerinnen und Schüler für die Zukunft. Lassen Sie mich abschließend noch einen Blick auf die Inklusion werfen. Schleswig-Holstein liegt weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt, was die Integration aller Schülerinnen und Schüler in den Schularten betrifft. Die Entwicklung der Inklusionsquoten ist dabei weiterhin regional unterschiedlich und hängt von sehr konkreten Gegebenheiten vor Ort ab, den Bevölkerungsbewegungen, aber auch den Entscheidungen der Eltern. Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe bleiben dabei ein zentraler Ort inklusiver Bildung und leisten einen wichtigen Beitrag. Wir haben ein System, das stabil ist, ein System, das leistungsfähig ist, ein System, das Chancen eröffnet, und wir sehen zugleich die Aufgaben, die vor uns liegen: die Weiterentwicklung der Datengrundlagen, die Sicherung des Fachkräftebedarfs, die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern an Schulen in herausfordernden Lagen, ausgehend von den PerspektivSchulen bis hin zum Startchancen-Programm und den daraus zu ziehenden Lehren für alle anderen Schulstandorte, die ebenfalls betroffen sein könnten. Entscheidend ist: Wir handeln – gemeinsam mit den Schulen, mit den Kommunen und mit unseren Partnern in der Lehrkräftebildung. Denn am Ende geht es um die jungen Menschen in unserem Land, darum, ihnen Perspektiven zu eröffnen und Bildungsgerechtigkeit konkret werden zu lassen. Dabei spielen Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe eine entscheidende Rolle. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Unterstützen wir diese Schulen dabei gemeinsam und danken allen Schulleitungen und Lehrkräften, die sich tagtäglich für unsere Kinder und Jugendlichen, insbesondere an den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, einsetzen. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Protokoll ↗