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Sebastian Bonau

GRÜNE 06.05.2026 Sitzungen 20/117

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mit einer kurzen persönlichen Anekdote beginnen. Mein erster Gruppenführer war Feldjäger und mehrfach als Personenschützer im Afghanistaneinsatz. Später habe ich einen Oberstleutnant kennengelernt, der als einer der ersten deutschen Piloten auf dem Balkan im Einsatz war. Das waren Einsätze in Zeiten, in denen wir in Deutschland noch gezögert haben, sie überhaupt als Kriegseinsätze zu bezeichnen. Ich selbst war in meinen 13 Jahren bei der Bundeswehr nicht im Auslandseinsatz. Ich hatte eher, wie man so sagt, heizungsnahe Verwendungen. (Christopher Vogt [FDP]: Ölheizung?) Aber auch dort habe ich viele Menschen erlebt, die sich jeden Tag selbstverständlich in den Dienst unseres Landes gestellt haben. In einer Ausbildung hatten wir einmal die Aufgabe herauszuarbeiten, was den Soldatenberuf eigentlich von anderen Berufen unterscheidet. Wir sind am Ende bei einer vielleicht einfachen, aber entscheidenden Antwort gelandet: Es ist der Gegner oder der Feind, der gegenübersteht. Das unterscheidet den Dienst bei allen anderen Parallelen zu Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdiensten, die ebenfalls unter hohen Belastungen stehen. Ich freue mich, dass wir nun eine gemeinsame Formulierung mit der FDP gefunden haben. Denn wenn wir über den Nationalen Veteranentag sprechen, sprechen wir über Anerkennung. Veteraninnen und Veteranen haben für unseren Staat Verantwortung übernommen oder tun es noch immer. Viele haben Belastungen getragen, die für die meisten abstrakt bleiben: Trennung von der Familie, gefährliche Einsätze, körperliche und seelische Beanspruchungen. Auch Angehörige tragen diese Erfahrungen mit. Daher ist der Impuls unseres Antrags, es zu ermöglichen, den Veteraninnen und Veteranen am Nationalen Veteranentag freien Eintritt in staatliche Museen, Schlösser, Gärten und Kultureinrichtungen zu gewähren – mit Begleitpersonen. Das ist ein sichtbares Zeichen: Ihr gehört dazu, eure Familien gehören dazu, euer Dienst wird gesehen. Doch zugleich gilt: Auch andere Gruppen wie Rettungsdienst, Feuerwehr, THW oder andere Ehrenämtler_innen hätten solche Anerkennung verdient. Dennoch, eine demokratische Armee darf nicht neben der Gesellschaft stehen, sondern muss in ihr verankert sein. Diese Verankerung müssen wir stärken. Sie ist eine Parlamentsarmee, gebunden an Recht und Gesetz. Gute Veteranenkultur muss daher ebenso demokratisch, antifaschistisch und friedensorientiert sein, ohne militärisches Pathos. Kultureinrichtungen sind dafür durchaus geeignet. Dort sprechen wir über Geschichte, über Demokratie, über Gewalt, Frieden und Verantwortung. Wenn Veteraninnen und Veteranen dort willkommen sind, entsteht mehr als kostenfreier Eintritt. Es entsteht eine Einladung zum Gespräch. Wichtig ist die Umsetzung. Wenn wir solche Angebote schaffen, brauchen wir einfache Nachweise. Heute gibt es dieses Veteranenabzeichen, und zugleich wird über einen möglichen Veteranenausweis gesprochen. Ein Veteranenausweis könnte Veteraninnen und Veteranen ersparen, ihren Dienst immer wieder erklären zu müssen. Vielmehr könnte er Angebote zugänglich machen. Er könnte auch Unterstützung, Beratung und Anerkennung verbinden. Ein solcher Ausweis darf aber nicht ausschließlich ein Rabattkärtchen sein. Er sollte Ausdruck gesell- (Sebastian Bonau) schaftlicher Anerkennung sein und funktionieren. Deshalb sollten wir nicht nur abwarten, was der Bund entscheidet. In diese Debatte sollten wir uns als Schleswig-Holstein aktiv einbringen. Bis dahin brauchen wir pragmatische Übergangslösungen. Sie dürfen nicht von Misstrauen geprägt und nicht so kompliziert sein, dass die gute Idee im Verwaltungsaufwand steckenbleibt. Der Antrag ersetzt keine umfassende Veteranenpolitik. Er ersetzt keine gute Versorgung, er ersetzt keine psychosoziale Unterstützung und keine Nachsorge und keine Hilfe für Familien. All das bleibt weiterhin notwendig. Aber er ist ein positives, niedrigschwelliges und sichtbares Zeichen. Wir sollten den Veteranentag nutzen, um die Bundeswehr als Teil unserer demokratischen Gesellschaft sichtbar zu machen. Lassen Sie uns diesen Tag in Schleswig-Holstein gut verankern, und lassen Sie uns Kulturorte zu Orten der Begegnung machen. – Vielen Dank. (Beifall ganzes Haus)

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