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Malte Krüger

GRÜNE 19.03.2026 Sitzungen 20/115

Sehr geehrter Herr Präsident! Ehrlicherweise hat Frau Redmann mich vorhin mit ihrer Rede ein wenig inspiriert, weil sie von Atemübungen gesprochen hat. Deswegen dachte ich, ich entwickle das mal ein bisschen weiter. Wir alle sollten uns einmal kurz vorstellen, wie so ein Klassenzimmer aussieht, wie der Unterricht abläuft. Viele von uns werden ganz klassisch ein Bild vor Augen haben, wie das früher – auch für mich – in der Schule war: Vorn hat man die Schiefertafel, dann sitzt vorn der Lehrer und dann in Reih und Glied die Schülerinnen und Schüler vor einem. Das ist allerdings nicht mehr die Realität an unseren Schulen. Wir haben inzwischen ganz andere Schulen, die sehr experimentierfreudig sind. Beispielsweise gibt es in Baden-Württemberg die Alemannenschule in Wutöschingen. (Beate Raudies [SPD]: Baden-Württemberg!) Die Alemannenschule in Wutöschingen hat ganz viele – – Frau Raudies, jetzt sagen Sie die ganze Zeit: Baden-Württemberg. Das Interessante ist, dass viele Schulen in Schleswig-Holstein das Konzept von Baden-Württemberg übernommen haben. (Beate Raudies [SPD]: Berichten Sie doch mal, was in Schleswig-Holstein los ist!) Das heißt, dass auch in Schleswig-Holstein – – Ja, wenn Sie meiner Rede folgen, merken Sie, ich komme dazu gleich noch. Keine Sorge. (Beate Raudies [SPD]: Ja, da bin ich gespannt!) – Ja, Frau Raudies, das ist schön, dass Sie gespannt zuhören. – Also, bei der Alemannenschule in Wutöschingen gibt es ganz viele innovative Konzepte. Dort gibt es Lernateliers, es gibt einen Marktplatz für Schülerinnen und Schüler, es gibt eine Hausschuhkultur, und es gibt die sogenannte Schmetterlingspädagogik, deren Kern es ist, dass Schülerinnen und Schüler selbstständiges Lernen in den Mittelpunkt des Schulalltags stellen. Das ist ein Leitsatz dieser Schule. Für diese Konzepte hat die Schule inzwischen zweimal den Deutschen Schulpreis bekommen. Sie erreichten im Jahr 2019 den zweiten Platz und erhielten beim Deutschen Schulpreis 20/21 Spezial während der Coronazeit ebenfalls einen Preis. Interessant ist – weil wir hier in der Debatte vor allem auf Leistungen und Kompetenzen schauen –, dass die Leistungen an dieser Schule ziemlich gut sind. Sie sind nicht in allen Bereichen gut, aber in vielen Leistungsmessungen sind die Leistungen an dieser Schule sehr, sehr gut. Gleichzeitig steigt vor allem das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern. Also: Die Schülerinnen und Schüler gehen gerne in diese Schule. Diese Schule war mal eine Hauptschule, sie ist inzwischen eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Sie hatte jetzt den ersten Abiturjahrgang – mit einem Abi-Schnitt von 1,7. Das heißt: Ein innovatives Schulkonzept hat dazu geführt, dass das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern so sehr gesteigert worden ist, dass Schülerinnen und Schüler gerne an diese Schule gegangen sind. (Zuruf Martin Habersaat [SPD] – Beifall Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Das Interessante ist jetzt – Frau Raudies, Sie sind ja weiterhin gespannt bei dieser Debatte dabei –, (Beate Raudies [SPD]: Ja!) dass einige Schulen in Schleswig-Holstein ein paar dieser Konzepte der Alemannenschule in Wutöschingen übernehmen wollen. Da gibt es zum Beispiel an einigen Schulen Innovationsklassen; diese habe ich auch schon gesehen. Es ist dabei nicht unbedingt das Ziel, dass eine bessere Leistung herauskommt; meistens ist es eine gleiche Leistung wie bei einem traditionellen Unterricht. Aber das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler wird deutlich gesteigert. Was ist der Vorteil? Die Antwort lautet: Es wird weniger geschwänzt, mehr Motivation, weniger Absentismus und weniger Schulabbrecher. (Zuruf Annabell Krämer [FDP]) Das ist doch mal ein echter Erfolg, wenn Schulen das erreichen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Martin Habersaat [SPD] – Zuruf Beate Raudies [SPD]) In Baden-Württemberg – das kann man in dem Bildungsplan von Baden-Württemberg von 2004 sehen – wird gesagt: Weg von der Belehrungsanstalt, hin zu einer pädagogischen Einrichtung. (Zuruf Beate Raudies [SPD]) Die Alemannenschule geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie spricht nicht mehr von Lehrkräften, sondern von Lernbegleitern. – Frau Raudies, ich freue mich immer über Ihre Zwischenrufe. (Beate Raudies [SPD]: Ja! Sehr schön!) (Malte Krüger) Jetzt komme ich: Was hat das alles mit datengestützter Schulentwicklung zu tun? (Beifall Beate Raudies [SPD] – Zuruf Sybilla Nitsch [SSW]) Das kann ich Ihnen sagen. Wir haben jetzt viel über individuelle Förderung gesprochen, und das halte ich für richtig. Ich finde den SPD-Antrag gar nicht so schlecht. Da sind viele Sachen enthalten, die die Zielbeschreibung richtig formuliert. Viele von den Sachen haben wir in unserem Alternativantrag auch aufgeführt. (Martin Balasus [CDU]: Nur konkreter!) Natürlich muss es darum gehen, dass wir das bei der individuellen Förderung immer mitdenken, denn nur Daten zu erheben kann nicht das Ziel sein. Aber wir haben sehr unterschiedliche Schulen in Schleswig-Holstein – mit sehr unterschiedlichen Konzepten, Leistungen und Problemen. Was wir mit den Daten auch machen können, ist, zu prüfen: Welche Schule hat mit welchem Konzept welchen Erfolg? Welche Konzepte fruchten? Wo ist die Leistung besser? Wo ist die Leistung schlechter? Wo ist das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern besser, sodass es weniger Schulabbrecher gibt? Ich will noch eine Sache ergänzen: Wir diskutieren auch über die Schüler-ID. Herr Habersaat, Sie waren ja schon dabei. Es gab den Zusammenarbeitsausschuss Hamburg-Schleswig-Holstein. Dort haben wir über all diese Themen schon gesprochen. Hamburg hat erzählt, dass sie das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern erheben. Deswegen wundere ich mich, dass das nicht in Ihrem Antrag steht. (Martin Balasus [CDU]: Ja! – Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Anscheinend ist der Philologenverband noch nicht auf die Idee gekommen. Das wäre doch eigentlich das Wichtige, Herr Habersaat. Sie haben vollkommen recht mit dem Bild der Sau. Die Sau muss aber auch mit dem Richtigen gefüttert werden. Das haben Sie gerade auch gesagt; das sehe ich ebenso. (Wortmeldung Beate Raudies [SPD]) Ich bin der Meinung, dass Hamburg den richtigen Weg geht. Wir haben in unserem Alternativantrag ebenfalls deutlich gemacht, dass uns das wichtig ist. Ich glaube auch: Wenn wir die Schüler-ID etabliert haben, müssen wir auch darüber sprechen, das langfristig zu einer Bildungs-ID weiterzuentwickeln.

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