Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Bei diesem Thema fällt es mir ehrlicherweise schwer, einen Harry-Potter-Staat zu finden. Das liegt an der Autorin des Buches Harry Potter, die – ich sage einmal – bei diesem Themenbereich auch nett gemeint interessante Aussagen bis hin zu meiner Meinung nach falschen Aussagen getroffen hat. Aber darüber wollen wir jetzt nicht sprechen. Wir wollen darüber sprechen, dass in SchleswigHolstein im Jahr 2024 alleine 105 Straftaten gezählt wurden, die sich gegen die sexuelle Orientierung und geschlechtsbezogene Identität richteten. Das ist erschreckend, hochproblematisch und ein starker Anstieg im Vergleich zum Jahr davor. Wenn man das mit dem Jahr 2022 vergleicht, stellen wir fest, (Malte Krüger) wir haben sogar eine Verdopplung der Zahl dieser Straftaten. Wir sind uns alle einig: Gewalt gegen Menschen können wir niemals akzeptieren. Ganz im Gegenteil: Wir setzen uns für Vielfalt und vor allem für queere Vielfalt ein. Deswegen ist Prävention sehr wichtig, und deswegen sind Schule und Bildung sehr zentral. Ich möchte an dieser Stelle Rita Süssmuth von der CDU einmal dafür würdigen, die sich wie keine andere für eine Entstigmatisierung eingesetzt hat. Mit ihrem Einsatz hat sie vermutlich Zehntausenden Menschen das Leben gerettet. Vor dieser Leistung kann man sich nur verneigen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD und SSW) Wir haben es gerade schon gehört: Sprache ist wirkmächtig. Jeder Deutschlehrer, jede Deutschlehrerin weiß das. Ansprache und Pronomen sind auch wirkmächtige Faktoren von Sprache. Sie haben etwas mit dem Ausdruck von eigener Identität zu tun. Frau Schiebe hat es richtig dargestellt. Gerade an Schulen erleben wir viele junge Menschen, die immer wieder in Identitätskrisen kommen. Dafür gibt es viele Gründe. Wir haben gestern über Essstörungen gesprochen und dazu eine wirklich interessante Debatte geführt. Es kann am Geschlecht, an Gender liegen, warum gerade junge Menschen eventuell in Identitätskrisen kommen. Es kann an Überforderung, an Schule liegen. Wer sind wir, da zu urteilen, welcher dieser Faktoren schlimmer als der andere ist? Es ist immer furchtbar, wenn es zu diesen Fällen kommt, und wir müssen die Auswirkungen für junge Menschen in den Blick nehmen. Wir können es niemals akzeptieren, dass in unserem Bildungssystem Menschen durch so etwas verloren gehen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das ist auch der Grund, warum wir Grüne dafür sind, eine geschlechtergerechte und inklusive Sprache stärker zu fördern. Eine Diffamierung von Gendersprache halten wir für absolut falsch. Wir haben jetzt drei Anträge vorliegen. Ich finde, alle Anträge beinhalten etwas Gutes. Natürlich ist unser Alternativantrag der beste; das ist ja klar. (Sybilla Nitsch [SSW]: Oh!) Aber ich danke ausdrücklich der SPD und der FDP für ihre Anträge, die wichtige Punkte enthalten. Mir ist noch einmal ganz wichtig, hervorzuheben, dass wir hier schon einmal eine Diskussion über das Musterraumprogramm geführt haben. (Sybilla Nitsch [SSW]: Wann haben Sie denn den vorgelegt?) – Frau Nitsch, ich komme gleich zum SSW; keine Sorge. (Sybilla Nitsch [SSW]: Ich habe gefragt, wann Sie den vorgelegt haben!) – Ich will etwas Positives sagen; keine Sorge. – Wir haben hier ja schon einmal eine Diskussion über das Musterraumprogramm geführt, und ich finde es gut, dass wir heute noch einmal in unserem Alternativantrag klarziehen, Unisex-Toiletten im Musterraumprogramm verankern zu wollen. Das muss zum Standard werden; ehrlicherweise nach skandinavischem Vorbild. Wir sehen in Dänemark und Schweden, dass Unisex-Toiletten dort gang und gäbe sind. Als ich dort studiert habe, (Zuruf: Martin Habersaat [SPD]) hat man eigentlich nie eine quasi aufgeteilte Toilette gefunden. Wir sehen auch in Heide am BBZ – falls das gerade der Zwischenruf war – den Neubau einer Schule, wo das wirklich sehr vorbildlich umgesetzt wurde. Das Interessante ist, weil das Ministerium ja noch in die Verhandlungen mit den Kommunen gehen muss, dass diese Vorschläge meistens günstiger sind, als das zu trennen. Vielleicht ist das noch einmal ein starkes Argument, Frau Ministerin, wenn Sie da in Verhandlungen gehen. Das Bildungsministerium leistet in diesem ganzen Bereich eine gute Arbeit. Da sind viele Sachen vorbildlich. Ich kann mir vorstellen, dass wir im Rahmen der Selbstbeteiligung im Ausschuss davon auch noch einmal etwas vonseiten des Bildungsministeriums hören. Das könnte ich mir zumindest sehr gut vorstellen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Martin Balasus [CDU])
