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Sophia Schiebe

SPD 27.02.2026 Sitzungen 20/113

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg_innen! Es gibt junge Menschen in unserem Land, die jeden Morgen mit einem Kloß im Hals zur Schule gehen. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Ja!) Nicht, weil sie eine Mathearbeit fürchten, sondern weil sie nicht wissen, ob ihr Name respektiert wird, ob sie auf der Toilette angefeindet werden oder wieder jemand nur einen Spaß macht – und das auf ihre Kosten. Schule muss ein sicherer Ort sein – für alle, ohne Ausnahme. (Beifall SPD, FDP und SSW) Manche von ihnen haben lange gebraucht, um sich selbst zu verstehen. Manche haben Großmut aufgebracht, um zu sagen, wer sie sind, und dann stehen sie im Klassenraum und erleben, dass genau diese Offenheit zur Angriffsfläche wird. Schule ist ein Schutzraum – so sollte es jedenfalls sein –, ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche lernen, wachsen, sich ausprobieren dürfen, ein Ort, an dem sie erfahren: Ich bin richtig – genau so, wie ich bin. Wenn dieser Ort für quere Jugendliche zum Ort der Verunsicherung, der Ausgrenzung oder gar der Angst wird, dann dürfen wir das nicht achselzuckend hinnehmen; das dürfen wir einfach nicht akzeptieren. (Beifall SPD, FDP und SSW) Die Zahlen sind eindeutig: Die gemeldeten Straftaten gegen queere Menschen nehmen bundesweit zu; die Dunkelziffer ist hoch. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch: eine Schülerin, die ihre Freundin nicht mehr wie selbstverständlich mit einem Kuss verabschiedet, ein Jugendlicher, der jeden Tag abwägt, ob eine Korrektur des Namens die Situation verschärft. Die Diskriminierung beginnt im Klassenraum, auf dem Schulhof, in der Sprache, die wir wählen oder nicht wählen dürfen. Genau dort tragen wir Verantwortung. In Schleswig-Holstein wird die geschlechtergerechte Sprache im Schulkontext faktisch als Fehler gewertet. Wer Schüler_innen schreibt, wer ein Sternchen nutzt, wer inklusive Sprache verwendet, um auch nichtbinäre oder Transjugendliche sichtbar zu machen, riskiert Punktabzüge. Das bedeutet: Das Bemühen, niemanden auszuschließen, wird selbst zum Regelstoß erklärt. Das ist ein falsches Signal, liebe Kolleg_innen. (Beifall SPD, Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sprache entwickelt sich ständig weiter. Neue Begriffe aus der Digitalisierung, der Wissenschaft und der Gesellschaft finden selbstverständlich ihren Weg in den Unterricht und in unsere Schulbücher. Niemand stellt das infrage. Sprache verändert sich mit der Wirklichkeit, und das ist auch gut so. Aber wenn es darum geht, geschlechtliche Vielfalt sichtbar zu machen, wird plötzlich auf Stillstand gepocht, als müsse Sprache konserviert werden wie ein Museumsstück. Wenn junge Menschen Respekt sprachlich sichtbar machen, wird genau das sanktioniert. Dabei fordern wir täglich von ihnen, Vielfalt zu achten, Diskriminierung zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen. Wer also einen Doppelpunkt setzt, um alle mitzudenken, darf dafür keinen Punktabzug bekommen. Wer versucht, niemanden auszuschließen, darf nicht sanktioniert werden. Respekt an unseren Schulen darf kein Fehler sein. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Ein weiterer Kernpunkt unseres Antrags betrifft den sogenannten dgti-Ergänzungsausweis. Dieser wird von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität herausgegeben und ermöglicht es trans- und nichtbinären Menschen, ihren selbstgewählten Namen und ihre Geschlechtsidentität auszuweisen, auch bevor amtliche Änderungen abgeschlossen worden sind. Wir fordern erneut, sorgfältig zu prüfen, wo in welchem Umfang dieser Ausweis im schulischen Kontext angewendet werden kann, etwa bei Klassenlisten, im Schulverwaltungsprogramm oder in der täglichen Ansprache. Denn für betroffene Jugendliche ist der richtige Name keine Formalie, er ist Identität. (Sophia Schiebe) (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Wenn Schule diesen Namen ignoriert, entsteht jeden einzelnen Tag eine kleine Verletzung. Wenn sie ihn respektiert, entsteht Vertrauen, und dieses Vertrauen schulden wir den jungen Menschen. Gleiches gilt für die Aufnahme geschlechtsneutraler Toiletten in das Musterraumprogramm. Für manche ist das eine abstrakte Debatte, für andere wiederum ist es eine konkrete Frage von Sicherheit im Alltag. Der Gang zur Toilette darf kein Moment der Angst sein. Praktische Lösungen sind daher kein Kulturkampf, sie sind eine Frage des Schutzes, und ich freue mich sehr, dass der Antrag von Schwarz-Grün unseren Punkt dahin gehend aufgenommen hat. (Beifall SPD) Schule darf keine zusätzlichen Hürden einrichten für junge Menschen, die ohnehin schon mit Vorurteilen konfrontiert sind. Schutz ist keine Zumutung, Schutz ist unsere Pflicht. Wir wollen außerdem eine Handreichung zur queeren Vielfalt an Schulen – als Unterstützung, als Orientierung, als klares Zeichen, dass wir Lehrkräfte nicht alleine lassen, wenn es darum geht, Haltung zu zeigen. Wer Respekt vermitteln soll, braucht Rückhalt. Liebe Kolleginnen, dieser Antrag nimmt niemandem etwas weg, aber er gibt vielen jungen Menschen etwas zurück: Sicherheit, Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit. Ich bitte um Zustimmung zu dem Antrag. (Beifall SPD und SSW)

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