Cornelia Schmachtenberg
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Immer fit sein, ohne ausreichend Schlaf gehabt zu haben, schnell noch mal Koffein aufnehmen, um vielleicht etwas für die Schule zu lernen. Für viele junge Menschen gehört das mittlerweile zum Alltag, damit auch der Griff zur Dose von Energydrinks. Energydrinks werden als Leistungsbooster und Wachmacher verkauft. Doch dieser kurzfristige Push hat durchaus seinen Preis, denn hinter den Dosen, die sehr, sehr bunt sind und ein gutes Marketing haben, stecken nun einmal stimulierende Inhaltsstoffe wie Koffein, Taurin oder Guarana, die den Körper antreiben, aber das Herz-Kreislauf-System belasten. Was kurzfristig dann dem einen Menschen hilft, weil er vielleicht gerade nicht fit genug ist, hat langfristig Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Folgen sind durchaus ernst, das haben wir heute schon durchaus das eine oder andere Mal gehört. Bluthochdruck, Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden sind keine Einzelfälle; sie sind bekannte Risiken. Gerade bei Jugendlichen, bei denen der Körper noch im Wachstum ist, ist das ernst zu nehmen, denn ihr Herz-Kreislauf-System ist noch nicht ausgewachsen. Sie sind noch in der Entwicklung und daher noch empfindlicher für so hohe Dosen dieser Inhaltsstoffe als mitunter Erwachsene. Es gibt eine Metastudie. Dort wurden Daten von rund 1,2 Millionen Kindern und Jugendlichen aus 21 Ländern untersucht, und sie wurden ausgewertet. Die Studie kommt zu dem beunruhigenden Ergebnis: Ein regelmäßiger Konsum von Energydrinks hat nicht nur körperlich negative Folgen, sondern sie stehen auch im Zusammenhang mit psychischen Belastungen. Wenn wir dann wissen, dass die psychischen Belastungen bei unseren Jugendlichen immer höher werden, dann muss auch hier gehandelt werden. Es geht um Schlaflosigkeit, um Nervosität, um Schweißausbrüche, um Herzrasen und um anhaltenden Stress, aber auch um depressive und panische Auffälligkeiten. Das alles bedeutet gerade vor dem Hintergrund einer großen Studie: Es ist kein harmloses Trendgetränk! Es geht um die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen, um die Gesundheit unserer Zukunft – körperlich wie seelisch. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hinzu kommt der hohe Zuckergehalt der vielen Produkte. Wer regelmäßig solche Mengen Zucker zu sich nimmt, erhöht nachweislich sein Körpergewicht und riskiert weitere gesundheitliche Probleme, wie Diabetes Typ 2 oder Adipositas. Auch hierfür sind gerade junge Menschen anfällig, weil das ihr ganzes Leben durchaus gesundheitlich belasten kann. Deswegen ist es durchaus ein Gesundheitsrisiko aus der Dose. Die Gefahr ist: Das ist vielen Menschen und vor allen Dingen jungen Menschen nicht bewusst. Sie machen das nicht im vollen Bewusstsein und sagen: Ich zerstöre im Zweifel gerade meinen Körper; ich möchte anfällig werden für depressive Verstimmungen. – Diese Risiken sind vielen häufig nicht bekannt. Die Energydrinks sind beliebt bei jungen Menschen, weil sie süß schmecken, leicht verfügbar und günstig sind und positiv erscheinen. Durch (Ministerin Cornelia Schmachtenberg) Werbung, leuchtende, bunte Verpackungen und gezieltes Marketing vermitteln sie ein Bild von Stärke, Erfolg und Lässigkeit – und die Nebenwirkungen werden nicht betont; das überrascht auch nicht. Hier fängt unsere politische Verantwortung an. Wenn wir sehen, dass Produkte gerade für junge Menschen entwickelt werden, die gezielt dahin verkauft werden, aber trotzdem negative Wirkungen mit sich bringen, dann müssen wir als Politik genau hinsehen und handeln. Wie groß der Trend unter jungen Menschen inzwischen ist, zeigen aktuelle Zahlen – auch das wurde schon gesagt. Europaweit haben bereits rund zwei Drittel der jungen Menschen Energydrinks konsumiert. Alarmierend ist allerdings, und das finde ich weitaus erschreckender, dass jeder dritte Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren sie regelmäßig trinkt – mehrmals pro Woche. Diese Zahlen zeigen: Wir müssen etwas tun. Deswegen ist es meine Sicht, dass wir diese Altersgrenze einführen und den Verkauf von Energydrinks erst ab 16 Jahren ermöglichen. Das bedeutet einen Schutzmechanismus für unsere Kinder und Jugendlichen – auch aus Verbraucherschutzsicht. Wir brauchen klare Leitplanken für unsere Gesundheit. Andere europäische Staaten machen das schon. Schweden, Norwegen, Polen oder Estland haben es bereits vorgemacht. Dort gibt es beispielsweise schon eine Abgabevorgabe von Energydrinks an Jugendliche. Deswegen sage ich sehr deutlich: Wenn wir handeln wollen, dann können wir jetzt handeln. Wir können uns gemeinsam mit den anderen Bundesländern dafür einsetzen, dass wir eine Altersbegrenzung für den Verkauf von Energydrinks festlegen, denn die Kinder und Jugendlichen brauchen unseren Schutz. Wir haben es gehört – das ist nicht die eine Maßnahme, bei der wir sagen: Morgen werden alle Kinder gesund, nur weil wir die Altersgrenze anheben; das sagt auch keiner. Natürlich ist Gesundheitsbildung – das ist nicht mein Ressort – ein breites Ressort. Deswegen bieten wir im Ganztag mehr Bewegung an. Wir haben die BiLEV, wir achten darauf, dass wir die DGE-Standards breit umsetzen – in der Kita und ebenso in der Schule. Aber wenn wir wissen, dass wir ein Produkt haben, und wenn uns die Studien zeigen, dass wir hier etwas tun sollen, dann sollten wir das machen und nicht sagen: Es gibt noch tausend andere Möglichkeiten. Wir sollten uns auf diese Maßnahmen einlassen und das voranbringen. Das heißt nicht, dass wir anderes nicht tun wollen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deshalb freue ich mich auch als Verbraucherschutzministerin über diese Debatte und diesen breiten Beschluss, der sicherlich gleich gefasst wird. Wir werden uns als Landesregierung sehr zeitnah dafür einsetzen, dass wir das im Bundesrat initiieren und dass wir diese Debatte bundesweit weiter führen wollen, denn das ist wichtig für unsere Kinder und Jugendlichen. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
