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Annabell Krämer

26.02.2026 Sitzungen 20/112

Für die Landesregierung erteile ich der Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Dorit Stenke, das Wort. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich finde, das ist eine extrem spannende Diskussion. Ich finde es auch sehr interessant, dass wir nach so langen Jahren wieder anfangen, über dieses Thema zu diskutieren. Ich bin, ehrlich gesagt, bekennender Harry-Potter-Fan, und ich würde ja am liebsten den Hogwarts-Hut nehmen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aber da der ja nicht zur Verfügung steht, würde ich den in meine Welt übersetzen. In meiner Welt wäre das – – (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Hogwarts war eine Schule für alle! – Martin Balasus [CDU]: Nee, nee! Man musste zaubern können! Das war Selektion!) – Ich wollte gerade sagen: Es ist eine Zauberschule. (Zuruf: Aber der Hut hat ja nicht zwischen Muggeln und Zauberern zu entscheiden!) – Der hat ja nicht entschieden. – Gut, also, ich würde Hogwarts-Hut in meine sozialwissenschaftliche Welt übersetzen, und da würde ich das datenbasierte Entscheidung nennen. Das ist ein Thema, mit dem wir uns ja schon seit Langem beschäftigen, und das werden wir uns in diesem Kontext noch einmal genauer anschauen müssen. Ich glaube, dass es da nicht auf einen einzelnen Zeitpunkt ankommt, an dem man eine Entscheidung trifft, sondern man muss eine Entscheidung gut vorbereiten und sie gut betrachten. Vor allen Dingen muss man nach jeder Datenbasierung, nach jedem Test die Ergebnisse in den Blick nehmen. Wir werden jetzt LeA.SH auch für die Grundschule einführen, wir haben LeA.SH 1, wir kriegen LeA.SH 2, und wir haben VERA 3. Außerdem haben wir Fördermaterialien an all diesen Stellen. Das müssen wir in den Blick nehmen, und da müssen wir alle Kinder unterstützen, damit sie das Bestmögliche aus ihrem Leben und aus ihrer Schullaufbahn machen können. Das ist aus meiner Sicht der Weg, den wir an dieser Stelle weitergehen müssen. Wenn wir die bisherige Form der Entscheidungsfindung, nämlich, dass am Ende die Eltern die Letztentscheidung darüber treffen, wie es mit der Bildungslaufbahn auf der Basis einer Empfehlung weitergeht, weiterhin wollen, dann müssen wir eine ganze Menge Fragen beantworten. Wir müssen nämlich etwas dazu sagen, wie wir das schulrechtlich bewerten, wenn wir die Letztentscheidung nicht mehr bei den Eltern lassen. Wir müssen uns auch Gedanken machen, was es mit Kindern macht, wenn sie an diesem kritischen Übergang, in dieser kritischen Lebensphase – sag ich ja gelegentlich –, feststellen, dass sie einen Test nicht bestanden haben, und zwar einen einzigen Test nicht bestanden haben und möglicherweise einen Test, der sich nur auf ihre kognitiven Fähigkeiten und nicht auf andere Themen bezieht. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und vereinzelt SPD) Das heißt, der Test muss tatsächlich viele Anforderungen erfüllen, aber ich glaube, das würde Frau Riecke nicht bestreiten. Deswegen muss man sehr genau darüber nachdenken. Für mich stellt sich immer noch eine andere Frage, die wir bisher noch gar nicht diskutiert haben, das ist nämlich die Frage: Was machen wir denn mit Kindern, die eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen, und die Eltern sagen: Nö, das machen wir nicht. Unter sozialen Gesichtspunkten, unter Fördergesichtspunkten und unter dem Gesichtspunkt der Chancengleichheit ist das eine echt spannende Frage, und darauf gibt es im Moment überhaupt gar keine Antwort. Die Antwort darauf würde ich gerne finden, aber wir müssen ein bisschen danach suchen, befürchte ich. Deswegen glaube ich, dass wir viele Themen und viele Fragen haben, die wir uns in diesem Kontext ansehen müssen. Auch müssen wir ein paar Daten noch besser auswerten. Das betrifft auch Daten, die uns jetzt schon vorliegen. Das sind nämlich die Daten nach den Übergängen, nicht nur in Klassenstufe 5 und 6, nach den Schrägversetzungen. Das betrifft auch die Daten im weiteren Bildungsverlauf. Das sind auch die Bildungserfolge am Gymnasium. Ich sehe durchaus, dass das Gymnasium in der Förderung von Kindern nicht unerfolgreich gewesen ist, sonst hätten wir es ja nie geschafft, dass wir jetzt eine so gute Abiturquote haben. Auch das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir uns angucken müssen. Wir haben daher fachlich ein großes Feld, was total spannend ist. Wir werden gerne dazu beitragen, die Daten, die wir haben, aufzuarbeiten. Wir werden uns die bestehenden Vorhaben in der Republik – es gibt ja dort einige – ganz genau anzugucken. Wir sind mit Baden-Württemberg im Gespräch. Berlin (Ministerin Dr. Dorit Stenke) hat jetzt gerade einen Test eingeführt. Wir werden uns anschauen, wie das wirkt, wie es funktioniert. Dann haben wir meines Erachtens eine gute Grundlage, um weiter darüber nachzudenken und uns weiter Gedanken zu machen, wie wir das Beste für die Kinder in unserem Land umsetzen können. Also lange Rede, kurzer Sinn: Ja, ich finde, wir sollten das prüfen. Ja, wir sollten das diskutieren, wir sollten es rechtlich bewerten, (Beifall Martin Balasus [CDU]) und wir sollten dazu in eine breite gesellschaftliche Debatte eintreten. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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