Martin Habersaat
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Krüger, ich würde mir wünschen, dass viel öfter grüne Neumitglieder auf der Tribüne sitzen, weil die Grünen dann auf einmal solche Reden halten, wie wir sie eigentlich hier in diesem Hause kennen. Wo waren Sie all die Jahre? (Beifall SPD, FDP und SSW – Zuruf Martin Balasus [CDU]) Eine kleine Einschränkung muss ich machen. Wenn wir von allen an Schule beteiligten Gruppen reden, dann meinen wir damit selbstverständlich Schüler_innen, Lehrkräfte und Eltern. – Wen denn sonst? Der Hilferuf der Philologen ist gleichwohl ernst zu nehmen, meine Damen und Herren. Die Philologen beklagen ja zweierlei. Die beklagen erstens, dass auf dem Weg von Klasse 4 nach 5 nicht genug sortiert wird. Das ist aus meiner Sicht kritisch zu diskutieren; dazu komme ich gleich noch einmal. Die beklagen zweitens, dass Schüler_innen mit Gymnasialempfehlung am Gymnasium nicht mehr klarkommen. Das ist eine Entwicklung, die uns besorgt stimmen muss. Das findet ja auch auf der entgegengesetzten Seite bei den Gemeinschaftsschulen eine Entsprechung. Auch die Gemeinschaftsschulen beklagen sich über das heutige System, wie es ist, indem sie zum Beispiel sagen, es sei schwierig, pädagogische Arbeit ab Klasse 5 zu leisten, wenn immer wieder gescheiterte Existenzen vom Gymnasium aufgenommen werden und neu aufgebaut werden müssen. (Unruhe) – Natürlich sind das keine wirklich gescheiterten Existenzen, aber es sind Schülerinnen und Schüler mit häufig sehr frustrierenden Erfahrungen, die da ankommen. Das Ganze müssen die Schulen vor dem Hintergrund der von Ihnen zu verantwortenden Kürzungen bewältigen. Da sind wir wieder bei den Grünen und der CDU, wie ich sie nicht so gern sehe: Sie haben den Gemeinschaftsschulen sechs Stunden in der Sekundarstufe I gestrichen und den Gymnasien vier Stunden in der Sekundarstufe I. (Martin Balasus [CDU]: Und jetzt mal zum Thema sprechen!) – Das ist genau zum Thema, Herr Balasus. – In der Sekundarstufe I geht es darum, mit diesen ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schülern bestmöglich klarzukommen. (Beifall Dr. Kai Dolgner [SPD]) Nun kommen Sie und streichen den Schulen Stunden, und natürlich können die dann schlechtere Arbeit leisten als vorher. Natürlich. (Beifall SPD – Widerspruch CDU) Wir schlagen deshalb einen Krisengipfel zur Lage der Schulen in Schleswig-Holstein vor. Sie können es auch einen Runden Tisch nennen, dann klingt es nicht ganz so dramatisch. Zu besprechen wäre da aus unserer Sicht der richtige Zeitpunkt für den Übergang von der Grundschule aufs Gymnasium. Die CDU in Hamburg hat ja mal den richtigen Weg verfolgt, das auf Klasse 6 hochzusetzen. Das wäre aber in einem Flächenstaat sicherlich viel schwieriger zu organisieren als in einem Stadtstaat. Das hat damals eine gewisse Karin Prien in die Politik getrieben, die genau das nicht wollte. Aber die ist ja inzwischen nicht mehr unsere Bildungsministerin. Die Verbindlichkeit von Empfehlungen wäre zu besprechen. (Unruhe) Bei solchen Tests müsste man auch die soziale Steuerungsfunktion solcher Tests besprechen. Da bin ich beim kritischen Punkt, was den Antrag der FDP angeht. In Wirklichkeit würde so ein Test ja mutmaßlich weniger die Schülerinnen und Schüler selbst testen, sondern mehr die Fähigkeit der Eltern, ihr Kind bestmöglich auf so eine Testsituation vorzubereiten. Da sehe ich schon, wie die Nachhilfeinstitute sich freuen.
