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Malte Krüger

GRÜNE 26.02.2026 Sitzungen 20/112

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Vielen Dank. Ich kann Ihnen versichern, das, was der Kollege Martin Balasus gerade erzählt hat, ist nicht die Position der grünen Landtagsfraktion. Wir haben da eine etwas andere Position. (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) Der sprechende Hut von Hogwarts ist ein magischer Hut. Er kann in das Innerste der Seele schauen. Wer ihn aufsetzt, der sieht zwar nichts, dafür sieht der Hut einen umso besser. In Harry Potter weist der Hut in der 5. Klasse von Hogwarts die Schüler_innen einem der vier gleichberechtigten Häuser zu. Der Hut kann sich nicht vertun. Der Hut ist mehr oder weniger eine Kristallkugel, er kann das Entwicklungspotenzial von Elfjährigen sehen. In Deutschland haben wir leider keinen sprechenden Hut. Wir haben auch keine Kristallkugel, aber auch bei uns gibt es bei Zehn- bis Elfjährigen eine entscheidende Wahl. Zu meiner Schulzeit wurde von der Klassenlehrerin in der Grundschule die (Malte Krüger) Entscheidung getroffen, ob man in die Haupt- oder Realschule oder ans Gymnasium kommt. Damit wurde über viele Jahrzehnte ein Karriereweg für junge Menschen vorherbestimmt. Ich kann mich noch sehr genau an meine Enttäuschung erinnern, als meine besten Freunde auf das Gymnasium gehen durften und ich als einziger Schüler von der Grundschule Wewelsfleth auf die Fortuna Realschule Glückstadt gekommen bin. Gruppen und Freundschaften werden oft auseinandergerissen. Das dreigliedrige Schulsystem ist inzwischen lange Geschichte, aber erst an diesem Montag, also wirklich diese Woche, hat mir an einer Schule in Itzehoe eine Lehrerin erzählt, das dreigliedrige Schulsystem wäre ja viel besser und gerechter gewesen. Da kann ich Ihnen sagen: Das halten wir Grüne für falsch. Ich kann Ihnen auch ein wasserdichtes Versprechen geben: Wir Grüne werden niemals auch nur einen Schritt in diese Richtung zurückgehen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW) Inzwischen haben wir das zweigliedrige Schulsystem. Bei uns wird eine Empfehlung für die Gemeinschaftsschule oder das Gymnasium vergeben. Diese Empfehlung ist nicht verbindlich, und viele Eltern schicken ihr Kind auf das Gymnasium. An den Gymnasien kann dies zu Enttäuschungen führen, weil die Schulform eben nicht zu den Schüler_innen passt. Das kann aber genauso gut bei Schüler_innen passieren, die eine Gymnasialempfehlung bekommen haben. Selbst die Empfehlung der Grundschullehrkräfte kann keine hundertprozentig korrekte Vorhersage über den Bildungserfolg von Schüler_innen treffen. Lehrkräfte können viel, sind aber keine magischen Hüte, die alle Aspekte der Entwicklung von Schüler_innen vorhersagen können. Meine Klassenlehrerin auf der Grundschule hat mir eine Realschulempfehlung gegeben und hat sicherlich nicht damit gerechnet, dass ich mal studieren werde. Da hat sie sich wohl geirrt. Die FDP will nun verbindliche Tests für Schüler_innen einführen, die ohne Empfehlung aus der Grundschule aufs Gymnasium gehen. Ein Test soll es also richten. Wie lang dieser Test sein soll, ist unklar. Wie Sozialkompetenz getestet werden soll, ist unklar. Das wäre übrigens gerade meine Zwischenfrage gewesen, Frau Riecke. Dazu haben Sie gar nichts gesagt. Eine zweite Zwischenfrage wäre gewesen, wie lang eigentlich dieser Test sein soll. Auch dazu schweigen Sie sich in Ihrem Antrag aus. Es ist außerdem unklar, wie Schülerinnen und Schüler sich gleichberechtigt auf diesen Test vorbereiten sollen. All das ist unklar. Klar ist aber eine Sache: Ein solcher Test wäre die nächste Manifestation von Bildungsungerechtigkeit in Deutschland. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ein Test kann nur sehr bedingt eine Aussage zu den Entwicklungschancen von Kindern treffen. Er ist situationsabhängig. Hat das Kind einen guten Tag? Kann es dem immensen sozialen Druck standhalten? Ich habe mir ehrlicherweise als Elfjähriger oft gewünscht, dass es einen sprechenden Hut gäbe. Bei Harry Potter berücksichtigt der sprechende Hut nämlich übrigens den Wunsch von Harry, als er dann ins Haus Gryffindor sortiert werden will. Der Vorschlag der FDP berücksichtigt an keiner einzigen Stelle den Wunsch der Kinder. Wir Grüne wollen, dass der Wunsch der Kinder bei der Schulwahl berücksichtigt wird. Jedes Kind soll die Schule finden, die zu ihm oder ihr passt. Leistung und gute Noten alleine sind schlechte Kriterien für den Schulerfolg von Schüler_innen. Auch der Antrag der SPD berücksichtigt nicht wirklich die Sichtweise von Schüler_innen. (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Sie sprechen von Gruppen. – Ja, das ist so ein bisschen schwierig in Ihrem Antrag formuliert. Ich habe mir das schon gedacht, dass sie vielleicht mit gemeint sind. Sie sprechen von Gruppen, aber für die Antwort auf die Frage, ob damit Schüler_innen mit gemeint sind, brauche ich schon wieder eine Kristallkugel oder einen sprechenden Hut. Sehr geehrte Damen und Herren, wir brauchen keinen sprechenden Hut, und wir brauchen keine verpflichtenden Tests. Was wir eigentlich brauchten, wäre eine Debatte über längeres gemeinsames Lernen über die 5. Klasse hinaus. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW – Zuruf Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Ich weiß, dass der SSW da ähnlich denkt, und dafür bin ich sehr dankbar. Diese Debatte würde sich viel mehr an dem Interesse von Schüler_innen orientieren als eine zusätzliche Belastung von Schüler_innen durch Tests. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Malte Krüger) (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Christian Dirschauer [SSW])

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