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Beate Raudies

SPD 26.02.2026 Sitzungen 20/112

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Talente in der Filmbranche frühzeitig fördern“ – ein toller Titel für diesen Antrag. Talentförderung in der Filmbranche, das klingt nach Hollywood, nach Cannes oder Venedig, nach rotem Teppich, Blitzlichtgewitter. Es klingt vor allem nach richtig viel Geld. Und wir reden jetzt über 50.000 Euro. Das will ich nur einmal in den Zusammenhang stellen. Sie haben es selber gemerkt, liebe Kolleginnen und Kollegen; Sie haben es selber angesprochen. (Beifall SPD, FDP und SSW) Also nächstes Mal vielleicht eine Nummer kleiner. Es geht um 50.000 Euro, um nicht mehr, aber auch nicht weniger. 50.000 Euro, die Sie per Fraktionsantrag in den Haushalt geschrieben haben, für die (Beate Raudies) Sie sich jetzt selbst feiern, weil es offensichtlich sonst keiner tut. Liebe Kolleg_innen, ich habe mir im Vorwege Ihren Antrag übrigens noch einmal sehr genau durchgelesen. Da hatten Sie schon genau erklärt, wofür der da ist: finanzielle Unterstützung für filmische Abschlussarbeiten. Ihre Haushaltsrede dazu hat das ausdrücklich ausgewiesen. Also, es war schon jedem, der zuhören wollte, bekannt, wozu das Geld da ist. 50.000 Euro, für die es jetzt offenbar einen Beschluss des Landtags braucht, um die Regierung zum Jagen, sprich zur Erarbeitung eines Förderprogramms, zu tragen. So ernst nimmt Ihre Landesregierung die Haushaltsbeschlüsse, oder was ist das hier? (Beifall SPD, FDP und SSW) Hoffentlich kommen mehr als 50 Prozent dieser Förderung auch bei den Studierenden an. Denn wenn Dataport erst wieder ein digitales Förderprogramm dafür schreibt, ist die Hälfte von dem Geld schon weg. (Vereinzelter Beifall SPD und FDP – Zuruf) – Doch, so ist es. Ich kann mich auch des Gedankens nicht erwehren, liebe Kolleg_innen, dass die Koalition, die den niedrigsten Kulturhaushalt aller Bundesländer zu verantworten hat, sich hier wenigstens mit diesem kleinen Filmförderungsfederchen schmücken will und dass das der einzige Grund ist, warum wir das jetzt hier diskutieren. Was für ein Drehbuch! Ich wage die Prognose: Dafür gibt es keinen Filmpreis. (Beifall SPD, FDP und SSW) Ich gestehe gerne zu, dass das ein guter Zweck ist, den Sie sich da ausgeguckt haben; er ist wichtig und richtig. Aber die Filmindustrie in Deutschland braucht mehr als ein Förderprogramm für den ambitionierten Nachwuchs. Es würde schon mal helfen, unsere Filmförderung mit mehr Mitteln auszustatten; da sind wir nämlich echt sparsam. (Beifall SPD und Sybilla Nitsch [SSW]) Was unsere Filmförderung mit diesen wenigen Mitteln auf die Beine stellt, ist total beachtlich. Beide Vorrednerinnen haben darauf hingewiesen: Der Gewinner des Goldenen Bären kam in diesem Jahr aus Hamburg; oscarreif, würde ich sagen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die deutsche Filmindustrie hat gerade echt hart zu kämpfen, denn in Deutschland wird zu wenig gedreht. Deswegen ist es gut, dass sich gerade vor ein paar Tagen Union und SPD in Berlin nach monatelangen Verhandlungen auf eine Investitionspflicht für die Streamingdienste und die Fernsehsender in Deutschland geeinigt haben. Für viele Streamer und Fernsehanbieter ist Deutschland ein lukrativer Markt, vielleicht sogar der wichtigste in Europa. Die Anbieter verdienen hier sehr viel Geld, allerdings oft mit im Ausland produzierten Filmen und Serien. Deswegen ist es richtig, diesen Anbietern per Gesetz eine Investitionsverpflichtung in Deutschland aufzuerlegen, (Sybilla Nitsch [SSW]: Das stimmt!) damit sie künftig mehr Filme und Serien bei uns im Land produzieren. (Zuruf und Beifall Ole-Christopher Plambeck [CDU]) – Genau, das finde ich auch. Danke. – Denn wer Millionen und Milliarden auf dem deutschen Markt verdient, darf nicht nur nehmen, sondern muss auch etwas zurückgeben, indem er hier investiert und Arbeitsplätze schafft und sichert. Das ist fair, und das ist gerecht. (Beifall SPD und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Dafür sorgt eine gesetzliche Investitionspflicht. Unsere deutschen Produktionsfirmen, die Filmtechnik, die Schauspieler_innen, die Make-up-Artists, die Postproduction, aber auch die Caterer und alle anderen, die an einem Filmset wichtig sind, bekommen mehr Aufträge. Das stärkt den Standort – den Filmstandort (Beifall Ole-Christopher Plambeck [CDU]) und den Wirtschaftsstandort –, und dadurch steigen mittelfristig auch die Steuereinnahmen des Staates. Darauf freuen wir uns dann alle, und vielleicht fällt ja etwas für die Filmförderung ab. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass gesetzliche Investitionsverpflichtungen funktionieren, zeigen andere europäische Länder. Klare Regeln führen dort zu spürbar höheren Investitionen in Filme und Serien und schaffen Planungssicherheit für Produzent_innen, Kreative und Beschäftigte. Für Deutschland ist die Investitionsverpflichtung ein Aufholinstrument. Sie stellt sicher, dass ein fairer Anteil der wachsenden Streaminginvestitionen in Europa auch bei uns ankommt; in Projekten, in Arbeitsplätzen, in Ausbildung und in Wertschöpfung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieses Thema wäre eine Landtagsdebatte wert gewesen. Ihr Arbeits- (Beate Raudies) auftrag an die Landesregierung ist es nicht unbedingt. (Zuruf Martin Balasus [CDU]) Wir stimmen ihm trotzdem zu. (Beifall SPD und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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