Peter Lehnert
Für die Landesregierung erteile ich unserer Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke das Wort. Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Herzlichen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich wie immer, dass wir hier in diesem Haus über Bildung diskutieren. Deswegen freue ich mich auch über diesen Antrag. Wir haben, glaube ich, schon viele Facetten jetzt gehört, die dieses Thema umfasst. Ich nenne noch mal ein paar: Wie kann die tatsächliche Jahresarbeitszeit von Lehrkräften in den Blick genommen werden? Wie können die vielfältigen Aufgaben, die den Beruf im Übrigen sehr attraktiv machen, gut bewältigt und ausgeführt werden? Wie kann es gelingen, dabei gesund zu bleiben und die Gesundheit zu erhalten? Vor allen Dingen – auch das haben wir schon gehört –: Über welche Aufgaben reden wir eigentlich? Wir reden über Unterricht, wir reden über Vor- und Nachbereitung; wir reden über Teamzeiten, denn wir reden über Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team; wir reden über Schulentwicklung. All das wollen wir in einen Kontext bringen. Dazu, ob das so einfach in Arbeitszeitmodellen erfasst (Ministerin Dr. Dorit Stenke) werden kann, haben wir jetzt schon viele Aspekte gehört. Es ist eben alles andere als trivial. Deswegen müssen wir uns intensiver damit beschäftigen; deswegen haben wir den Auftrag bekommen, dazu ein Vorhaben auf den Weg zu bringen. Wir haben den Auftrag bekommen, eine Studie auf den Weg zu bringen, und genau das werden wir tun. Wir wollen Überlastungen sichtbar machen; wir wollen in der Folge zeigen, wie man die Arbeitsbedingungen verbessern kann. Das ist schon gesagt worden: Wir wollen bürokratischen Aufwand für die Lehrkräfte vermeiden. Frau Riecke, da bin ich total bei Ihnen, weil es dann so wäre, als wollte man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Wir wollen natürlich auch die Flexibilität in diesem Beruf erhalten, weil das ein hohes Attraktivitätsmerkmal ist. Eine eigenverantwortliche Zeiteinteilung ist für viele Lehrkräfte ein ganz wichtiges Gut und im Übrigen ein Motiv, diesen Beruf zu wählen. Ich möchte noch einmal deutlich klarstellen: Auch ohne systematische Zeiterfassung bewegen wir uns weiterhin im Rahmen des geltenden Rechts. Es ist noch nicht abschließend verhandelt worden, ob es für bestimmte Berufsgruppen Bereichsausnahmen geben wird und geben soll. Deswegen haben wir gar keinen unmittelbaren Handlungsdruck. Ich begrüße die fachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. Da es Ihnen ja manchmal schwerfällt, Unterschiede zu meiner Vorgängerin zu erkennen, freue ich mich, dass Sie bei diesem Thema einen Unterschied finden können. (Beifall Martin Habersaat [SPD] – Christopher Vogt [FDP]: Mehr davon, Frau Ministerin!) – Ja, ich arbeite an mir. (Demonstrativer Beifall FDP, Serpil Midyatli [SPD] und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Deswegen freue ich mich sehr, dass wir am 5. März 2026 tatsächlich im Bildungsausschuss intensiver darüber sprechen werden. Denn Sie wissen ja: Viele Themen im Bildungsbereich sind sehr komplex, und ich bin sehr dafür, diese Komplexität auszuloten und in den Blick zu nehmen, weil es für viele Themen in unserer heutigen Zeit keine einfachen Lösungen gibt. Deswegen freue ich mich sehr. Das möchte ich kurz sagen, bevor wir dann ja in die Diskussion im Bildungsausschuss ausführlich einsteigen können. Es gibt im Moment drei Zugänge, mit denen wir uns intensiv beschäftigen. Das eine ist die schon genannte Arbeitszeitstudie aus dem Freistaat Sachsen, die sehr viele Vorteile bietet, weil sie zum ersten Mal eine solch systematische Erfassung auf den Weg gebracht hat. Wir haben auch schon gehört, sie ist nicht das Modell, das wir kopieren wollen, und das uns dann an der Stelle nicht weiterbringt. Deswegen gucken wir sehr intensiv und sind im Sounding Board für das Bremer Erfassungsmodell vertreten. Die sind jetzt mit der Pilotierungsphase am Ende und werden ab dem kommenden Schuljahr einmal an zehn Schulen ausprobieren, wie das aussehen kann. Auch das wird uns gewisse Erkenntnisse bringen, auf die wir uns weiter stützen wollen. Wir sind seit zwei Jahren in einem Projekt mit einigen anderen Ländern, wo wir uns sehr intensiv mit den Fragen beschäftigen: Was können denn überhaupt Arbeitszeitmodelle sein? Wie kann Jahresarbeitszeit gestaltet werden? Wie muss die Gestaltung eines innovativen Schultages und einer innovativen Schulwoche – noch weiter gedacht: eines innovativen Schuljahres – eigentlich heute aussehen, die auch Elemente von veränderten Arbeitsbedingungen, wie beispielsweise KI, wie beispielsweise eine andere Stundeneinteilung im Alltag und all diese Fragestellungen mehr berücksichtigt? – Ich glaube, all das zeigt, dass dieses Thema sehr viel umfänglicher ist, als nur über die Frage eines Erfassungstools zu sprechen. Deswegen freue ich mich, dass wir das Thema weiter vertiefen werden. Danke für die Gelegenheit dazu. Ich bin froh, dass wir auch heute hier noch einmal deutlich machen konnten, dass wir an diesem Thema systematisch und evidenzbasiert arbeiten wollen, damit wir zu guten Entscheidungen für Schleswig-Holstein kommen. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Marc Timmer [SPD])
