Thomas Hölck
Herr Kollege, Sie wissen bestimmt genauso gut wie ich, dass es seit Jahren das Programm Junges Wohnen des Bundes gibt. – Ja. Da wird für die Schaffung von Wohnraum für Studierende und für Auszubildende Geld zur Verfügung gestellt. Können Sie mir sagen, ob das Land in der Vergangenheit dieses Geld genutzt hat, um Wohnungen für Auszubildende zu errichten? – Ich habe gerade die 17 Millionen Euro für das Programm Junges Wohnen angesprochen. In der Vergangenheit ist es nicht gelungen, es angemessen für Auszubildende auf die Straße zu bringen, und zwar weil es relativ wenig Akteure gibt. Genau da soll ja gerade das Azubiwerk einsteigen und Ansprechperson sein, damit es umgesetzt wird. Bisher gibt es ja nur Sonderfälle. Weil der Kollege Stender gerade aufsteht, möchte ich nur sagen: Flensburg will gerade zum Glück endlich versuchen, Ausbildungswohnen zu ermöglichen. Das ist in der Vergangenheit zu selten erfolgt. Das ist nicht programmatisch die Landesregierung gewesen, sondern es war das Problem im Markt. (Lasse Petersdotter) (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie können es sich kaum vorstellen, aber ich komme mit der Redezeit in Schwierigkeiten. (Zuruf: Schade!) Ich will deswegen nur ein paar Sachen anschneiden. Wir wollen bei dem Azubiwerk neben dem Wohnen auch die finanzielle Unterstützung stärken. Es ist ein schleswig-holsteinischer Weg, dass wir auf der einen Seite einen Notlagenfonds wie beim Studentenwerk schaffen, sodass Auszubildende, die gerade in einer besonders schwierigen Lage sind, die Möglichkeit haben, vergünstigte Darlehen oder gar Zuschüsse zu erhalten. Auf der anderen Seite wollen wir eine Azubi-Starthilfe schaffen. Schleswig-Holstein war das erste Bundesland, das eine landesweite Starthilfe für Auszubildende, die aus Familien, die auf Bürgergeld angewiesen sind, aus sogenannten Bedarfsgemeinschaften kommen, ins Leben gerufen hat. Denn häufig, wenn man in einer solchen Familie lebt, hat man nicht so die Möglichkeit, das Geld für die eigenständige Lebensplanung nach dem Schulabschluss anzusparen, als wenn man aus anderen Familien kommt. Deswegen ist Schleswig-Holstein damals diesen Weg gegangen und hat eine Studienstarthilfe geschaffen. Die Bundesregierung hat sich später entschieden, das bundesweit auszurollen. Das war ein guter Weg. Sehr häufig gab es die Debatte, warum das nur für Studierende erfolgt, denn Auszubildende haben doch solche Probleme genauso. Deswegen finde ich es gut und richtig, dass wir uns vorgenommen haben, mit einer Azubi-Starthilfe hier gleichzuziehen und es zu schaffen, dass Auszubildende, die aus einer Bedarfsgemeinschaft kommen und ihr eigenständiges Leben, ihre erste eigene Ausbildung starten, eine entsprechende Unterstützung erhalten. Das ist gut und für die Leute unmittelbar sehr, sehr wichtig. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Peter Lehnert [CDU]) Zu den Beratungen. Gerade wurde das in einer der zahlreichen Zwischenfragen angesprochen. Wie verhindern wir Doppelstrukturen? – Wir haben gute Strukturen. Wir haben die Jugendberufsagenturen, die regional sehr, sehr unterschiedlich ausgeprägt sind, aber die tolle Angebote machen. Wir haben die Kammern, die sehr breite Bildungsund Beratungsangebote haben, bis hin zu Beratungen für Auszubildende mit Kind und so weiter. Es ist dringend notwendig, hier keine Doppelstrukturen zu schaffen. Deswegen ist die wichtigste Beratung, die ein Azubiwerk leisten kann, erst einmal eine allgemeine Verweisberatung. also eine Unterstützung beim Ausfüllen von BAB-Anträgen und vom Wohngeldantrag. Genauso wichtig ist eine Verweisberatung an die Kammern, weil die Angebote, die die Kammern vorhalten, nicht jedem immer gleich bewusst sind. Das Wichtigste ist daher eine allgemeine Verweisberatung. Das Azubiwerk soll also nicht in Konkurrenz mit Kammern oder anderen gehen. Das Azubiwerk soll eine Ergänzung sein, indem es immer dann, wenn es um den Rückenwind außerhalb des Betriebes geht, eine psychologische, eine psychosoziale Beratung anbieten kann. Wir wissen vom Studentenwerk, wie dringend die benötigt wird. Das ist in der Ausbildung ehrlicherweise nicht anders. Auch eine Beratung für Auszubildende mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen kann angeboten werden. Neben der Beratung kommt ein kulturelles Angebot. Dabei werden wir erneut auf Kooperationspartner wie die Volkshochschulen angewiesen sein. Manchen Auszubildenden werden wir eigenverantwortlich die Möglichkeit geben, Angebote zu teilen, wenn wir beispielsweise an das Fotografiehandwerk und andere denken. Dazu kommt Mitbestimmung. Wir wollen eine gelebte Sozialpartnerschaft – mit Kammern, mit Gewerkschaften, mit Arbeitgebern, auch Innungen, um dieses Projekt gemeinsam voranzutreiben, und wir wollen es gesetzlich absichern. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Vor uns liegt ein Programm, mit dem wir in der Bildungspolitik, auch wenn noch Korrekturen zu machen sind, wichtige Schritte gehen. Wir wollen dort Neues versuchen und es schaffen, gezielt jungen Menschen politische Antworten auf bestehende Fragen zu geben. Ich glaube, dass das wichtig und ein schlüssiges Gesamtpaket für junge Menschen in SchleswigHolstein ist. Es ist unterstützend und stärkt gleichzeitig die Gerechtigkeit im Land. Ich freue mich, dass wir als Koalition diesen gemeinsamen Kraftakt geschlossen gehen und uns nicht davon haben beirren lassen, auch an der einen oder anderen Stelle eine Korrektur vorzunehmen, auch wenn uns klar war, dass sofort gesagt wird: Ach Mensch, ach Mensch. – Ich glaube, es ist richtig, solche Bereitschaften zu zeigen. (Lasse Petersdotter) Ich freue mich, jetzt zum Abschluss ein bisschen Bewegung in die Debatte reingebracht zu haben. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
