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Andreas Hein

CDU 30.01.2026 Sitzungen 20/110

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Schleswig-Holstein hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Wir wollen 2040 das erste klimaneutrale Industrieland sein. Wie wir alle wissen, Klimaneutralität ist notwendig und unsere Ziele - 2030 wie 2040 - sind ambitioniert. Doch selbst bei größter Anstrengung in der Vermeidung und Reduktion von Emissionen werden unvermeidbare Restemissionen verbleiben: aus den Sektoren Industrie, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und Teilen des Verkehrs. Wenn wir Klimaneutralität ernst meinen, müssen diese Restemissionen kompensiert werden. Genau hier kommen negative Emissionen ins Spiel – als notwendige Ergänzung, nicht als Ersatz für konsequente Emissionsminderung. Schleswig-Holstein verfügt dabei über ein besonderes Potenzial: wir sind Agrarland mit einer starken Landwirtschaft, mit großen Mengen biogener Reststoffe, mit einer verarbeitenden Industrie und leistungsfähigen Häfen, und deshalb sind biogene Reststoffe aus Landwirtschaft und Gewerbe wie Getreide- und Rapsstroh, Maisspindeln, Mist und Dung, Separationsfeststoffe aus der Gülle, Landschaftspflegematerial, Moorflächenaufwuchs, Knick- und Restholz, Klärschlamm, biogene Abfälle, Algen und Treibsel sowie industrielle Nebenprodukte wie beispielsweise Hülsen, Kerne und Schalen – all diese Stoffe – keine Abfälle, sondern Rohstoffe einer zukünftigen biogenen Kohlenstoffwirtschaft. Insbesondere für unsere zahlreichen Niederungsflächen stellt die Verwertung von „Moorflächenaufwuchs“ eine neue interessante Alternative dar. Diese Biomassen können stofflich – im Sinne von Rohstoff – oder energetisch, zum Beispiel Biogas, aber auch kohlenstoff-wirtschaftlich CCU/CCS genutzt werden. Ein Beispiel ist die Herstellung von Pflanzenkohle. Pflanzenkohle bindet Kohlenstoff über Jahrhunderte, es wird in der Umwelttechnik, in der Tierhaltung, im Garten-Landschaftsbau oder auch der Landwirtschaft eingesetzt. Im Boden verbessert es Anhang Protokoll die Bodenstruktur und erhöht die Wasserspeicherfähigkeit. Ein weiteres Beispiel: Das Schröder Betonsteinwerk zeigt bereits heute, wie Pflanzenkohle in Betonpflastersteinen eingesetzt werden kann, um den CO₂-Fußabdruck des Zements zu kompensieren – und das ohne Qualitätsverluste. Darüber hinaus ermöglicht die thermische Nutzung biogener Stoffe in Kombination mit einer CO₂-Abscheidung, die Nutzung des abgeschiedenen CO₂. Etwa als Rohstoff für die Industrie wie beispielsweise die Methanoloder Kunststoffherstellung, für die Getränkeindustrie oder zur dauerhaften Speicherung. Verfahren wie biogenes CCU und biogenes CCS entziehen so gebundenen Kohlenstoff langfristig der Atmosphäre. Insbesondere CCS von biogenem CO₂ generiert quantifizierbare negative Emissionsrechte. Unser Nachbarland Dänemark ist hier Vorreiter dieser neuen kohlenstoffbasierten Wertschöpfungsketten. Entscheidend ist dabei: Wir brauchen dafür einen Markt – wir brauchen funktionierende Wertschöpfungsketten, verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und ein transparentes Monitoring. Nur wenn negative Emissionen zukünftig messbar, überprüfbar und zertifizierbar sind, können sie Grundlage eines Marktes werden. Handelbare Zertifikate aus langfristig gebundenem oder gespeichertem CO₂ eröffnen neue wirtschaftliche Perspektiven, insbesondere auch für landwirtschaftliche Betriebe. Genau darum geht es: Nutzung von Reststoffen, Verwertung statt Verrottung, Pflanzenkohle oder thermische Nutzung und CO Abscheidung 2- sowie die Erschließung eines Marktes über Zertifikate für dauerhaft gebundenen oder gespeicherten Kohlenstoff. Der Landtag bittet daher die Landesregierung die relevanten Akteure zu vernetzen, bestehende Strukturen zu nutzen, den regulatorischen Rahmen weiterzuentwickeln und einen koordinierten Markthochlauf der Kohlenstoffwirtschaft zu unterstützen. Dazu gehören auch der Aufbau einer CO₂-Transport- und Hafeninfrastruktur, etwa in Form eines CO₂-Hubs, sowie der Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis unter Einbindung des Kompetenzzentrums klimaeffiziente Landwirtschaft. Sehr geehrte Damen und Herren, Schleswig-Holstein kann auch in diesem Feld Maßstäbe setzen – mit einer integrierten Energie- und Kohlenstoff- (Andreas Hein) wende und zukunftsfähigen Kohlenstoffkreisläufen. Nutzen wir dieses Potenzial: für den Klimaschutz, für Wertschöpfung im ländlichen Raum und für uns und kommende Generationen. – Herzlichen Dank.

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