Marion Schiefer
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir ducken uns nicht weg, und wir haben verlässliche und regelmäßige Psychotherapie im Maßregelvollzug. Wenn Sie mit den Kliniken reden – auch ich war erst vor ein paar Monaten in Neustadt –, dann sagen die nicht und auch wir nicht, dass alles schick ist. Das Hauptproblem sind die räumliche Enge und die Überbelegung; Herr Dürbrook hat die Zahlen genannt. Die beste Psychotherapie bringt nicht viel, wenn ich einen Patienten – jedenfalls für einen gewissen Zeitraum – in einem Zwei- oder Dreibettzimmer unterbringen muss. Es ist kein Wegducken, wenn wir sagen: Der individuelle Behandlungsbedarf zählt. Ich verweise auf das, was die Kollegen Hansen und Balke ausgeführt haben. Wir haben es zum Beispiel mit hochgradig schizophrenen Patientinnen und Patienten zu tun, die nicht in der Lage sind, wöchentlichen, längeren Gesprächen zu folgen. Die brauchen jeden Tag eine Kurzansprache, die sie auch erhalten. Die Behandlungsbedürftigkeit und die Frage, wie aufnahmefähig der Einzelne ist, entscheiden über die Frequenz der Einzelgespräche. Herr Garg, die Stellenplanung, die Sie anführen, ist zum Teil irreführend, weil nicht jeder Psychotherapeut in Einzelgesprächen eingesetzt wird. Wir haben eine Menge anderer Einsatzbereiche, für die die Leute ebenfalls gebraucht werden. Wir haben Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung so dekompensiert sind, dass sie keine wöchentliche Therapie erhalten können. Wir haben eine ganze Reihe von Erfahrungswerten in Zusammenarbeit und im Gespräch mit den Kliniken vorab eingeholt, und wir haben es uns nicht einfach gemacht. Was Sie fordern – lesen Sie sich einmal den Beschlussvorschlag durch –, ist das starre, wöchentliche Einzelgespräch zur Psychotherapie. Das wird den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten nicht gerecht. Deshalb unser Gegenantrag. – Danke. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
