Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Schulen sollen Lernräume sein, sie sollen Schutzräume sein, sie sollen Orte sein, an denen Kinder und Jugendliche sich sicher fühlen, sich entfalten können und sich gesehen fühlen. Das Gewaltmonitoring der Landesregierung zeigt, dass Anspruch und Realität in diesen Fragen an einigen Punkten noch auseinander liegen. Wir haben einen Bericht vorliegen, in dem von 780 Gewaltvorfällen im Schuljahr 2024/2025 die Rede ist, und wir sind uns, glaube ich, alle einig: Das sind 780 Gewaltvorfälle zu viel. (Beifall SPD, CDU und SSW) 132 davon haben an Grundschulen stattgefunden. Das ist für mich als Vater von einem und bald zwei Grundschulkindern ein ungutes Gefühl. Wir wissen: Es hat nur das in den Bericht Eingang gefunden, was disziplinarische Maßnahmen für Schülerinnen und Schüler nach sich gezogen hat, also in der Regel Verweise aus der Klasse, aus der Schule und dergleichen. An der Stelle, Frau Ministerin, habe ich einen Punkt, über den ich im Ausschuss gerne sprechen möchte; das kündige ich hier schon mal an. Wenn wir Kinder aus dem Autismusspektrum haben, die deswegen gewalttätig werden, weil sie in einem konkreten Moment überfordert werden, dann gehört ihre Erwähnung aus meiner Sicht nicht unbedingt in diesen Bericht. Gleichzeitig finde ich den Begriff „Täter“ schwierig, der in dem Moment für sie gewählt ist. (Beifall SPD) (Martin Habersaat) Es darf nach meiner Wahrnehmung auch nicht sein, dass sie mit solchen disziplinarischen Maßnahmen belegt werden. Ich stelle mir Folgendes vor: Ich habe ein autistisches Kind, das mit der Situation, warum auch immer, überfordert ist, um sich schlägt und zur Strafe in eine andere Klasse versetzt wird. Das macht die Lage doch nur noch schlimmer. Wir müssen dringend darüber reden, dass wir erstens mit der Statistik anders umgehen, dass wir aber zweitens mit Kindern aus dem neurodivergenten Spektrum insgesamt einen anderen Umgang finden. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Wir sehen, dass wir einen Bedarf an unseren Schulen haben, wenn es darum geht, eine Schulkultur des Miteinanders zu pflegen, Konflikte ernst zu nehmen, die Lebensumstände der Schülerinnen und Schüler so aufzugreifen und ihnen so zu begegnen, dass sie nicht zu gewalttätigem Verhalten an der Schule führen. Gewalt entsteht nicht einfach so. Sie ist oft ein Ausdruck von Überforderung, aber auch von fehlender Unterstützung in konkreten Situationen und manchmal auch von nicht ausreichend ausgebauter Prävention. Fachleute weisen uns schon lange auf eine Stellschraube hin, die letztlich auf der Hand liegt: Das ist die Schulsozialarbeit. Der Landesarbeitskreis der Schulsozialarbeit in Schleswig-Holstein fordert seit Langem eine feste Quote von Schulsozialarbeiter_innen an Schulen. Das ist ein Thema, bei dem wir endlich vorankommen müssen. Momentan gibt es nicht einmal einen Qualitätsrahmen, der diesen Namen verdient. Was es gibt, ist eine Art Rahmen – so würde ich es nennen –, in dem zunächst alles aufgeschrieben wurde, was es in irgendeiner Form gibt. Was wir brauchen, wären aber Verständigungen über Aufgaben, Ausstattung und auch über Messbarkeiten von erfolgreichem Arbeiten der Schulsozialarbeit. Die Landesregierung und die Kommunalen Landesverbände sprechen seit vielen Jahren über so einen Qualitätsrahmen – bisher nicht mit so viel Erfolg. Bei der Schleifähre – das betrifft mich nicht so sehr – finde ich dieses Seit-Jahren-sprechen-und-nichtVorankommen in einzelnen Teilen sogar unterhaltsam; (Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], Christopher Vogt [FDP] und Jette
