Dr. Kai Dolgner
Ein, zwei Sachen, die ich eben gehört habe, kann ich hier dann doch nicht ganz so stehen lassen. Da möchte ich meinen Redebeitrag auch nicht so verstanden wissen. Wir haben große Fortschritte auf einem Weg gemacht, der aber sehr weit ist – was eigentlich auch schon seit den 50ern klar war. Dass Forscherinnen und Forscher natürlich immer sozusagen die maximale Zukunftsperspektive beantragen müssen, liegt daran: Wenn man sagt, ich möchte Geld haben für etwas, das in 80 Jahren kommt, kriege ich schlicht und ergreifend kein Geld. Es war schon in den 50er-Jahren klar, dass man von Millisekunden auf zwei Stunden kommen muss für ein stabiles Plasma, zum Beispiel beim Tokamak. Wenn man das dann aufchartete, dann war klar: Das ist ein weiter Weg. Die Politik hat das Geld nicht rausgerückt, weil sie gesagt haben: Wir haben es ja, wir haben (Dr. Kai Dolgner) Atomkraftwerke, wir haben Kohle und Gas. – Das muss man einmal ganz ehrlich sagen. Das heißt also, es ist nicht in 30 Jahren nichts passiert, es ist eine Menge passiert. Von einer Millisekunde auf 18 Minuten ist super – was die Chinesen hingekriegt haben. Das ist eine ganz super Angelegenheit. Dass ein Stellarator überhaupt zum Laufen gebracht wird, ist auch eine super Angelegenheit. Aber wir sind noch ganz weit von dem Ziel entfernt. Aber ich stehe dazu – das unterscheidet mich vielleicht –: Das Ziel ist gut. Um einmal ein paar Sachen klarzustellen: Wenn ich das nicht mit Laser mache – was ich für Quatsch halte –, sondern mit einem Magnetfeld, dann kann ich auch mit den Neutronen aus dem Lithium das Tritium herausbrüten. Das heißt, ich produziere das Tritium. Das finden sie nicht natürlich, das hat eine viel zu kurze Halbwertszeit. Zweiter Punkt. Bei der Kernspaltung entsteht radioaktives, lang strahlendes Material. Deshalb habe ich mich auch immer dagegen gewehrt, das weltweit zu machen. Gleichzeitig geben sie den Leuten die Fähigkeit, Atombomben zu bauen. Deshalb habe ich unter Proliferationsgründen das nie für eine Lösung für die ganze Welt gehalten – aber die brauchen wir ja, wir haben ja nicht ein Klima nur in Deutschland. Alleine deshalb ist das eine doofe Idee. Bei der Kernfusion aktivieren sie nur die Bauteile. Das heißt mit anderen Worten, sie bekommen durch die Neutronen radioaktive Bauteile, also Baustähle und so weiter. Das klingt in 10 bis 100 Jahren ab. Das heißt, bei der Entsorgung müssen sie den Bauschutt 100 Jahre lang kontrollieren. Das ist etwas ganz anderes, als wenn sie mit Spaltprodukten arbeiten, die eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren und mehr haben. Das möchte ich bitte an der Stelle anmerken, denn sonst geht aus dem Landtag hier auch ein falsches Signal nach draußen. Ich gehe davon aus, dass der eine oder andere Fusionsforscher das vielleicht dann doch mitbekommt, was wir hier besprechen. Das sollten wir gern schon richtig darstellen, auch wenn das Thema nicht ganz so tief in unseren Diskussionen verankert ist wie Sozialgesetzbücher und Schulgesetze. Wir betreiben ja ernsthaft Politik, und die Fusionsallianz ist eine ernsthafte Sache. Noch einmal: Wenn wir da entsprechende Forschungsgelder reingeben, ist das eine gute Sache. Aber in unsere mittelfristige Planung zur Energiewende – wir wollen ja 2040 oder 2045 klimaneutral werden – können Sie davon keine einzige Kilowattstunde einrechnen, und das sollten sie dann auch nicht tun. (Beifall SPD)
