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Sybilla Nitsch

SSW 28.01.2026 Sitzungen 20/108

Geehrte Präsidentin! Liebe Kollegen! Ich kann jetzt nicht aus einer literarischen Schatzkiste vortragen, aber ich kann Ihnen etwas über die Fusionskonstante erzählen. Diese besagt nämlich, dass es noch etwa 30 Jahre dauern wird, bis die Kernfusion zur kommerziellen Energiegewinnung eingesetzt werden kann. Diese Konstante ist seit den 1950er-Jah- (Sybilla Nitsch) ren konstant. Aktuell gibt es einige Forscher, die sagen, die Fusionskonstante gelte nicht mehr, wir seien näher dran. Andere sagen, das sei bisher alles Grundlagenforschung, wir seien noch genau da. Das erscheint mir die realistischere Betrachtungsweise, da viele offene Fragen zur Kernfusion noch ungeklärt sind. Unter anderem ist noch offen, ob es gelingen kann, das für die Reaktion notwendige Tritium, das nicht in der Natur vorkommt, in ausreichend großer Menge zu erzeugen, um die Fusionskraftwerke am Laufen zu halten. Das ist ein bisschen so, als wenn ich den Bau eines Gaskraftwerkes plane, ohne zu wissen, ob ich je in der Lage sein werde, Gas zu fördern. Wissenschaftliche Grundlagenforschung hat hier ohne Frage ihre Berechtigung, und dass diese vom Bund gefördert wird, damit der Wissenschaftsstandort Deutschland auch künftig im Wettbewerb um die klügsten Köpfe mithalten kann, ist meines Erachtens in Ordnung – auch wenn ich sagen muss, die dafür eingeplanten 1,7 Milliarden Euro bis 2029 sind wirklich kein Pappenstiel. Auch die Allianz zur Fusionsforschung, an der das Land sich beteiligt, ist unter dem Gesichtspunkt der Wissenschaftsförderung völlig in Ordnung. Aber so zu tun, als würde die Fusionsenergie in absehbarer Zeit unseren Energiebedarf decken und die Lücke zwischen den erneuerbaren Energien und den fossilen Kraftwerken schließen können, ist in meinen Augen pure Augenwischerei. (Beifall SSW, Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Marc Timmer [SPD]) Es ist in unseren Augen auch Schönfärberei zu behaupten, dass diese Technologie frei von Risiken und Problemen ist. Spätestens bei der Anwendung im industriellen Maßstab fallen dann doch verstrahlte Abfälle in nicht unerheblicher Menge an, die, wenn auch nicht für viele 10.000 Jahre, doch für einige 100 Jahre sicher gelagert werden müssen. Außerdem, selbst wenn die Kernfusion in 30 Jahren dann doch kommen sollte: Sie kommt zu spät, um uns heute bei der notwendigen Energiewende zu unterstützen. Die kann nämlich keine 30 Jahre mehr warten, da müssen wir jetzt vorankommen, und das tun wir in Schleswig-Holstein auch alle gemeinsam. (Beifall SSW) Wir produzieren schon heute deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien als wir verbrauchen können. Um der allseits gefürchteten Dunkelflaute zu begegnen, müssen wir auf Biomethan aus unseren Biogasanlagen und auf die Stromspeicherung in Batteriespeichern setzen. Es gibt dann auch noch die Frau Reiches der Welt, die wollen auf Gaskraftwerke setzen, aber das können wir ja hier in Schleswig-Holstein nicht wollen. Diese Technologien sind heute schon vorhanden, wir kommen nur nicht so recht voran. Wir können es uns aber auch nicht leisten, bei den aktuellen Technologien auf die Bremse zu treten, weil wir auf die eine große Technologie in der Zukunft hoffen. Es ist gut und richtig, dass Deutschland eine aktive Rolle in der weltweiten Forschungsgemeinschaft im Bereich der Fusionsforschung einnimmt, aber wir müssen hier im Norden einen anderen Fokus haben, um aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Da denke ich zum Beispiel an eine bundesweite Allianz zur Erforschung von Energiespeichern, die richtig wichtig wäre, oder an eine Allianz mit Dänemark, wo wir viel über die Biomethanproduktion aus Rest- und Abfallstoffen lernen könnten. Das würde ganz konkret in den nächsten Jahren einen Beitrag zur Energiesicherheit leisten und die Energiewende weiter voranbringen. Von der Kernfusion, die vielleicht in 30 Jahren unbegrenzt sauberen Strom liefern wird, kann solange träumen, wer mag. (Beifall SSW und Marc Timmer [SPD])

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