Sybilla Nitsch
Kære fru landstingspræsident! Kaere alle! Vom Grundsatz her herrscht hier beim Schwimmen und Schwimmunterricht immer große Einigkeit. Alle hier Anwesenden teilen den Anspruch, dass jedes Kind schwimmen lernen soll. Wir stellen immer wieder fest, dass wir das Bundesland zwischen den Meeren sind. Deswegen ist es besonders wichtig. Das klingt simpel und logisch, ist aber bei der Umsetzung leider etwas schwierig. Denn auch, wenn die Regierung keinen besonders detaillierten Überblick über die Schwimmfähigkeit der Schulkinder hat, sind die groben Zahlen bis heute alarmierend. Den letzten Erhebungen zufolge kann zu Beginn der 4. Klasse zumindest nur rund die Hälfte aller Kinder sicher schwimmen. Auch wenn das im Vergleich mit anderen Ländern vielleicht sogar ein guter Wert ist, ist es aus unserer Sicht trotzdem zu wenig. Liebe Koalition, daran ändert Ihr Alternativantrag leider gar nichts. (Beifall SSW, SPD und FDP) Denn abgesehen davon, dass sich uns nicht erschließt, was genau mit der Fortsetzung von Schwimmsportstätten oder der vielleicht dazugehörenden Statistik gemeint ist, geht dieser nicht über eine Status-quo-Beschreibung hinaus. Doch allein die Feststellung, dass Anspruch und Wirklichkeit hier weiterhin auseinanderliegen, bringt uns nicht weiter. Gleichzeitig haben wir mehrfach nicht nur die Ursachen, sondern auch verschiedene Lösungswege angesprochen. Der Hauptgrund dafür, dass längst nicht alle Kinder im schulischen Rahmen Schwimmen lernen und Familien häufig jahrelang auf einen Schwimmkurs warten müssen, liegt in den geringen Kapazitäten vor Ort. Bekanntlich haben wir in den vergangenen Jahren viele Schwimmstätten schließen müssen. Weil sich Schulen, Vereine und Öffentlichkeit die Wasserzeiten an vielen der verbleibenden Schwimmstätten teilen, ist eine Ausweitung der Angebote kaum noch möglich. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass wir nicht nur den Bestand alter Schwimmbäder durch Modernisierung und Instandsetzung sichern, sondern dringend auch zusätzliche Schwimmhallen oder Schwimmmöglichkeiten bauen müssen. (Beifall SSW und SPD) Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir die sogenannten weißen Flecken haben und damit einfach die Chancen für den Schwimmunterricht ungleich verteilt sind. Gerade weil sich diese Entwicklung mit dem Wegfall von Schwimmbädern zusätzlich verschärft, müssen wir dringend gegensteuern. Aus Sicht des SSW kann ich Ihnen sagen: Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Schwimmstätten zunehmend zum Privileg reicher Kommunen werden. (Beifall SSW, FDP und vereinzelt SPD) Jedes Kind in Schleswig-Holstein muss wohnortnah den Zugang zu qualitativem Schwimmunterricht bekommen. Noch dazu ist klar, dass wir echte Chancengleichheit und Flächengerechtigkeit nur über den Schwimmunterricht während des ver- (Sybilla Nitsch) pflichtenden Schulbesuchs sicherstellen können. Absolute Grundvoraussetzung hierfür ist nun mal, dass eine Schwimmstätte in zumutbarer Reichweite ist. Angesichts der Größe der Herausforderung wird es kaum überraschen, dass wir die Idee eines Schwimmstättenkatasters weiterhin unterstützen, Herr Kollege Stender. (Beifall SSW und SPD) Aus Sicht des SSW ist und bleibt es sinnvoll, noch genauer hinzuschauen und die regionale Versorgung und Unterversorgung zu ermitteln. Vor allem die Forderung der SPD nach einer darauf aufsetzenden Bedarfsplanung durch Land und Kommunen ist folgerichtig. Gerade wenn es darum geht, langfristig zu planen und knappe Mittel, wie wir gehört haben, möglichst zielführend und regionalgerecht einzusetzen, bietet ein Kataster Vorteile. Ein besonderes Augenmerk, finde ich, müssen wir auf den 20-Kilometer-Richtwert und dem Verhältnis von Schwimmbahnen zu Einwohnerdichte legen. Denn ohne das harte Kriterium zumutbarer Wege und Anfahrtszeiten wird eine Bedarfsplanung nicht helfen, allen Kindern den Zugang zu Schwimmstätten zu sichern. Noch einmal: Es kann nicht angehen, dass das Erlernen von Schwimmkompetenzen bis heute noch häufig von sozialen Hintergründen abhängt. (Beifall SSW, FDP, Beate Raudies [SPD] und Kianusch Stender [SPD]) Schwimmen ist ganz einfach in unseren Augen ein Bestandteil der Daseinsvorsorge in Schleswig-Holstein und darf nicht vom sozialen Status abhängen. Dafür müssen wir Verantwortung tragen. Trotz der schwierigen Finanzlage des Landes muss eins klar sein: Beim Thema Schwimmstätten gibt es durchaus Handlungsspielräume – Frau Krämer hat das sehr richtig benannt –, es sind aber Handlungsspielräume, die durch den Bund geschaffen worden sind. 25 Millionen Euro für Schwimmsportstätten aus dem Bundessondervermögen, das finden wir sehr gut, aber auch die Sportmilliarde bietet Möglichkeiten. Wenn es gelingt, diese Mittel strategisch und regional ausgewogen auf planungsreife Standorte zu verteilen, haben wir die Chance – eine kleine Chance auf jeden Fall –, in Sachen Schwimmkompetenzen einen großen Schritt voranzukommen. Aber es müssen auf Dauer auch Landesmittel in diese Aufgabe fließen. Wir sollten diese Chance nutzen, und ein Schwimmstättenkataster würde auch für die Zukunft ein gerechtes Bild zeichnen, gerade weil es um die Investitionen für das Schwimmen in unserem Flächenland Schleswig-Holstein geht. – Vielen Dank.
