Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 in der Grundschule ist ein großer Schritt für ein gerechteres Bildungssystem. Ganztag ist aber ehrlicherweise nicht gleich Ganztag, denn wir wollen natürlich auch neue Formen des ganztägigen Lernens ermöglichen, zum Beispiel die teilgebundene Ganztagsschule, die eine davon ist. Es gibt viele Gründe, wieso sich Schulen für eine offene oder eine gebundene Ganztagsform entscheiden. Üblicher ist momentan der offene Ganztag, bei dem sich die Eltern aussuchen, ob sie ihre Kinder nach dem Unterricht abholen, ein gemeinsames Mittagessen einnehmen und den Nachmittag selbst gestalten. Der gebundene Ganztag schafft und nimmt Möglichkeiten. Er löst das Problem, wie man den Vormittag und Nachmittag sinnvoll miteinander verbinden kann. Lern- und Freizeiteinheiten können sich ganztägig abwechseln, und die Frage nach genügend Zeit zum Mittagessen, nach Bewegung zwischen den Unterrichtseinheiten, einem späteren Beginn des Unterrichts am Morgen und nach Hausaufgabenhilfe lassen sich entspannter lösen. Eine gebundene Ganztagsschule wäre für viele Schulen ein großer Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD) Die gebundene Ganztagsschule ist die Möglichkeit, Schule neu zu denken, als einen echten Lernund Lebensort. Dazu braucht es sowohl geeignete Räume für Lehrkräfte und Kinder als auch neue pädagogische Konzepte. Unerlässlich ist, dass sich Lehrkräfte, Eltern und Kinder gemeinsam und mit Überzeugung für die ganztägige Schule entscheiden. Gerade Kinder, die zu Hause weniger Unterstützung beim Lernen erhalten, profitieren besonders von gebundenen Ganztagsschulen. Ein gebundener Ganztag kann so ein wichtiger Baustein für mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit im Bildungssystem sein. Bisher gibt es gebundene und offene Ganztagsschule. Eine teilgebundene Ganztagsschule wäre zumindest für Schleswig-Holstein etwas Neues. Trotzdem ist klar, dass eine teilgebundene Ganztagsschule höhere organisatorische Anforderungen und personelle Bedarfe hat als die offene Form. Unterrichts- und Betreuungszeiten müssen stärker abgestimmt, Stundenpläne neu gedacht und Teamzeiten zwischen Lehr- und pädagogischen Fachkräften eingeplant werden. Das bedeutet nicht nur mehr Abstimmungsbedarf, sondern auch zusätzliche Personalressourcen. (Malte Krüger) Was aber ehrlicherweise auch stimmt – dazu habe ich in den Herbstferien ein gutes Buch gelesen –: So ein Vorhaben braucht enormen Rückhalt im Kollegium. Ein Kollegium an einer Schule muss sich wirklich dazu bereit erklären, da voranzugehen. Wenn die Schulleitung zum Beispiel nicht überzeugt davon ist und keine Vorstellung davon hat, wie eine teilgebundene Ganztagsschule für den Standort umgesetzt werden könnte, dann wird dieses Konzept nicht funktionieren. Wenn aber die Schulgemeinschaft und der Schulträger, zum Beispiel von einer Startchancen-Schule, ein Signal geben und sich auf den Weg zur teil- oder gebundenen Ganztagsschule machen wollen, dann sollte das Land dies natürlich unterstützen. Ich gehe davon aus, Schulen können sich auch jetzt schon ans Ministerium wenden, wenn sie ein Interesse daran haben. Ich glaube nicht, dass die vor der verschlossenen Tür stehen bleiben. Deswegen regen wir an, dass die Landesregierung jetzt ein Schulversuch mit Interessenbekundungsverfahren startet, um an ausgewählten Startchancen-Grundschulen den Aufbau eines teilgebundenen Ganztages zu erproben. Auch soll unserer Auffassung nach interessierten StartchancenGrundschulen der Wechsel zum gebundenen Ganztag ermöglicht werden. Das ist uns Grünen sehr, sehr wichtig. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Martin Habersaat [SPD]: Drei Standorte, fünf Jahre?) Herr Habersaat, weil Sie vorhin ja diverse Studien zitiert haben, die alle richtig sind, will ich nur einmal darauf hinweisen, dass ich hier schon des Öfteren gerade die Berichte der Bundesregierung zu den Herausforderungen zum Ganztagsausbau zitiert habe. Dass wir da in Schleswig-Holstein eine Riesenherausforderung haben, ist uns allen hier bewusst. Das ist ja der Grund dafür, warum die Landesregierung zum Beispiel beim pädagogischen Rahmenkonzept oder bei den Verhandlungen zu den Betriebskosten und Investitionskosten so hart verhandelt hat, aber auch so ein – sage ich mal – zuvorkommendes Angebot an die Kommunen gemacht hat, warum diese Diskussionen so intensiv geführt worden sind. Also: Die Herausforderungen sind bekannt, und das ist der Grund, aus dem zum Beispiel die gelungene KLV-Einigung hier so verfolgt worden ist. Ich habe – das habe ich hier auch schon öfter gesagt – gar nicht mehr damit gerechnet, dass das so möglich ist. Von daher weise ich diesen Vorwurf an dieser Stelle zurück. Uns ist sehr wohl bewusst, welchen Bedarf an Ganztagsplätzen wir in Schleswig-Holstein haben – auch im bundesweiten Vergleich. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)
