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Martin Habersaat

SPD 21.11.2025 Sitzungen 20/104

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! 2021 veröffentlichte das Deutsche Jugendinstitut eine Studie, „Plätze. Personal. Finanzen.“ Darin war zu lesen, in Schleswig-Holstein fehlen 21.000 bis 26.000 Ganztagsplätze. Das ergibt in Prozent eine Summe von 65 bis 82 Prozent. Nirgends in Deutschland war diese Zahl höher. Schleswig-Holstein hatte die rote Laterne. (Martin Habersaat) 2022 folgte eine Bertelsmann-Fachkräftestudie. Darin war zu lesen, dass in Schleswig-Holstein einerseits mehr als 4.000 Fachkräfte für den Ganztag fehlen und andererseits der Anteil der Sechseinhalbjährigen bis Zehneinhalbjährigen, die ein Ganztagsangebot wahrnehmen, in keinem anderen Bundesland kleiner ist als in Schleswig-Holstein. Rote Laterne: Schleswig-Holstein. 2023, Institut der deutschen Wirtschaft: In keinem Land besteht eine größere Lücke zwischen den vorhandenen Plätzen und dem prognostizierten Bedarf 2029. Rote Laterne: Schleswig-Holstein. 2024: der zweite Bericht zum Ausbaustand – und Schleswig-Holstein noch immer weit hinten. Meine Damen und Herren, das ist der Hintergrund, vor dem Sie gleich in Selbstzufriedenheit schwelgen werden. (Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das machen wir doch nicht!) Das Recht auf Ganztag startet im Sommer 2026. Es ist klar, die Zeit ist kurz, wir müssen vorankommen. Wenn es nach uns geht, müssen wir in allen Bereichen vorankommen, nicht nur beim offenen Ganztag. Ja, man könnte den Rechtsanspruch theoretisch abdecken, wenn man nur offene Ganztagsangebote schafft. Aber die qualitativ hochwertigeren Angebote sind die gebundenen und teilgebundenen. Auch da muss es vorangehen. Für alle, die sich nicht jeden Tag damit befassen: Ein offenes Ganztagsangebot zeichnet sich dadurch aus, dass die Schülerinnen und Schüler vormittags zur Schule gehen und nachmittags, wenn sie wollen, Angebote welcher Art auch immer wahrnehmen können. Ein gebundenes Ganztagsangebot zeichnet sich dadurch aus, dass der ganze Schulalltag anders getaktet ist, dass mehr Lehrkräfte da sind, Unterricht auf den ganzen Tag verteilt ist, Freizeitangebote und Unterrichtsangebote sich abwechseln und dass Schülerinnen und Schüler verbindlich den ganzen Tag daran teilnehmen müssen. Beim teilgebundenen Angebot unterscheiden wir zwei Varianten. Die eine sieht so aus, dass es Klassen gibt, die so ein offenes Angebot haben, wie ich das eben beschrieben habe, und andere, die ein gebundenes Angebot haben, dass man als Eltern entscheiden kann: Möchte ich in die offene oder die gebundene Klasse? – In der anderen Variante wird nach Wochentagen differenziert, dass Schulen beispielsweise sagen, wir haben dienstags und donnerstags Langtage verbindlich für alle und an den anderen drei Tagen können die Eltern, wenn sie wollen, die offenen Angebote dazu wählen. Genau in diesen Bereichen wollen wir gerne vorankommen. Im Rahmenkonzept der Landesregierung wird das angedacht. Da steht drin: Das Land unterstützt ab 2025 mehr Gebundenheit und mehr Teilgebundenheit. – Hört, hört! 2025 ist bald vorbei, die Unterstützung müsste also wahrscheinlich schon massiv laufen. Und darin steht: Die Schulträger sollen entscheiden. – Das ist interessant, weil in diesem Rahmenkonzept ganz viele tolle Sachen drinstehen. Das ist wirklich das Gelbe vom Ei, was in diesem Rahmenkonzept steht. Das Problem ist nur, das Gelbe vom Ei wird nicht finanziert, sondern die Landesregierung schreibt, was super wäre. Alle lesen das und sagen: Ja, das fänden wir auch super. – Hinterher sagen alle: Na ja, aber bezahlen kann es ja leider keiner. – Aber an diesem speziellen Punkt steht da drin, dass die Schulträger entscheiden sollen, und das ist toll. Wir bitten Sie heute um nicht mehr, als dass Sie die Schulträger einfach mal fragen: Liebe Schulträger, wie wäre das denn mit gebundenen Angeboten oder teilgebundenen Angeboten? Wie wäre das denn, wollt ihr das? Was Sie heute wieder auf den Tisch legen, ist typisch für Schwarz-Grün. Sie wollen prüfen und erforschen und erst mal an wenigen Standorten anfangen und dann mal gucken. Das ist aus unserer Sicht absurd, weil wir ja in Schleswig-Holstein auch durchaus schon gebundene Angebote haben. An 28 Schulen in Schleswig-Holstein gibt es heute schon gebundene Angebote. Da müssen wir nichts mehr erforschen. Da können wir hinfahren und fragen, wie es läuft. Wir können die Schulträger fragen, was sie machen wollen. Dann muss mal Schluss sein mit Zeitspiel, meine Damen und Herren. Das Thema hatten wir gestern schon. Auch hier geht es wieder darum: kein Zeitspiel auf Kosten der Jüngsten! – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD)

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