Martin Habersaat
Zufällig ist diese Meinung, die Sie haben, auch noch wahnsinnig kostengünstig umzusetzen, weil man da nicht in Medienbildung vor Ort investieren muss. (Tobias Koch [CDU]: Was ist das denn für ein Niveau hier?) Damit gehen Sie in den Fachtag, das ist in Ordnung. Ich freue mich, dass wir das hier im Vorfeld herausgearbeitet haben. (Beifall SPD, FDP und SSW – Zuruf Tobias Koch [CDU]) Wenn Sie nichts dagegen haben, komme ich jetzt wieder zu den Fachanforderungen. Wir reden in diesem Hause ja vergleichsweise selten über die Inhalte von Fachanforderungen. Das finde ich grundsätzlich richtig; denn wenn wir zum Beispiel einmal in die USA schauen, sehen wir, was für Folgen es haben kann, wenn man mit politischen Mehrheiten und Überzeugungen an Inhalte herangeht: Dann landen auf einmal Bücher auf dem Index, die Konservative nicht haben mögen. Das fände ich eine falsche Richtung. (Martin Balasus [CDU]: Was ist denn jetzt hier?) Nach dieser Einleitung komme ich zum FDP-Antrag. (Zuruf Werner Kalinka [CDU]) Spaßeshalber wollte ich mal einsteigen mit den Themenfeldern in den jetzigen Fachanforderungen. Die lauten in der Sekundarstufe I heute: „Politik betrifft uns …; Jugendliche in einer sich wandelnden Gesellschaft …; Wirtschaft betrifft uns alle …; Begegnungen mit der Arbeitswelt“. In der Sekundarstufe II ist es ein bisschen umfangreicher: „Wirtschaftspolitik im Spannungsfeld zwischen Markt und Staat …; Europa in Gegenwart und Zukunft …; Internationale Friedens- und Sicherheitspolitik im 21. JahrhunDer Prozess der Globalisierung: Dimensionen und Akteure …; Medien und Politik“. Das ist relativ umfangreich, und da ist ziemlich viel möglich. Wer als WiPo-Lehrkraft Schwerpunkte setzen möchte, in welchem Bereich auch immer, findet da alle Möglichkeiten, die er braucht, um diese Schwerpunkte zu sichern. (Beifall Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wie Sie wissen, bin auch ich gelernte WiPo-Fachkraft, (Beifall Dr. Heiner Garg [FDP] und Sybilla Nitsch [SSW]) und ich war immer der Auffassung und bin es noch, dass Wirtschaft und Politik zwei Seiten derselben Medaille sind. Da hören wir häufig, neuerdings sogar in den sozialen Medien, es müsse erst in der Wirtschaft verdient werden, was die Politik ausgeben kann. Ja, das ist richtig. Aber Wirtschaft kann nur dann so richtig verdienen, wenn die Gesellschaft nachhaltig stabil ist und die nötigen Rahmenbedingungen sichert. Dann wird ein Schuh draus. Diese Zusammenhänge, diese beiden Seiten der Medaille, dieses Yin und Yang gewissermaßen, das ist die hohe Kunst des WiPo-Unterrichts, wie wir ihn haben. Daran würde ich gerne festhalten, ohne dass wir je nach parlamentarischer Mehrheit mal mehr in die eine Richtung von Soziologie und Gesellschaft und mal mehr in die andere Richtung von Wirtschaft gehen. Was mich in der Tat besorgt stimmt, ist, dass Sie dieses Fach, das ich für eines der wichtigsten halte, kürzen wollen. (Beifall SPD, FDP und SSW) Sie können jetzt noch so oft sagen, dass Sie hoffen, dass die nächste Landesregierung das wieder aufstockt. Sie beschließen zunächst eine Kürzung des WiPo-Unterrichts in Schleswig-Holstein. Das, meine Damen und Herren von CDU und Grünen, halte ich für falsch. (Martin Habersaat) (Beifall SPD, FDP und SSW) Ansonsten haben Sie an dem Yin-und-Yang-Teil meiner Rede ja den großen Wunsch nach Ausgeglichenheit wahrgenommen, (Heiterkeit) und deswegen wird es Sie nicht überraschen, dass wir uns zu diesem Antrag heute enthalten. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD – Zuruf SPD: Das war fast buddhahaft!)
