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Malte Krüger

GRÜNE 20.11.2025 Sitzungen 20/103

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Gerade ist eine Sache so ein bisschen untergegangen. Wir haben uns ja im Landtag schon dafür starkgemacht, dass wir ab dem Schuljahr 2027/2028 zwei zusätzliche Stunden WiPo in der Sekundarstufe I einführen. Aber Schwarz-Grün hat sich darauf geeinigt, dass wir sogar noch einen Schritt weitergehen. So werden wir schon ab 2026/2027, also nächstes Schuljahr, mehr WiPo-Unterricht in der Sekundarstufe I ermöglichen. Das ist ein echter Wumms für die politische Bildung in Schleswig-Holstein. Darüber sollten wir hier gerade reden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Frau Riecke, wenn wir das schon ein Jahr früher machen, dann müssen wir auch die Fachanforderungen früher überarbeiten. Das heißt, wir müssen sie an der Stelle sogar zweimal überarbeiten. (Beate Raudies [SPD]: Nein! – Lachen Beate Raudies [SPD]) – Frau Raudies, ich weiß nicht, warum Sie so geschockt sind. Wir werden sie einmal natürlich für die Ausweitung der Stunden in der Sekundarstufe I anpassen müssen. Dann hat der Kollege Balasus schon darauf hingewiesen, dass auch die KMK angekündigt hat, an der Stelle neue Vorgaben zu machen. Deswegen müssen auch da noch mal die Überarbeitungen stattfinden. Natürlich haben wir uns im Ausschuss darauf geeinigt, dass finanzielle Bildung gestärkt werden muss. Da sind wir einer Meinung. Wo wir nicht einer Meinung sind, das ist die Frage, was eigentlich mit finanzieller Bildung genau gemeint ist. Das haben wir, glaube ich, auch schon im Ausschuss gesehen. Ich widerspreche Ihnen sehr deutlich. Gerade bei der Zwischenfrage haben Sie gesagt, man sollte vielleicht nicht so viel über Lobbyismus in der Industrie im WiPo-Unterricht lernen. Ich glaube, dass das ganz zentral ist und dass WiPo als ein Fach, das Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verbindet, genau solche Themen abgreifen muss und gucken muss, wie man junge Menschen dazu bringt, kritisch zu denken. (Malte Krüger) (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Andreas Hein [CDU]) Wir sind uns völlig einig darüber, dass wir praxisnahen Unterricht brauchen. Das wünsche ich mir auch. Aber in Ihrem Antrag sind Sie da meiner Meinung nach viel zu pauschal. Ihr Antrag besteht ja insgesamt aus vier Sätzen. Von denen finde ich drei Sätze nicht gut oder sogar falsch. Einen Satz finde ich gut. Der eine Satz, den ich gerne vorlesen könnte, sagt einfach nur, dass die Fachanforderungen aus dem Jahr 2016 kommen. Da stimme ich Ihnen zu, bei allem anderen nicht. Sie zitieren die Fachanforderungen, Sie zitieren sie aber nur halb. Sie sagen nämlich, dass das übergeordnete Ziel des Faches für Schüler_innen nur „kommunikativ und partizipativ zu handeln“ ist. Das vollständige Zitat in den Fachanforderungen ist Folgendes, ich zitiere: „Das übergeordnete Ziel des Faches Wirtschaft/Politik ist die Befähigung der Schülerinnen und Schüler, in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft als“ – und das ist wichtig – „mündige Bürgerinnen und Bürger kommunikativ und partizipativ zu handeln.“ Sie haben in Ihrem Antrag einfach mal die Worte „mündige Bürgerinnen und Bürger“ ausgelassen. Das ist aber total wichtig, denn zentral für den WiPo-Unterricht ist es, die Urteilsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern zu erreichen. Das ist eine Kernaufgabe des WiPo-Unterrichts, und das können Sie nicht einfach mal so außen vor lassen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Ich widerspreche Ihnen auch: Die Fachanforderungen aus dem Jahr 2016 sind ziemlich gut, und da sind viele Wirtschaftsaspekte drin. Ich bin ja nun selbst WiPo- und Deutschlehrer. Ich habe mit meinen Schülerinnen und Schülern natürlich auch viel Wirtschaftsaspekte behandelt. Natürlich geht es gar nicht so sehr immer um das Ausspielen dieser Themenfelder, sondern WiPo in Schleswig-Holstein ist ja etwas ganz Besonderes, weil wir in dem Fach alle drei Themenfelder – Wirtschaft, Politik und Sozialwissenschaften – zusammenbringen. Das eröffnet ganz neue Kompetenzfelder. Deswegen ist dieses Fach ja auch so zentral, und das ist einer der Gründe, warum wir so oft darüber sprechen und uns so stark dafür einsetzen, dass wir das machen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Ich weiß nicht, ob Sie dazu in Ihrer Rede viel gesagt haben, Sie haben ja noch den Blickpunkt auf Verbraucherbildung gelegt. Verbraucherbildung finde ich absolut richtig. In Bezug auf Gymnasien stimme ich Ihnen zu: Da kann ich mir auch vorstellen, dass es meinetwegen noch stärker im WiPoUnterricht stattfindet, (Beate Raudies [SPD]: Was?) aber irgendwie vergessen Sie ja die Gemeinschaftsschulen an der Stelle, weil wir bei den Gemeinschaftsschulen ja schon das Fach Verbraucherbildung haben. Dazu sagen Sie gar nichts, und das finde ich sehr schade. Gerade die Gemeinschaftsschulen machen tolle Verbraucherbildung. In meinem Wahlkreis in Wilster gibt es eine Schule, die für ihre Verbraucherbildung schon des Öfteren ausgezeichnet wurde. Dass es da gar nichts gibt, stimmt an der Stelle also auch nicht. Ich komme zurück zu meiner Frage an Sie, Frau Riecke. Wir müssen natürlich immer im Blick behalten, wenn Fachanforderungen überarbeitet werden, dass diese Fachanforderungen nicht komplett überladen werden. Eigentlich gibt es ja hier im Parlament immer den Wunsch, dass es keine großen politischen Setzungen von Themen gibt. Bei WiPo diskutieren wir das ehrlicherweise richtig oft. Ich beteilige mich oft daran, weil ich Vorstellungen habe, wie diese Fachanforderungen ausschauen sollen. Aber wir müssen immer im Auge behalten, dass nicht noch mehr und noch mehr Themen da hineinkommen. Wir setzen jetzt einen Fokus mit der Einigung, dass WiPo gestärkt werden soll. Mehr Stunden helfen, mehr Themen unterzukriegen. Deswegen finde ich es richtig, dass wir bei der finanziellen Bildung vorankommen.

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