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Hauke Hansen

CDU 16.10.2025 Sitzungen 20/100

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wer erkrankt ist und sich auf eine planbare Behandlung vorbereitet, benötigt Informationen und Unterstützung. Der Klinik-Atlas sollte diese Dienste leisten und bei der Auswahl des Behandlungsortes helfen. Im Internet sollten Patientinnen und Patienten auf einen Blick erkennen können, welche Klinik bei welcher Krankheit besonders gut arbeitet. Komplexe medizinische Zusammenhänge sollten verständlich, übersichtlich und fachlich fundiert dargestellt werden. Doch genau hier liegt das Problem. Das gelingt bis heute nicht – Frau Pauls, Sie haben selbst ein Beispiel eben genannt –, da sich die Bewertung im Wesentlichen auf Kennzahlen wie die Fallzahlen und die Personalbesetzungsstärke stützt. Unterschiedliche Operationsmethoden oder Behandlungsansätze sind schlicht nicht vergleichbar. Es sind Äpfel und Birnen, die hier verglichen werden. Vor Kurzem haben wir noch über Gendermedizin, alterssensible Behandlungsformen gesprochen. Wir waren uns einig, dass Heilungschancen von individuellen Faktoren abhängen. Unterschiedliche Menschen brauchen für identische Krankheiten manchmal unterschiedliche Therapien. Doch genau diese Unterschiede werden im Klinik-Atlas nicht berücksichtigt. Dort zählt nur die Fallzahl. Bis heute ist das Ziel einer objektiven Empfehlung für alle Bereiche nicht erreicht. Das geht aus Ihrem Antrag und dem Wortbeitrag der Kollegin Pauls hervor. Bereits im Juni 2024 habe ich anhand mehrerer Beispiele für Schleswig-Holstein belegt, warum die damalige Version des Klinik-Atlas fehlerhaft und sogar lebensgefährlich war. Mit diesen Erkenntnissen war ich nicht allein. Zum Glück wurde der damalige Klinik-Atlas wenige Monate später drastisch umgestaltet. Von da an waren nur noch einige Krankheiten beziehungsweise Behandlungsformen vergleichbar. Aktuell sind es 26. Doch die überarbeitete „Light-Version“ ist nicht besser. Für Patientinnen und Patienten fehlt jegli- (Hauke Hansen) cher Hinweis auf weitere medizinische Abteilungen des Krankenhauses, die an Behandlungen beteiligt sind. Das betrifft besonders ältere Patienten und multimorbide Patienten. (Beifall CDU – Werner Kalinka [CDU]: Sehr gut!) Nur die einzelne Fachabteilung, die zum Beispiel den Eingriff vornimmt, mit ihrer Fallzahl zu betrachten, reicht für ein Gesamtbild einfach nicht aus. Patientinnen und Patienten sind aktuell besser beraten, wenn sie zum Beispiel der Empfehlung ihres Hausarztes folgen. Dieser hat aufgrund seiner Erfahrung einen sehr guten Überblick, welches Krankenhaus für welche Behandlung eines Patienten oder einer Patientin geeignet ist. So kann es auch nicht verwundern, dass die Zugriffszahlen auf den Bundes-Klinik-Atlas mit gerade einmal 200.000 Aufrufen pro Jahr unterdurchschnittlich sind. Zum Vergleich: Das eben schon genannte Onlineverzeichnis der Deutschen Krankenhausgesellschaft, welches lange vor dem Klinik-Atlas eingeführt wurde und deutlich breiter aufgestellt ist, verzeichnet etwa dreimal so viele Aufrufe, und das bei einem Zehntel der Betriebskosten. Ich habe erst letzten Freitag mit dem eben schon angesprochenen Gerald Gaß, dem Vorsitzenden der DKG, gesprochen. Dass er eine Abkehr vom Klinik-Atlas befürwortet, dürfte niemanden überraschen, aber dass auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz sehr ausführlich erläutert, dass der Bundes-Klinik-Atlas nach eineinhalb Jahren im Betrieb nicht an die Qualität des Krankenhausverzeichnisses herankommt, kann man aus meiner Perspektive hier nicht ignorieren. Meine Damen und Herren, die Suche nach der besten Behandlung über ein Krankenhausportal ist eine ernste Sache, gerade wenn es mit einem staatlichen Label gekennzeichnet ist. Ich bin daher sehr froh, dass wir mit dem Krankenhausverzeichnis der DKG ein umfassendes Portal haben, das verlässliche Angaben vorhält. Dort ist es eben nicht so, dass sich die Kliniken aussuchen können, was sie melden, das wird qualitätsgesichert. Ebenso froh bin ich über die Ankündigung der Bundesgesundheitsministerin, den Klinik-Atlas aus der letzten Legislaturperiode nicht mehr weiterzuführen. (Vereinzelter Beifall CDU) Er ist Stückwerk, unzureichend und bietet nicht im Ansatz das, was das Klinikverzeichnis der DKG bietet. Bei der aktuellen Lage im Gesundheitswesen können wir uns solche Fehlentwicklungen nicht leisten. Wir haben auch keine Zeit für langwierige Reparaturprozesse. Wir lehnen daher den Antrag auf Fortsetzung und Weiterentwicklung des Klinik-Atlas ab. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)

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