Jette Waldinger-Thiering
Vielen Dank. – Es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Insofern erteile ich nun für die Landesregierung Landwirtschaftsminister Werner Schwarz das Wort. Werner Schwarz, Minister für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Proteine sind für Menschen und Tier von wesentlicher Bedeutung und ein unverzichtbarer Bestandteil in der täglichen Ernährung. Zudem vereint kaum eine pflanzenbauliche Maßnahme so viele Vorteile wie die Etablierung von proteinreichen Leguminosen. Durch die Symbiose mit Bodenbakterien – der Abgeordnete Kock-Rohwer hat das ausreichend erklärt; deshalb habe ich auch einige Sätze gekürzt, weil es dann Wiederholungen werden – nutzen diese Pflanzen atmosphärischen Stickstoff für das eigene Wachstum, hinterlassen aber auch Stickstoff im Boden für Folgekulturen. Damit mindern sie den Bedarf an mineralischen Düngemitteln und die Entstehung von Lachgas- und Ammoniak-Emissionen. Zugleich reduzieren sie bei richtiger ackerbaulicher Nutzung das Risiko von unerwünschten Stickstoffverlusten im Boden. Die Erweiterung der Fruchtfolge durch Leguminosen leistet einen Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz. Auch Insekten freuen sich über blühende Ackerbohnen oder Klee gerade nach dem Abblühen der Rapsbestände. Gleichzeitig stellt die Diversifizierung von Fruchtfolgen eine wichtige Klimaanpassungsmaßnahme im Ackerbau dar. Meine Damen und Herren, trotz der Vorteile, die der Anbau von Leguminosen bietet, werden nur auf knapp fünf Prozent des Ackerlandes in SchleswigHolstein Leguminosen angebaut. Dies hat vor allem betriebswirtschaftliche Gründe, denn insbesondere Ackerbaubetrieben fehlt es an Verwertungsmöglichkeiten und lukrativen Vermarktungen für Kleegras, Ackerbohne, Lupine und Erbse. Die Absatz- und Vermarktungsstrukturen sind nur eingeschränkt gegeben – trotz des hohen Bedarfs an Eiweiß. Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie uns die heimische Produktion an dieser Stelle gemeinsam voranbringen. Neben der Förderung des Le- (Minister Werner Schwarz) guminosenanbaus mit praxisnahen und attraktiven Programmen gilt es, die Stärkung von Verwertungsoptionen und Wertschöpfungsketten zu betrachten. Durch technische Verfahren können hochwertige Proteinprodukte gewonnen werden, die neben der Rinderfütterung auch in der Fütterung von Monogastrierern eingesetzt werden und zukünftig eine Rolle in der Humanernährung spielen können. Entsprechende Forschungsvorhaben und Projekte laufen bundesweit. Anstelle der Entwicklung einer eigenen Eiweißstrategie neben der bereits bestehenden Strategie des Bundes – sie wurde mehrfach erwähnt – halte ich die Umsetzung von konkreten Maßnahmen für richtig und wichtig. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und Anne Riecke [FDP]) Zur Stärkung der Unabhängigkeit von Eiweißimporten und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Eiweißpflanzen gilt es, bestehende Maßnahmen spezifisch für die Landesebene systematisch zu bündeln und gute Ansätze weiterzuentwickeln. Schleswig-Holstein wird hier tätig. Im Klimaschutzprogramm 2030 haben wir als Landesregierung beschlossen, Anreize für die Anbaudiversifizierung und die Etablierung von Leguminosen auf den Weg zu bringen. Eine entsprechende Förderung unterstützt auch die Anstrengungen der Landesregierung im Bereich des Ostseeschutzes und der Biodiversitätsstrategie. Das Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft strebt an, ein Modell- und Demonstrationsvorhaben für alternative Verwertungsoptionen von Leguminosen/Gras-Gemengen zu etablieren, um Proteine für eine andere Nutzung als über die Wiederkäuer zu entwickeln. Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie uns die Eiweißproduktion in Schleswig-Holstein stärken und damit die landwirtschaftliche Produktion in Schleswig-Holstein ökonomisch resilienter und unabhängiger und obendrauf auch noch ökologischer agieren zu lassen. Ich bitte Sie daher, die nötigen Haushaltsmittel auch für die kommenden Jahre bereitzustellen und das Kompetenzzentrum weiter zu stärken, damit solche Vorhaben unterstützt werden können. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Beate Raudies [SPD] – Minister Werner Schwarz: Sehr gut!)
