Claus Ruhe Madsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Eine Umfrage meines Ministeriums hat ergeben: 76 Prozent der Betriebe sagen Ja zu grauem Gold – in der Theorie. Gleichzeitig sind viele Ältere bereit, länger zu arbeiten – und zwar wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu zählen flexible Arbeitszeiten, faire Bezahlung und ein wertschätzender Umgang und Weiterbildung! Oft ist das Vorurteil, dass ältere Beschäftigte keine Ahnung von aktueller Technik haben und nicht mehr so leistungsfähig sind wie Jüngere. Natürlich ist die Muskelkraft eines 65-Jährigen nicht mit der eines 25-Jährigen zu vergleichen, und die Digitalisierung ist für viele eine große Hürde. Aber: Sie punkten eindeutig durch Erfahrung, durch soziale Kompetenz, durch Loyalität. Mögliche Wissenslücken kann man wunderbar mit Weiterbildung auffangen. (Minister Claus Ruhe Madsen) Warum ist das so wichtig? Das zeigt eine weitere Zahl: 65 Prozent der Unternehmen in SchleswigHolstein sehen den Fachkräftemangel als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Wir müssen also alle Hebel in Bewegung setzen, um Fachkräfte zu finden und zu halten. Ein wesentlicher Baustein ist dabei die Weiterbildung – nicht nur von grauem Gold, sondern von allen Bürgerinnen und Bürgern im Land. Lebenslanges Lernen muss das Motto sein. Mit unserer Weiterbildungsstrategie legen wir den Grundstein für die kommenden Jahre. Sie ist entstanden in enger Zusammenarbeit mit 25 Institutionen – Gewerkschaften, Kammern, weiteren Ministerien. Herausgekommen sind 49 Einzelpunkte, die wir ab jetzt angehen werden und die helfen werden, Weiterbildung zum festen Bestandteil eines jeden Lebenswegs zu machen. Wir fangen dabei natürlich nicht bei null an. Wir haben schon viele erfolgreiche Projekte und Angebote. Ein großes Ziel wird sein, all das sichtbarer zu machen. Denn häufig wissen Beschäftigte gar nicht, dass sie mit dem Weiterbildungsbonus finanzielle Unterstützung bekommen können oder im Kursportal nach passenden Weiterbildungskursen suchen können – oder auf der nationalen Onlineplattform für berufliche Weiterbildung „mein NOW“, die wir gemeinsam mit dem Bund aufgebaut haben. Wir werden auch unsere Förderpraxis prüfen. Wir werden die Zusammenarbeit zwischen Bildungsträgern, Betrieben, Kammern, Innungen sowie beruflichen Schulen stärken, um so ein größeres Angebot an beruflichen Anpassungsqualifizierungen zu schaffen. Wir werden das Weiterbildungsgesetz reformieren vor allem im Hinblick auf Fördermöglichkeiten. All das gehen wir in den kommenden Monaten und Jahren an. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die an der Erarbeitung der Strategie mitgewirkt haben. Bei der Weiterbildung gilt wie in vielen anderen Bereichen auch: Nur gemeinsam können wir einen echten Unterschied machen. Vielen Dank für die Ideen und die fachliche Expertise. Es war uns wichtig, eine Strategie mit den Akteuren zu machen und nicht über deren Köpfe hinweg. Ich denke, das ist uns gelungen. Auch bei der Umsetzung werden wir eng zusammenarbeiten, denn am Ende kann die Politik Rahmenbedingungen schaffen, Förderrichtlinien erarbeiten und Angebote auf den Weg bringen. Eine Weiterbildungskultur zu etablieren geht aber nur im Schulterschluss mit Arbeitgebern, Beschäftigten und allen weiteren Akteuren. Daher möchte ich noch einen Appell loswerden: Weiterbildung ist kein Nice-to-have, für das man eigentlich nie Zeit hat. Weiterbildung ist auch nichts, worum Beschäftigte betteln müssen. Liebe Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber: Weiterbildung ist ein entscheidender Baustein, um dem steigenden Fachkräftebedarf zu begegnen. Das graue Gold ist eine dieser Chancen. Aber hier gilt wie für jeden Beschäftigten: Weiterbildung fängt an, sobald die Ausbildung oder das Studium abgeschlossen ist. Dann sind auch die Älteren noch immer auf dem neuesten Stand und sind eine noch größere Bereicherung, als sie es ohnehin schon sind. Das gilt auch für alle anderen Beschäftigten. Die Weiterbildungsstrategie ist die Grundlage, die eigentliche Arbeit folgt jetzt. Lassen Sie uns gemeinsam daran abrieten, dass lebenslanges Lernen der Standard ist und unsere Reaktion auf neue Aufgaben und Entwicklungen ist: Lass uns mal nach einer passenden Weiterbildung suchen. Schau doch mal im Kursportal oder in „mein NOW“. – Vielen Dank.
