Dr. Kai Dolgner
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor man solche Anträge schreibt, sollte man sich zumindest mit den Fehlermeldungen beschäftigen. Die haben übrigens nicht alle die gleiche Ursache. Wenn ich eine Softwareumstellung mache, dann gibt es Umstellungsfehler wie bei der Übertragung der Postfächer auf Open-Xchange. Kann daran ein Mitarbeiter etwas machen? – Nein. Hätte eine Fortbildung was genutzt? – Nein. Kann man das einräumen, gleich? – Ja. Dann gibt es das Thema – zum Beispiel von der Steuergewerkschaft – fehlende Funktionen. OpenXchange hat nach Auskunft der Steuergewerkschaft bei Terminraumbuchungen und so weiter nicht die gleichen Funktionen wie das Microsoft-Produkt und MS OneNote auch nicht. Das muss aufgeklärt werden. Gibt es diese Funktion nicht – das kommt vor bei Open-Source-Programmen –, oder sind die Mitarbeiter nicht geschult worden, diese Funktion anders zu nutzen? Auch dann geht es nicht, dass man „RTFM“ sagt – Sie können selber nachgucken, was das heißt –, sondern dann müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend vorher geschult werden. So macht man Umstellungsprozesse. Ich war vor 30 Jahren in der ersten IT-Umstellungskommission. Diese ganzen Debatten ähneln sich. Linux gibt es auch schon ein bisschen länger. (Zuruf CDU: Der Pinguin!) Aber schon damals gab es die Ungeduld derjenigen, die technikaffin sind, die das für sich selber erkunden und denen das auch Spaß macht, aber die sich nicht einfühlen können in andere Menschen, die den ganzen Tag andere Dinge zu tun haben, die Dinge sicherzustellen haben – wie zum Beispiel auch damals bei uns im Jugendamt –, die auch gar nicht die Zeit haben, sich stundenlang mit den neuen Funktionen zu beschäftigen, wenn die alten Funktionen doch funktioniert haben. Da komme ich zu dem, was Herr Stender gesagt hat: Das ist eine Frage des Führungsstils. Sie sollten das Thema Pfadabhängigkeit bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht unterschätzen, sonst wird auch diese Reform hier gegen die Wand gefahren werden – wie so viele Reformen, wie das Linux-Projekt in München auch. Wer von Ihnen hat eine Dvorak-Tastatur? (Zuruf: Eine was?) – Eine Dvorak-Tastatur. – Keiner. Warum? – Die Dvorak-Tastatur ist besser, damit können Sie schneller tippen, damit kriegen Sie weniger Sehnenscheidenentzündung. Sie benutzen QWERTZ. Warum benutzen Sie QWERTZ? – Weil man, als die mechanischen Schreibmaschinen eingeführt worden sind, dafür gesorgt hat, dass die Typenhebel sich nicht miteinander verhaken. Sie haben aber alle auf QWERTZ gelernt – mal mehr, mal weniger –, und deshalb nutzen Sie weiter QWERTZ. Und wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 30 Jahre lang Microsoft-Produkte genutzt haben, dann müssen Sie in Ihrer Strategie mit einplanen, dass das eine ganz lange Umstellung ist, was zum Beispiel bei der Tastatur nie geklappt hat. Und das Thema Pfadabhängigkeit gibt es zigfach. Wer Pfa- (Dr. Kai Dolgner) dabhängigkeit damit verwechselt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas nicht wollen – (Vereinzelte Heiterkeit CDU) – Sie können ruhig darüber lachen, das ist Ihre Verantwortung, ich werde Sie in einem Jahr daran erinnern, ich habe ein ganz gutes Gedächtnis –, der wird solche Prozesse an die Wand fahren, weil er diejenigen, die man bei der Reform mitnehmen muss, die man überzeugen muss, die Lasten auf sich zu nehmen und zeitliche Ressourcen reinzugeben, vor den Kopf stößt. Das hat der Minister getan, und das tun Sie auch in Ihrem Antrag.
