landtag.ltsh.de ↗

Sandra Redmann

SPD 25.07.2025 Sitzungen 20/95

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt Momente, die alles verändern. Am 26. April 1986 regnete es stark. Ich erinnere mich noch, als wenn es gestern wäre. Dann kam die Nachricht: Nuklearkatastrophe in Tschernobyl. Plötzlich war das Unvorstellbare Teil unseres Alltags, und für viele veränderte sich die Haltung zur Kernenergie grundlegend. Es wurde deutlich: Wenn eine Krise da ist, ist nichts mehr wie vorher. Der Klimawandel kam nicht plötzlich, sondern schleichend und mit Ansage. und doch trifft er uns hart, auch hier in Schleswig-Holstein. Die Dürre im Frühjahr 2025 war ein Vorgeschmack auf das, was kommt, wenn wir weiter reden statt zu handeln. Seit Jahren wissen wir: Unsere Natur muss widerstandsfähiger werden, die Landwirtschaft muss sich anpassen. Hitze und Dürre sind keine Ausnahmen mehr, sie sind Realität. Und was ist passiert? – Strategien, Programme, Runde Tische, aber zu wenig Konkretes. Vor zwei Jahren brachte meine Kollegin Birte Pauls einen Hitzeplan ein. Damals wurde das belächelt, 7150 Schleswig-Holsteinischer (Sandra Redmann) heute wird das Thema ernster genommen, aber noch immer nicht entschlossen genug angepackt. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Wir bringen heute nun einen Aktionsplan ein – keine Prüfaufträge bis 2030, sondern konkrete, umsetzbare Maßnahmen. Nicht vollständig, daher offen für weitere Beratungen im Ausschuss. Wir setzen den Schwerpunkt auf Naturschutz und Landwirtschaft, denn genau da sind die Folgen spürbar, und genau dort liegen die zentralen Hebel für wirksamen Klimaschutz. Genau da liegt auch das Problem. In den letzten Wochen haben wir das Gegenteil von Zusammenarbeit erlebt. Das Umweltministerium zieht in die eine Richtung, das Landwirtschaftsministerium in die andere. Auf unsere Frage, welche Linie die Landesregierung vertritt, heißt es lapidar – Sie können Sie in zwei kleinen Anfragen nachlesen –, es gebe nun einmal zwei Ressorts. Ein Beispiel ist die Wiederherstellungsverordnung der EU. Ein Minister fordert per Brief nach Brüssel, sie zügig umzusetzen. Sein Kollege aus dem gleichen Kabinett fordert im eigenen Schreiben deren Abschaffung. Ich freue mich wirklich über ihre vielen Brieffreundschaften, aber Brieftauben ersetzen keinen Kabinettstisch, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW] – Zuruf Cornelia Schmachtenberg [CDU]) Die Spitze ist, dass die Abschaffung der Verordnung mit den zunehmenden Dürreperioden in Europa begründet wird. Das ist, als würde man der Feuerwehr sagen, sie solle nicht so viel Wasser benutzen. Wir brauchen kein Ressort-Hickhack, sondern ein gemeinsames Ziel: Schleswig-Holstein gegen die Klimakrise widerstandsfähig machen, und zwar in der Realität und nicht auf dem Papier. Auch ihr Alternativantrag hilft da nur bedingt weiter. Er listet einfach nur auf, was bereits passiert ist sowie lobt, begrüßt und bekräftigt – das genau zehnmal. (Zuruf Cornelia Schmachtenberg [CDU]) Das ist nett, aber kein Alternativplan, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Es kann möglicherweise helfen, einen Überblick zu erhalten, was es schon gibt oder in naher Zukunft geben wird. Dieses Papier kann daher eine Ergänzung zu unserem vorgeschlagen Landesaktionsplan sein, aber eine Alternative ist er, wie gesagt, nicht. Wir schlagen stattdessen konkret unter anderem vor: mehr Moore wiedervernässen, schneller und auf mehr Fläche. (Zuruf Cornelia Schmachtenberg [CDU]) – Natürlich geht das. Dafür braucht es ein Vorkaufsrecht. Dass die CDU damit ein Problem hat, überrascht wenig, aber wer Flächen versiegeln will, sollte bei Renaturierung nicht auf die Bremse treten. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Entsiegelung ernst nehmen, nicht nur planen, sondern umsetzen. Schottergärten sind bei uns in Schleswig-Holstein verboten, aber niemand kontrolliert es. Warum nicht? – Weil die Naturschutzbehörden unterbesetzt sind. Städte konsequent begrünen, damit sie in Hitzewellen lebenswert bleiben. Wir haben noch lange nicht flächendeckend Hitzepläne in den Kommunen. Da bedarf es mehr Unterstützung, und dazu fordern die Kommunen auf. Vor allem aber brauchen wir eine Landwirtschaftspolitik mit Zukunft, die Natur nicht als Gegner, sondern als Partner begreift. Nur gemeinsam funktioniert das. Schleswig-Holstein kann hier Vorreiter sein. Wir haben starke Projekte, wie das Klimakompetenzzentrum oder die Klimafarm, im Übrigen bundesweit anerkannt. In dem Antrag von SchwarzGrün sucht man sie vergeblich. Ihre Diskussionsabende und Talkshows in allen Ehren, Herr Minister Schwarz, aber darum geht es jetzt nicht. Die Verhinderungsagrarlobby in der EU spricht vielleicht für Großbetriebe, aber sicher nicht für die Landwirtinnen und Landwirte bei uns im Land. Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam, das ist unsere stärkste Waffe gegen den Klimawandel. Wir könnten längst weiter sein, wenn wir aufhören würden, auf Zeit zu spielen. Schleswig-Holstein hat wirklich das Potenzial, Vorbild für ganz Deutschland zu sein, mit engagierten Menschen, großartigen Expert_innen und innovativen Ideen. Wir müssen sie nur endlich nutzen! (Sandra Redmann) Wir beantragen Ausschussüberweisung, wir wollen mit Ihnen ins Reden kommen – aber nur kurz, denn wir wollen lieber handeln. – Danke schön. (Beifall SPD und SSW)

Alle Reden von Sandra Redmann Protokoll ↗