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Peer Knöfler

CDU 23.07.2025 Sitzungen 20/93

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wir haben eben so ein bisschen rumgefrotzelt. Eigentlich könnte ich mit einem Biene-Maja-Song beginnen. Wir haben eben schon geübt. Wir leben in einem wunderschönen Land zwischen den Meeren. Millionen Menschen kommen jedes Jahr hierher, um genau das zu erleben: Erholung an unseren Stränden, Natur pur, gutes Essen, Gastfreundschaft, einfach durchatmen. Aber was ist mit den Menschen, für die der Weg an den Strand zu schmal, die Dusche im Hotel zu eng oder die Speisekarte unlesbar ist, für die ein Tagesausflug mit dem ÖPNV zur Herausforderung wird, weil Informationen fehlen, Hilfsmittel nicht bereitstehen oder schlicht Barrieren im Weg sind? Wir reden oft über Teilhabe, aber was bedeutet das konkret? – Barrierefreiheit im Tourismus bedeutet: Jeder Mensch kann Urlaub machen, und das ohne lange Recherche, ohne peinliche Nachfragen, ohne Angst, dass es vor Ort doch nicht klappt. Und ja, es geht nicht nur um Rollstühle, es geht auch um Familien mit Kinderwagen, um Ältere, um Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen, mit chronischen Erkrankungen und um vieles, vieles mehr. Genau deshalb bringen wir heute diesen Antrag ein: weil Inklusion nicht am Strandkorb enden darf. In Schleswig-Holstein haben wir in den vergangenen Jahren viel erreicht. Wir reden über nachhaltige Mobilität, über Qualität in der Infrastruktur, digitale Buchbarkeit. Aber eine konsequent mitgedachte Barrierefreiheit gehört bisher noch nicht zu den zentral umgesetzten Bausteinen unserer Tourismusstrategie. Das ändern wir jetzt. (Beifall Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Mit unserem Antrag setzen wir uns dafür ein, dass barrierefreier Tourismus in Schleswig-Holstein kein Sonderthema bleibt, (Beifall CDU) sondern als Selbstverständlichkeit gedacht und umgesetzt wird. Deshalb bitten wir die Landesregierung – jetzt kommt wieder das Spezialwort –, zu prüfen – aber das ist auch genau richtig an der Stelle, es folgt gleich, warum –, wie Schleswig-Holstein den Anschluss an bestehende Standards verbessern kann, etwa durch einen Wiedereinstieg in das Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“ oder durch andere verlässliche Informationswege, die Gästen echte Orientierung bieten. Kurz zu dem Thema „Reisen für Alle“. Wir hatten das Ganze gestern Abend schon mal in einer Runde. In 2021 ist man aus dem System ausgestiegen. Zu der Zeit – kann man sagen – eventuell zu Recht, weil es einfach zu wenig Zertifizierungen gab, nämlich fünf an der Zahl, wobei drei die Radwanderwege betraf. 2021 war im Übrigen auch vor der letzten Wahl. Außerdem soll die wirtschaftliche Bedeutung barrierefreier Angebote systematisch untersucht werden, und zwar mit einem breiten Verständnis von Barrierefreiheit, das nicht nur bauliche Aspekte, sondern auch demografische Entwicklung mitdenkt. Besonders wichtig ist, dass gute Beispiele, die es im Land bereits gibt, stärker in den Fokus rücken. Es sind oft engagierte kleine Betriebe, die mit kreativen Ideen zeigen, wie Inklusion im Tourismus gelingen kann. Da fällt mir unter anderem die SeeLoge in Eutin ein. Diese Vorbilder gilt es, sichtbar zu machen, und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern als Einladung zur Nachahmung. Schließlich soll die Landesregierung Möglichkeiten prüfen, wie touristische Anbieter besser unterstützt werden können, etwa durch konkrete Handlungsempfehlungen, durch Beratung oder durch Impulse für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in der Branche selbst. Ziel für diesen Wiedereinstieg muss es sein, dass es zu mehr Zertifizierungen kommt; denn Barrierefreiheit ist kein Luxus, sie ist ein Qualitätsmerkmal. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie ist für ein Land gerade wie Schleswig-Holstein ein Standortvorteil, weil wir eben von dem Tourismus so stark leben. Ja, das kostet Geld. Aber, können wir uns das leisten? – Das ist die falsche Frage. Wir müssen uns das leisten. Ich bin überzeugt, wer heute barrierefrei investiert, gewinnt morgen mehr 6970 Schleswig-Holsteinischer (Peer Knöfler) Gäste, mehr Sichtbarkeit und vor allem mehr Gerechtigkeit. (Annabell Krämer [FDP]: Dann mach was!) – Sie haben ja gleich die Möglichkeit, auszuführen. Bis dahin würde ich das gerne tun. Barrierefreiheit und Inklusion, auch im Tourismus, sind kein Sonderweg, sie sind der richtige Weg für uns alle. Für die Mitglieder der Opposition gleich vorweg: Ich habe nicht gesagt, dass die Landesregierung allein für diese Leistungen im Sinne von „Wir müssen uns das leisten“ verantwortlich ist. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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