Beate Raudies
Ja, tut mir leid, liebe Kolleginnen und Kollegen. – Frau Präsidentin! Vielleicht bin ich bei dem Thema persönlich zu betroffen. Aber ein Teil der Debatten, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist mir hier zu akademisch. Als mein Sohn vier Jahre alt war, wurde bei ihm eine Hörbehinderung diagnostiziert. Das ist ein Schock. Da kriegt man Angst. Da macht man sich Sorgen als Mutter, als Vater. Das Einzige, worum ich mir keine Sorgen machen musste, war, dass das in der Kita keine Probleme machte. Er war nämlich in einer inklusiven Lebenshilfe-Kita. Ein Gespräch mit der Leitung, ein Gespräch mit der Gruppe, das Thema war gelöst. Das Kind war in der Kita wunderbar untergebracht und hat seine Kitazeit behütet und gut überstanden und den Übergang in die Schule gut geschafft, gleichzeitig auch den Übergang in das Fördersystem, das dann vorgesehen ist. Diese Erfahrung, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich allen Eltern. (Beifall ganzes Haus) Für mich und meinen Mann war das damals ein totaler Glücksfall, weil wir dieses System schon toll fanden, dass wir ihn in einer inklusiven Kita angemeldet hatten, und dass uns diese Sorge genommen war. Die Chance geben wir vielen Eltern in diesem Lande mit dem System, wie wir es jetzt aufsetzen, gerade nicht. Ja, wir haben zu wenig Fachkräfte, aber wir sehen, welchen Riesenbedarf wir haben. Wenn die Hälfte aller Kitas die Beratung dieser Teams in Anspruch nimmt, denn ich erinnere mich noch gut, liebe Kollegin von Kalben, dass, als wir über das Kitagesetz debattiert haben, noch infrage gestellt wurde, ob wir überhaupt einen so großen Bedarf haben. (Beate Raudies) Letztendlich müssen wir wirklich wieder dahin, dass in jeder Kita ein solches Elternangebot besteht, denn die Eltern von Kindern mit einer Einschränkung brauchen Unterstützung und Hilfe, aber weder einen Parcours noch einen Hindernislauf durch Unterstützungsangebote, um die Finanzierung sicherzustellen. Letztendlich leiden darunter nämlich auch die Kinder. Wenn es für die Eltern einfacher ist, ist das für alle gut. Liebe Kollegin von Kalben, das ist schön, dass das in Flensburg so funktioniert, aber in Wedel schließen diese inklusiven Kitas jetzt. Ich habe mich selbst damals beim Sozialministerium – Heiner Garg ist nicht mehr da – dafür eingesetzt, dass die Lebenshilfe-Kita in Wedel in dieses inklusive Programm geht. In Wedel haben die das bei der AWO schon jahrzehntelang gemacht. Um das, was da an Erfahrung verloren geht, was da an Strukturen verloren geht, mit diesen inklusiven Teams wieder aufzubauen, müssen wir lange arbeiten. Wenn das im Sozialausschuss ein bisschen mehr in den Blick gerät, wäre ich schon dankbar. Ich wünsche Ihnen allen ebenfalls ein schönes Wochenende. (Beifall SPD)
