Eka von Kalben
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank für den Bericht, Herr Minister. Ich bin wirklich froh, dass wir an dieser Stelle, nachdem (Eka von Kalben) wir vor der Mittagspause schon über die Situation von Kindern in Schleswig-Holstein gesprochen haben, wirklich einmal ganz konkret die Kinder mit Behinderungen, mit besonderen Einschränkungen in den Blick nehmen. Dafür danke ich den Antragstellern. Ich weiß es gar nicht, aber ich glaube, der Berichtsantrag kam von der SPD. – Vielen Dank dafür. Kinder mit Behinderungen – es ist schon gesagt worden – haben genauso wie alle anderen Kinder einen Rechtsanspruch auf einem Kitaplatz, und zwar nicht nur nach dem Kitagesetz, sondern auch nach der UN-Behindertenrechtskonvention, weil sie Recht auf Teilhabe haben. Eltern von Kindern mit Behinderungen haben auch ein Recht auf Kinderbetreuung und diese ehrlich gesagt oftmals sogar besonders nötig, weil sie eben vor besonders schwierigen Herausforderungen im Alltag stehen. Ich glaube, das ist unstrittig. Die Kompetenzzentren, Kompetenzteams Inklusion, unterstützen die Kitas und Kindertagespflegepersonen bei dieser Aufgabe. Ich muss sagen, ich war wirklich dankbar für diesen Bericht, weil ich mir, nachdem ich auch in den letzten Wochen und Monaten einige inklusive Kitas angeguckt und auch Gespräche zu dem Thema geführt und dabei Sorge hatte, dass die Wirkung kleiner ist, als sie tatsächlich ist. Denn das, was dort dargestellt ist, 812 Kitas, das ist fast jede zweite Einrichtung im Land, die die Beratung dieser Inklusionsteams annimmt. 365 Kindertagespflegestellen: Ich glaube, an der Stelle gibt es noch ein bisschen Luft nach oben. Aber was macht die Kompetenzteams Inklusion so besonders? – Sie bieten niedrigschwellige, kostenfreie und vor allem praxisnahe Unterstützung. Sie sind multiprofessionell besetzt, und diese Vielfalt an Kompetenzen ist ein großer Erfolg. Die Rückmeldungen aus der Praxis sind also gut. Knapp 90 Prozent der befragten Einrichtungen kennen das Angebot, und fast zwei Drittel haben es genutzt. Als Land nehmen wir dafür Geld in die Hand, das wurde auch genannt: Rund 10 Millionen Euro, das ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft. Doch ich möchte auch ehrlich sein. Wir stehen noch nicht am Ziel. In sechs Kompetenzteams sind noch Stellen unbesetzt. Bei allem Positiven lösen die Teams natürlich nicht über Nacht die Herausforderungen der Inklusion. (Beifall Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sie haben es beschrieben: Erzieherinnen und Erzieher stehen zum Teil schon aufgrund der sowieso schon angespannten Situation in den Kitas vor großen Herausforderungen und natürlich, wenn ein Kind mit – ich fand Ihr Bild mit dem Rucksack sehr schön, Frau Schiebe – einem Rucksack kommt, dann ist es eben noch schwieriger, diesem Kind zu helfen. Sie können also beraten und unterstützen, aber keine dauerhafte Alltagshilfe leisten. Sie sind ein wichtiger, aber nicht der einzige Baustein eines inklusiven Systems, und sie lösen auch noch nicht das Problem, dass es eben nicht ausreichend Plätze gibt und gerade Eltern mit Kindern mit Behinderungen wegen fehlender Assistenz oft keinen Platz finden. Ich habe vor – ich weiß nicht – drei Jahren oder so eine inklusive Kita in Flensburg besucht. Das war in einem Altbau, und ich habe gedacht: Wie kann das hier gehen? Da gab es keine Fahrstühle und nichts. Da haben die mir erklärt: Wir brauchen keine Rampen! Es ist oft eine Frage von ausreichend Personal – natürlich; Flensburg hatte ja immer schon ein bisschen mehr Personal in den Kitas als andere – und von der Haltung und von der Entscheidung. Sie haben gesagt: Wir haben auch ein Kind, was nicht laufen kann, das krabbelt die Treppe hoch, und ihm wird dabei geholfen. Wir finden Wege, und wir können diese Hürden sozusagen überwinden, wenn wir es gemeinsam wollen und – ja – wenn es genug Personal gibt. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern das müssen wir einfach zur Kenntnis nehmen, ein Fakt, dass wir nicht genug Menschen haben. Da müssen wir weiter ran. Mir wäre es an der Stelle sehr wichtig, dass wir in der SPA‑ und in der Erzieher_innen-Ausbildung eben auch noch stärker auf das Thema Inklusion setzen. Das ist mir berichtet worden. Da gibt es noch eine Lücke, dafür wird noch nicht genügend Zeit eingesetzt. Wir werden es nicht schaffen, dass in jeder Kita eine volle Heilpädagogin ist. So viele Heilpädagoginnen – auch wenn wir die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht haben –, haben wir zurzeit nicht. Und deswegen: Ja, multiprofessionelle Teams sind super, die möchte ich auch! Ich möchte sie in Gesundheitspraxen haben, ich möchte sie im Ganztag in der Schule haben, und ich möchte sie in Kitas haben. Aber wenn wir ehrlich sind, dann haben wir 6916 Schleswig-Holsteinischer (Eka von Kalben) jetzt schon einen extremen Erzieher_innenmangel, und deswegen müssen wir gucken: Wie kriegen wir es mit den Menschen hin, die da sind. Da schließt sich für mich insofern der Kreis, dass ich glaube, dass die Inklusionsteams ein sehr guter Beitrag sein können, denjenigen, die vor Ort die Arbeit am Kind machen, Unterstützung zu geben, Hilfsangebote zu geben und ihnen dabei zu helfen, die Hemmschwellen zu überwinden. Insofern: Vielen Dank an alle, die an dem Bericht mitgearbeitet haben, vor allen Dingen vielen Dank an all die vielen Menschen, die unseren Kindern frühkindliche Bildung geben, in Kitas und bei der Kindertagespflege. – Danke schön. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und vereinzelt CDU)
