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Eka von Kalben

GRÜNE 20.06.2025 Sitzungen 20/92

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer kennt das nicht? Der nervige Kampf um einen Termin in einer Arztpraxis, das Warten in der Hotline mit irgendeinem nervigen Jingle oder dass man auf eine Warteliste gesetzt wird. Ich kenne das. Für viele Menschen, insbesondere für diejenigen, die nicht privat versichert sind, ist dieses Warten oft mit großen Problemen behaftet: Schmerzen, Ängste, Arbeitsunfähigkeit. Die Idee, die Versorgung stärker über die Hausärzte laufen zu lassen, findet viel Zustimmung, auch bei dem Vorsitzenden des Hausärzteverbandes in Schleswig-Holstein, zumal, ehrlich gesagt, viele Hausärzte diese koordinierende, steuernde Rolle jetzt schon einnehmen, aber nicht vergütet bekommen. Der Blick in den skandinavischen Raum ist wie so oft für uns natürlich interessant. Wir begrüßen es auch, wenn die knappen Ressourcen, die wir bei manchen Facharztrichtungen ha- (Eka von Kalben) ben, denen zuerst zugutekommen, die es wirklich dringend brauchen, aber nicht denen, die am meisten Geld in der Tasche haben. Das ist eine hochgradig soziale Frage. Eine koordinierende Steuerung bei der Hausärztin kann den Patienten so manchen Weg durch die ärztlichen Mühlen ersparen. Das spart Geld und bedeutet vor allem eine Entlastung für die Patienten. Sie werden es ahnen: Es gibt natürlich auch ein Aber. Herr Garg hat es vorhin schon benannt. Zuallererst gibt es in vielen Regionen jetzt schon ein Problem mit hausärztlichen Praxen. Das heißt, wenn sie diese Koordinierung übernehmen, dann muss ich als Patientin unter Umständen erst einmal versuchen, dort einen Termin zu bekommen, um dann einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Diese Kapazitäten sind begrenzt, das ist das Schwierige. Zweitens. Wir haben die Idee der multiprofessionellen Teams. Die finde ich sehr gut. Das könnte ein Lösungsweg sein. Aber auch dieses medizinische Assistenzpersonal ist zurzeit extrem knapp. Dieses Problem muss durch eine gute Aus- und Fortbildung gelöst werden. Da werden wir uns als Land den Fragen stellen müssen: Wo kommen denn überhaupt diese Pflegekräfte, diese Community Nurses her? Wer bildet sie aus? Wie werden sie angestellt? Drittens. Das führt dazu, dass das finanzielle Budget für solche Hausarztpraxen anders aufgestellt sein muss, weil die Menschen gut bezahlt werden müssen, um sie in ihrem Team zu haben und zu halten. Das alles sind Voraussetzungen, von denen ich noch nicht weiß, ob sie wirklich umgesetzt werden können. Ich möchte das gar nicht schlechtreden, weil ich mich darauf freue, wenn diese Vision, die mein Kollege Garg als sozusagen Revolution dargestellt hat, Wirklichkeit wird. Aber, wie gesagt, es muss auch zusammenpassen. Es darf nicht zu einer weiteren Belastung der Hausärztinnen und Hausärzte führen, wenn sie herumtelefonieren sollen, um Termine zu vereinbaren. Es muss gute digitale Lösungen geben. Denn klar und in dem Konzept vorgesehen ist: Es soll auch weiterhin die freie Arztoder Ärztinnenwahl geben. Ich kann mir im Moment noch nicht vorstellen, dass meine Hausärztin für mich bei dem jeweiligen Orthopäden oder der Orthopädin einen Termin vereinbart. Ich finde es in der Theorie gut, bin mir aber noch nicht ganz sicher, wie es wirklich funktionieren kann, ohne dass wir doppelt arbeiten, Doppelkontakte herstellen und Doppelbelastungen haben. Ich finde es gut, dass das Konzept schon jetzt einige Ausnahmen vorsieht – Sie haben das in Ihrem Bericht auch erwähnt –, und zwar für chronisch kranke Menschen für bestimmte Facharztrichtungen. Ich muss nicht erst zu einem Hausarzt gehen, um dann hinterher einen Termin bei der Gynäkologin zu vereinbaren. Aber es muss auch für akute Situationen Ausnahmen geben; Sie kennen das alle, wenn man berufstätig ist und sehr akut eine Hilfe braucht. Wenn ich dann vorher zu meiner Hausärztin oder zu meiner Primärarztpraxis gehen muss, um dann vielleicht den Termin bei welchem Arzt auch immer zu bekommen, ist das eine zusätzliche Belastung – nicht nur für Menschen, die berufstätig sind, sondern zum Beispiel auch für Menschen mit Behinderungen, die eine Assistenz brauchen. (Beifall Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Diese sind oft nicht in der Lage, von einem System ins andere zu wechseln. Ich fasse zusammen. Wir brauchen nicht mehr Behandlungen, sondern eine bessere Versorgung. Deshalb ist eine koordinierende, steuernde Rolle durch Hausärzte und Hausärztinnen gut. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das präventiv wirkt, wohnortnah stattfindet, unabhängig vom Geldbeutel ist und die Ressourcen unseres Gesundheitswesens sinnvoll einsetzt. Ich danke der Ministerin für ihren Bericht. Ich bin mir sicher, dass wir die Einführung eines solchen Systems in Schleswig-Holstein auch als Parlament eng begleiten werden. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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