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Hauke Hansen

CDU 20.06.2025 Sitzungen 20/92

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Ministerin, zunächst einmal vielen Dank für diesen Bericht und, lieber Heiner Garg, herzlichen Dank für den Wortbeitrag. Ich kann 90 Prozent direkt unterschreiben. Die ambulante Gesundheitsversorgung ist die Grundlage der flächendeckenden medizinischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. In rund 99.000 Praxen bundesweit gibt es täglich durchschnittlich 3,8 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte. Laut dem aktuellen Faktenpapier zur medizinischen Versorgung für Schleswig-Holstein vom Verband der Ersatzkassen waren Ende 2023 mit insgesamt 6.007 Ärztinnen und Ärzten im niedergelassenen Bereich so viele Medizinerinnen und Mediziner tätig wie nie zuvor in Schleswig-Holstein. 6884 Schleswig-Holsteinischer (Hauke Hansen) Zum Vergleich: 2015 waren es mit 5.100 Ärztinnen und Ärzten rund 900 weniger. Es ist bereits deutlich geworden, die Kopfzahl alleine zählt nicht. Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Ärztin und pro Arzt ist gesunken. Für einen Großteil der jungen Mediziner ist es nicht mehr erstrebenswert, pro Woche 60 Stunden oder mehr in der eigenen Praxis zu stehen. Teilzeitmodelle rücken stärker ins Blickfeld. Gleichzeitig führen der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt zu einer ständigen Steigerung der Nachfrage nach ärztlichen und physiotherapeutischen Angeboten. Wir stehen vor einer der größten Herausforderungen im deutschen Gesundheitssystem, dem zunehmenden Mangel an Fachärztinnen und Fachärzten, insbesondere in ländlichen Regionen, aber längst auch in unseren Städten. Lange Wartezeiten, überlastete Praxen, erschöpfte Ärztinnen und Ärzte sowie Praxisteams sind nicht die Ausnahme, sondern in der Zwischenzeit für viele Menschen leider die Regel. Grund dafür ist die demografische Entwicklung, die zum einen eine immer älter werdende und immer kränker werdende Patientenschaft hervorbringt. Auch die Mediziner sind heute schon angesprochen worden. Mitte 2023 waren 1.244 der zu dem Zeitpunkt 4.050 aktiven Fachärzte bei uns im Land 60 Jahre oder älter. Das entspricht einer Quote von 30,7 Prozent. Gleichzeitig entscheiden sich immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte für die klassische Facharztausbildung und die Niederlassung: zu bürokratisch, zu viel Verantwortung, zu wenig Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf. Hinzu kommen regionale Ungleichgewichte. Während in Städten die Facharztversorgung noch gut läuft, sieht es auf dem Land tatsächlich manchmal schon eher mau aus. Ein möglicher und vielversprechender Ansatz zur Entspannung dieser Lage liegt in der angedachten Einführung eines Primärarztsystems ähnlich zu dem Hausarztsystem in skandinavischen Ländern oder auch in Großbritannien. Das System verhindert Überdiagnostik, Doppeluntersuchungen und unnötige Überweisungen. Es sorgt für eine effektive Steuerung und den Schutz der vorhandenen Ressourcen. Primärarztsystem bedeutet, dass sich Patientinnen und Patienten zuerst an eine hausärztliche Anlaufstelle wenden. Herr Dr. Garg hat es dargestellt. Das muss nicht immer eine Ärztin oder ein Arzt sein. Das kann auch ein PA sein. Die koordinierte Versorgung reduziert die Arzt-Patienten-Kontakte. So können sich Fachärztinnen und Fachärzte auf die tatsächlich komplexen Fälle fokussieren und die Zeit besser nutzen. Anstatt monatelang auf einen Termin zu warten, erhalten Patientinnen und Patienten schneller Hilfe, abgestimmt durch die Primärversorgung. Meine Damen und Herren, das Primärarztsystem darf nicht als Facharztverhinderungssystem verstanden werden, sondern als Fundament für eine moderne und entlastende Gesundheitsversorgung. Es geht nicht darum, Fachärzte zu ersetzen, sondern es geht darum, dass Patientinnen und Patienten, die fachärztliche Behandlung benötigen, diese zügig und umfassend erhalten. Es geht um Zusammenarbeit statt Zersplitterung. Es geht um Versorgungssicherheit für heute und für die Zukunft. Der Facharztmangel ist real. Doch mit einer gut organisierten Einführung des Primärarztsystems können wir diesem Mangel entschlossen entgegentreten. Ich habe die gute Hoffnung, dass dieses in Koordination zwischen den Akteuren in Schleswig-Holstein vernünftig funktionieren wird. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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