Dr. Michael Schunck
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die angespannte Haushaltslage unserer Tierheime war schon zu oft Thema hier im Landtag. Es wurde jetzt schon mehrfach hier erwähnt und im Rahmen der Haushaltsberatungen haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass unsere Tierheime vor enormen Aufgaben stehen, die sie kaum noch bewältigen können. Die ehrenamtlich Tätigen leisten durch ihren unermüdlichen Einsatz Großartiges im Sinne des Tierschutzes. Dafür gebührt ihnen von dieser Stelle nochmals unser Dank. Das hat Frau Schmachtenberg schon gesagt. (Vereinzelter Beifall) Man kann es nicht oft genug sagen, ja. Aber die Tierheime platzen aus allen Nähten und werden nur noch durch Ehrenamt und Spenden zusammengehalten. Das kann und darf so nicht weitergehen. Wir haben immer gefordert, dass das Land hier seinen Beitrag leisten und die Tierheime entsprechend unterstützen muss. Hier werden wir auch nicht lockerlassen, bis wir endlich nachhaltige Lösungen im Sinne unserer Tierheime gefunden haben. (Beifall SSW, FDP und Marc Timmer [SPD]) Tierheime übernehmen eine Vielzahl von Aufgaben, die über die Unterbringung und Versorgung von Fundtieren weit hinausgehen. Indem sie die Betreuung und Versorgung der Tiere übernehmen, entlasten sie die Kommunen und Städte. Das ist gut so. Dafür gibt es entsprechende Verträge, die aber augenscheinlich nicht ausreichen. Daher sagen wir, dass dies eben nicht allein ein kommunales Problem ist oder sein darf, Frau Schmachtenberg. Tierschutz geht uns alle an, und (Dr. Michael Schunck) damit ist es ein gesellschaftliches Problem und eine gesellschaftliche Aufgabe. (Beifall SSW, FDP, Sandra Redmann [SPD] und Marc Timmer [SPD]) Schleswig-Holstein steht mit diesem Problem nicht allein da. Bundesweit haben die Tierheime mit Überlastung, Unterfinanzierung und Fachkräftemangel zu kämpfen, sodass die Bundestierschutzbeauftragte Ariane Kari zu einem Runden Tisch zur Lage der Tierheime eingeladen hatte. Ein Ergebnis des Runden Tisches ist: Die Tierheime dürfen nicht alleingelassen werden, und die Tierheimförderung muss politisch angegangen werden. – Das Problem ist dort längst erkannt, aber es fehlt am politischen Umsetzungswillen. In diesem Kontext sehe ich die Situation der speziellen Betreuungsstationen für Wildtiere bei uns im Land. Auch hier hat die Landesregierung die Mittel für den Betrieb solcher Stationen gestrichen, und die Probleme sind vergleichbar mit denen der Tierheime. Dies wurde zuletzt noch einmal deutlich, als es um den Fund einer Anakonda ging; dies wurde heute schon mehrfach erwähnt. Dankenswerterweise konnte das Tier von der Feuerwehr und einem Reptilienexperten aus dem Wasser geborgen werden. (Annabell Krämer [FDP]: Eine tolle Feuerwehr!) – Eine sehr tolle Feuerwehr, genau. Die kennt sich mit schlauchähnlichen Objekten unheimlich gut aus, von daher war das genau richtig. (Vereinzelte Heiterkeit – Beifall SSW) Hier gilt unser Dank den zuständigen Akteuren, die diesen ungewöhnlichen Einsatz durchgeführt haben. Erst nach längerer Suche ist es gelungen, eine geeignete Unterbringung für das Tier ausfindig zu machen. Die Wildtierauffangstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop – das wurde schon erwähnt, ein klasse Name – hatte sich bereit erklärt, das Tier vorübergehend aufzunehmen, obwohl man auch dort am Aufnahmelimit arbeitet. Die Probleme sind unter anderem Platzmangel für derartige Exoten, und es fehlt an entsprechenden Fachkräften, die mit Gefahrtieren umgehen dürfen. Der Bedarf an solchen Fachkräften wird immer größer. Die Anakonda jüngst oder die afrikanische Baumschlange und der Fund einer Geierschildkröte im letzten Jahr machen deutlich, dass das Problem zunimmt, da exotische Wildtiere in die freie Wildbahn ausgesetzt werden, wenn deren Halter überfordert oder ihres Tieres überdrüssig geworden sind. Hierzu hat die Tierschutzbeauftragte des Landes, Frau Erdmann – das wurde schon erwähnt –, in der mündlichen Anhörung zur Tierärztegebührenordnung deutlich gemacht, dass zunehmend exotische Tiere angeschafft würden. Es gebe aber wenig fachkompetente Tierärzte, die solche Tiere behandeln könnten. Für eine Behandlung müssten daher von den Tierhaltern weite Anreisen in Kauf genommen werden. Wenn dann noch die Tierarztkosten steigen und ihre Besitzer diese nicht bezahlen können, geben sie ihre Exoten in Tierheimen oder Auffangstationen ab. Das ist noch die bessere Lösung. Im Zweifel werden sie einfach ausgesetzt. So oder so, der unqualifizierte private Umgang mit den exotischen Tieren stellt Behörden und Auffangstationen vor große Herausforderungen. Das ist auch eine Erkenntnis des Runden Tisches. Daher gilt es, speziell für diesen Bereich stringentere Regelungen zu erstellen und gegebenenfalls entsprechende Sachkundenachweise zu fordern. Das sind dicke Bretter, das Problem so jetzt jetzt nicht zu lösen, aber langfristig sollten wir das durchaus in Betracht ziehen. Was wir jetzt brauchen, sind zeitnahe Lösungen. Wir brauchen nachhaltige Strukturen und Vereinbarungen, um die Arbeit der Tierheime und Auffangstationen zu sichern. Und ja, Frau Backsen, langfristig sollten wir uns Gedanken über die Haltung exotischer Tiere machen. Aber erst einmal arbeitet der Tierschutz seit Jahren am Limit, und die Verzweiflung ist groß. Wir dürfen die Arbeit der Auffang- und Betreuungsstationen nicht allein aus Spenden finanzieren. Das Land muss sich endlich zum Tierschutz bekennen und wieder Mittel bereitstellen. (Beifall SSW, Sandra Redmann [SPD], Kianusch Stender [SPD] und Annabell Krämer [FDP]) Daher unterstützen wir vom SSW den Antrag der FDP – man könnte jetzt noch sagen: von Annabell zu Anakonda. – Vielen Dank. (Beifall SSW, FDP, Sandra Redmann [SPD] und Kianusch Stender [SPD])
