landtag.ltsh.de ↗

Sandra Redmann

SPD 20.06.2025 Sitzungen 20/92

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte jetzt weder was zu Ben noch zu Joachim sagen, sondern ich möchte das gerne ein wenig allgemeiner halten, aber auf die einzelnen Punkte eingehen und auch auf das, was Frau Backsen eben in ihrer Rede erwähnt hat. In dem Antrag der FDP geht es nicht nur darum, eine finanzielle Förderung wiederherzustellen – so habe ich das auch nicht verstanden –, sondern um die generelle Frage, wie wichtig und ernst uns praktischer Tierund Artenschutz ist. (Beifall SPD, SSW und Dr. Heiner Garg [FDP]) Daher ist es natürlich richtig, dass wir heute auch noch einmal über die gestrichenen Mittel für Wildtierbetreuungs- und Auffangstationen, aber natürlich auch der Tierheime sprechen. Gerade angesichts der aktuellen Ereignisse, die mehrfach erwähnt wurden, wird wieder sehr deutlich, wie wichtig diese Einrichtungen sind. Das ist im Übrigen kein Einzelfall, wenn auch ein ganz besonderer. Die Stationen leisten eine unverzichtbare Arbeit für verletzte, geschwächte oder verwaiste Wildtiere – das unter hohem persönlichen Einsatz mit immerhin doch knappen Mitteln und enormen Fachwissen, Tag für Tag. Informieren Sie sich mal, was da zurzeit los ist. Da wird im Moment rund um die Uhr gefüttert, gehegt, gepflegt, um dann anschließend die Tiere in ihren natürlichen Lebensraum zu entlassen. (Beifall SPD und FDP) Dafür gibt es auch ein riesen Dankeschön von der SPD-Landtagsfraktion. (Beifall SPD, FDP, Cornelia Schmachtenberg [CDU], Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Oliver Brandt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Da klatscht die FDP. (Zuruf: Ich dachte, da kommt noch was!) – Nein, das war es schon. Es geht jetzt weiter. Unverständlich ist es daher, dass die Landesregierung ausgerechnet in einem Bereich kürzt, der eigentlich nach mehr Unterstützung schreit. Statt Planungssicherheit entsteht Verunsicherung, und das ist gerade in dem Bereich ein echtes Problem. Zusätzlich belastet das Hin- und Herschieben von Verantwortlichkeiten bei der Finanzierung. Dieses Hin- und Herschieben gibt es insbesondere, wenn die Fristen länger als sechs Monate sind. Es gibt noch eine Menge an Dingen, die wir regeln müssten. (Vereinzelter Beifall SPD und FDP) Ich möchte es hier wiederholen: Wir haben schon vor langer Zeit eine Konferenz gefordert, an der alle wesentlichen Akteure im Tierschutz – Land, Kommunen, aber auch Bund, den wollen wir nicht aus der Verantwortung nehmen – zusammenkommen, um all diese Fragen zu klären. Das wollten Sie nicht. Aber Leute: Verantwortung heißt auch, Dinge zu regeln, auch wenn sie etwas komplizierter sind. (Beifall SPD, FDP und SSW) Es gibt Punkte, die nicht geregelt sind. Lassen Sie mich aber noch auf einige andere Punkte eingehen, die ich jetzt einfach bei dieser Debatte gerne erwähnen möchte. Tierschutz ist ein großes Anliegen, auch in unserer Gesellschaft – ein Glück. Aber nicht immer wird Tierschutz richtig verstanden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch von der FDP muss ich jetzt bei diesem Punkt sagen: Der beste Wildtierschutz besteht darin, Bedingungen zu schaffen, in denen Tiere gesund leben können – (Beifall SPD, vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, FDP und Beifall Cornelia Schmachtenberg [CDU]) in der freien Natur, in intakten Lebensräumen und in Rückzugsorten, die wirklich ihnen gehören. (Zuruf) – Aber in manchen Diskussionen kommt mir das manchmal zu kurz. Wir müssen daher auch die Flächenversiegelung, die Zerschneidung von Lebensräumen, den Rückgang der Artenvielfalt und die übermäßige Nutzung und Eingriffe in die Natur in den Blick nehmen. Das ist der wichtigste, der allerwichtigste Schutz für unsere Tierwelt. (Beifall SPD, FDP, SSW, Cornelia Schmachtenberg [CDU], Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Auch da leisten die Stationen, Tierheime und ganz viele Vereine wichtige Arbeit. Sie betreuen nämlich 6876 Schleswig-Holsteinischer (Sandra Redmann) nicht nur, sondern sind auch Ansprechpartner. Sie sind Beratende – das haben wir gerade selbst erfahren – und leisten so auch Bildungsarbeit. Denn nicht jedes Tier, das hilflos wirkt, ist auch hilflos. Es ist echt super, wenn Menschen Hilfen leisten und genau hinschauen, aber es darf nicht so sein, dass jetzt jeder Vogel, der an einem Baum sitzt und nicht schnell genug abhauen kann, mitgeschleppt wird. Und nicht jeder Igel, der durch den Garten stromert, muss gebadet und gekuschelt werden. (Beifall SPD, FDP, SSW, Rixa Kleinschmit [CDU] und Cornelia Schmachtenberg [CDU]) Manchmal reichen einfach eine Rückzugsmöglichkeit und frisches Wasser. Manchmal kann man leider nicht mehr helfen. Lieber mal bei den Stationen und Vereinen nachfragen, die solche Sachen ganz genau wissen. Manchmal muss man eingreifen und manchmal eben nicht. Social Media kann da übrigens eine große Hilfe sein. Wir alle lieben doch Tiervideos und Fotos. (Zuruf Annabell Krämer [FDP]) Zudem werden Tipps gegeben, Informationen verbreitet, Aufmerksamkeit geschaffen und das Herz geöffnet, eben auch mit schönen Bildern. Waschbären Kostüme anzuziehen und Tierrettungen zu inszenieren, um Klicks und Reichweiten zu bekommen, sind allerdings kein adäquates Mittel. (Beifall SPD, FDP, SSW, Cornelia Schmachtenberg [CDU], Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Tierschutz ist vielfältig, liebe Kolleginnen und Kollegen. Daher muss auch der Handel mit Tieren eingeschränkt werden. Kein Wildtier, nicht ein einziges, hat etwas im Zirkus zu suchen. (Beifall SPD, FDP, SSW, Cornelia Schmachtenberg [CDU], Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Nelly Waldeck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Liebe Conny Schmachtenberg, Sie haben es eben bei der Anakonda angesprochen, und Silke Backsen, meine Kollegin, hat das auch gesagt: Ich denke, wir müssen unbedingt eine Ausschussüberweisung vornehmen, weil es noch viele Fragen gibt, die nicht geregelt sind, zum Beispiel beim Handel mit Exoten, beim Handel mit Amphibien. Das sind Dinge, wo wir darüber nachdenken können, als Land Schleswig-Holstein beim Tierschutz weiter voranzugehen. Lassen Sie mich zum Abschluss sagen: Wirkliche Anerkennung für die Arbeit von Wildtierstationen, Tierheimen und Vereinen zeigt sich nicht in wohlwollenden Worten, (Beifall SPD, FDP und SSW) sondern in ausreichender finanzieller Unterstützung und konsequenter Umsetzung von Tierrechten. – Vielen Dank. (Beifall SSW, FDP und SSW)

Alle Reden von Sandra Redmann Protokoll ↗