Annabell Krämer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Liebe Kollegen! Im Haushalt 2025 sind im Einzelplan 08 eigentlich „Zuwendungen an anerkannte Stationen für die Betreuung und Pflege verletzter, hilfloser oder kranker Wildtiere“ vorgesehen. 2024 waren es 200.000 Euro. Wie sieht es 2025 aus? „Anpassung um ‑100,0 T€ an den tatsächlichen Bedarf“. Ob das der tatsächliche Bedarf ist, sei mal dahingestellt. Ich glaube eher: Aus bürokratischen Gründen werden die Mittel nicht abgerufen. Aber was war noch? Die nächsten 100.000 Euro wurden auch noch gestrichen – ich zitiere erneut: „-100,0 T€ Konsolidierungsbeitrag 2. Tranche“. Ich finde, das schlägt dem Fass wirklich den Boden aus. Der Bedarf wird eindeutig gesehen, aber gedeckt wird er nicht. (Vereinzelter Beifall FDP, SPD und SSW) Die Verantwortung für die Versorgung von Wildtieren wird im Land Schleswig-Holstein ausschließlich auf das Ehrenamt abgewälzt. Meine Damen und Herren, ich sage es nicht zum ersten Mal: Wildtiere kennen keine kommunalen Grenzen. Es ist eine Landesaufgabe, die nicht länger auf dem Rücken von Ehrenamtlichen ausgetragen werden darf. Wie oft betonen eigentlich gerade die Kollegen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Bedeutung von Artenvielfalt und Biodiversität? Aber wenn es konkret wird, steht der Tierschutz bei den Grünen regelmäßig ganz hinten auf der Prioritätenliste. (Unruhe) Verletzte Seeadler, Wildkatzen, Greifvögel und Eulen müssen dringend versorgt werden, aber bitte vom Ehrenamt auf eigene Kosten. Aber ich weiß auch: Das sieht ganz anders aus, wenn es zum Beispiel um Fraßschäden von Nonnen- und Graugänsen geht. Die stehen bei Ihnen ganz oben auf der Liste der zu schützenden Tiere. Aber wehe, es passiert: Zum Beispiel ein Reptil stammt aus einem Terrarium statt aus einem schleswig-holsteinischen Mischwald. Dann wird es richtig kompliziert. Überall wird tief in die Kasse gegriffen, um Wildfraß zu verhindern und die Nonnengänse zu schützen, aber hingegen bei Wildtierstationen: Landesmittel – Fehlanzeige. Das ist nicht konsequent, meine Damen und Herren, das ist nicht glaubwürdig, und das ist schlicht ungerecht. (Cornelia Schmachtenberg [CDU]: Kommunale Aufgabe!) – Sie haben ja noch nicht einmal zugehört. Wir reden von Wildtieren. Wildtiere sind keine kommunalen Tiere, das sind keine Fundtiere, verdammte Axt. (Cornelia Schmachtenberg [CDU]: Doch!) Da ich noch ein bisschen Redezeit habe und Sie alle sich schon drauf freuen, kommen wir nun zur berühmten Anakonda Ben aus Quickborn – ehemals 6870 Schleswig-Holsteinischer (Annabell Krämer) ein Quickborner Tier, zukünftig Ben von Stendal in Sachsen-Anhalt. (Vereinzelte Heiterkeit) Ein Tier, das nicht nur für großes öffentliches Interesse sorgte – das ist jetzt eine ernste Sache –, sondern für ganz großes Behördenchaos. Die Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop hat die Schlange aufgenommen. Was folgte war kein Dank, keine Unterstützung, kein unkomplizierter Kontakt mit den zuständigen Stellen, sondern (Unruhe Christopher Vogt [FDP]) – Herr Kollege Vogt! – bürokratisches Theater erster Güte. (Anhaltende Unruhe) Wer war denn nun zuständig für Ben? Das Landesamt für Umwelt hat die Schlange nicht als Gefahrtier eingestuft. Es folgte – auch die Grünen dürfen gerne zuhören – ein Pingpong der Zuständigkeiten. Niemand hat sich für das Fundtier zuständig gefühlt.
